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  Kommunalpolitik
 
Freie Kunstschule und Kunstverein gesichert - 26.1.2014
Ideenwettbewerb darf sich auch mit Kunst- und Kulturzentrum beschäftigen

  (th)

Zu Beginn der gut besuchten Sondersitzung des Gemeinderates im Januar wünschte sich Oberbürgermeister Otmar Heirich eine möglichst breite Mehrheit für das weitere Vorgehen zur Entwicklung des Melchior-Areals. Seiner Ansicht nach könne sich Nürtingen zum einen ein für das Areal diskutiertes Kunst- und Kulturzentrum finanziell nicht leisten. Zum anderen sei das Melchior-Areal ein Filetstück der Stadtentwicklung, für das andere Projekte möglicherweise attraktiver seien. Daher schlug die Verwaltung vor,
1. den Beschluss zum Verkauf des Geländes aufzuheben, um den Weg für eine Gesamtplanung frei zu machen;
2. der Freien Kunstschule einen Mietvertrag über zwei Jahre zu geben,
um ihr für die Dauer des weiteren Planungsverfahrens eine verlässliche Perspektive zu geben, wobei der OB signalisierte, dass man die Befristung auch verlängern könne;
3. in dem Gebäude auch den Kunstverein unterzubringen, dessen derzeitiges Domizil demnächst abgerissen werden soll, und zu prüfen, ob auch noch eine Saisongastronomie (z.B. Biergarten) untergebracht werden könnte;
4. die notwendigen Instandsetzungsarbeiten vorzunehmen;
5. einen Ideenwettbewerb für das Melchior-Areal und die jenseits der Neckarstraße liegenden städtischen Grundstücke (Villa Otto, Kuckucksei) auszuloben, bei dem die Möglichkeiten für eine integrierte Nutzung der Flächen für Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft, Gastronomie und mehr ausgelotet werden sollen,
in den die Vorarbeiten für ein Kunst- und Kulturzentrum als Material eingehen könnten;
6. die Planungen für ein Kunst- und Kulturzentrum nicht weiter zu verfolgen
bis die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs vorliegen;
7. die Zukunft der Hochschule für Kunsttherapie in Nürtingen zu sichern,
egal, ob dafür das Melchior-Areal oder andere Flächen genutzt werden.
Obwohl er damit die Sitzungsvorlage nur leicht modifizierte, wurde auf Antrag von Otto Unger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, die Sitzung daraufhin für eine Viertelstunde unterbrochen, damit die Fraktionen den Antrag nochmal beraten konnten.

Anschließend nahmen die Fraktionen Stellung, beginnend mit Thaddäus Kunzmann von der CDU, der dem Vorschlag der Verwaltung sogleich zustimmte, da die Bedenken seiner Fraktion damit berücksichtigt würden. „Uns ging es darum, das finanzielle Abenteuer eines Neubaus zu verhindern!“ An diesem sensiblen Standort hätte man sich nicht auf eine preisgünstige bauliche Lösung beschränken können, sondern hätte etwas gestalterisch Wertvolles realisieren müssen, was auch seinen Preis hätte. Der Verwaltungsvorschlag berücksichtige auch die Interessen der Kulturtreibenden, die erreicht hätten, dass das Gelände nicht verkauft werde und die Freie Kunstschule erhalten und saniert werde. Um das Gelände aber für alle Nürtinger zu öffnen, begrüßte er auch die Überlegungen für ein gastronomisches Angebot.

Otto Unger signalisierte für seine Fraktion ebenfalls Zustimmung und griff zur Begründung die Erläuterungen des Oberbürgermeisters auf. Er betonte ebenfalls die notendige Öffnung für die Bürger und sprach sich gegen einen Neubau auf dem Melchior-Areal aus.

Reinmar Wipper von der Nürtinger Liste / Grüne erinnerte daran, dass seit dem Amtsantritt von Bürgermeisterin Claudia Grau vor drei Jahren auf ihre Anregung hin Ideen entwickelt wurden, die zu der Vision eines Kunst- und Kulturzentrums führten, das allen Bürgern offen stehen würde. Er begrüßte es, dass der Oberbürgermeister das gesamte Gebiet zwischen Stadt- und Wörth-Brücke in die Betrachtung einbeziehen wolle. Ein künftiges Konzept solle die Interessen aller an der Planung eines Kunst- und Kulturzentrums Beteiligten berücksichtigen, weshalb er Modifizierungen der Verwaltungsvorlage forderte, nach denen auch seine Fraktion dem Vorschlag zustimmen könnte.

Bärbel Kehl-Maurer von der SPD wies darauf hin, dass 22 Stadträte (aus allen Fraktionen außer der CDU) einen ähnlichen Antrag, wie die Verwaltung formuliert hatten, wobei ihre Fraktion dem Vorschlag des Oberbürgermeisters zustimmen könnte. Die Zugänglichkeit des Geländes am Neckar für alle Bürger war für sie selbstverständlich und sie forderte, die bisherigen Planungen für ein Kunst- und Kulturzentrum in dem Ideenwettbewerb zu berücksichtigen. Sie wies die Darstellungen insbesondere von Seiten der CDU zurück, die Unterstützer eines Kunst- und Kulturzentrums würden nur die Interessen der Kultur beachten und finanzielle Aspekte ignorieren.

Nachdem schon so viel Zustimmung signalisiert worden war, konnte es Achim Maier von den Jungen Bürgern kurz machen. Er kündigte die Zustimmung seiner Fraktion für die modifizierte Vorlage an, wünschte aber, dass dem Ideenwettbewerb nicht zu viele Vorgaben gemacht werden, um die Kreativität nicht zu behindern.

Auch Hermann Quast von der FDP sprach sich für die Verwaltungsvorlage aus und hoffte, dass mit dem Beschluss ein positives Bild des Nürtinger Gemeinderates vermittelt werde.

Am Schluss der Debatte erklärte Bürgermeisterin Claudia Grau, dass sie froh sei über die fraktionsübergreifende Unterstützung des Verwaltungsvorschlags, der nichts ausschließe und die Planung für neue Ideen öffne. Sie nutzte die Gelegenheit auch, um der Arbeitsgruppe der Kulturtreibenden für die Arbeit an der Vision Kunst- und Kulturzentrum zu danken.

Schließlich stimmte der Gemeinderat nahezu einstimmig dem Verwaltungsvorschlag zu, wobei die Befristung des Mietvertrages für die Freie Kunstschule auf fünf Jahre mit Sonderkündigungsrecht festgelegt wurde, die Überlegungen für ein Kunst- und Kulturzentrum in den Ideenwettbewerb einfließen können und auch die Zukunft der Freien Kunstschule in Nürtingen gesichert werden soll.

Kommentar
Oberbürgermeister Otmar Heirich scheint sich im Vorfeld bei allen Fraktionen um eine möglichst einvernehmliche Entscheidung bemüht zu haben. Warum nach den Erläuterungen des Verwaltungsantrages noch eine Beratungspause notwendig war, war nicht ganz verständlich. Herausgekommen ist ein Beschluss, mit dem jeder hofft, seine Vorstellungen realisieren zu können. Die Gegner eines Kunst- und Kulturzentrums, insbesondere in der CDU, sind zufrieden, weil die Verwaltung sich nicht weiter mit einem entsprechenden Konzept beschäftigen wird und für eine Verwertung des Areals ein Ideenwettbewerb durchgeführt wird. Die Unterstützer der beabsichtigten Entwicklung der Kultur freuen sich, dass die Unterbringung der Freien Kunstschule und des Kunstvereins bis auf weiteres gesichert sind und hoffen möglicherweise, dass sie die Überlegungen zur Weiterentwicklung des kulturellen Angebotes erfolgreich in den Ideenwettbewerb einbringen können. In den kurzfristig entschärften Stellungnahmen hallte noch das Pulver, mit denen die Redekanonen geladen waren nach, wenn suggeriert wurde, dass die Entwicklung eines Kunst- und Kulturzentrums nur einem elitären Kreis Kulturtreibender zu Gute käme und kein Angebot für alle Bürger wäre.

(Thomas Hauptmann)


 


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