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  Kommunalpolitik
 
Architektur für Kinder nicht wichtig? - 28.2.2015
Thaddäus Kunzmann plädiert für Systembauweise in der Braike

  (th) Kinderhaus in Systembauweise?
Im Kindergartenmasterplan ist die Zentralisierung der Kindergartenstandorte in der Braike vorgesehen. Bisher war geplant, am Standort Achalmstraße eine fünfgruppige Einrichtung für Kinder über und unter drei Jahren zu schaffen in die die Kindergärten Schmidstraße und Breiter Weg eingegliedert werden. Da sich inzwischen herausgestellt hat, dass für die prognostizierten Kinderzahlen eine sechsgruppige Einrichtung benötigt wird, für die der Platz in der Achalmstraße nicht ausreicht, schlug die Verwaltung nun vor, das Projekt im westlichen Teil der städtischen Ferienlagerwiese (Google-Luftbild) am Breiten Weg hinter der Versöhnungskirche zu realisieren und dort auch eine Küche vorzusehen, in der täglich ca. 500 Essen für die Ganztageseinrichtungen in der Stadt zubereitet werden. Oberbürgermeister Heirich hält die sich aus der Randlage im Einzugsgebiet ergebenden größeren Entfernungen zwischen Wohnungen und Kinderbetreuung für nicht ganz so problematisch, da bereits heute die meisten Kinder von ihren Eltern mit dem Auto gebracht und geholt werden. Auch das Ferienlager wird man nach seinen Worten weiterhin unter Einbeziehung von Flächen nördlich des Breiten Weges dort durchführen können.
Franz Ackermann (Liberale aktiuve Bürger / FWV - LAB/FWV) konnte die Argumentation nachvollziehen und stimmte der Planung grundsätzlich zu. Er merkte aber kritisch an, dass das vorgestellte Raumprogramm über die Empfehlungen des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales hinausgehe. Seine Fraktion befürchtet, dass die Kosten am Schluss auch gut doppelt so hoch liegen könnten und wünschte sich Zahlen über die zu erwartenden Einsparungen und die Erlöse aus dem Verkauf der aufzulösenden Standorte. Skeptisch äußerte er sich auch zu einem Architektenwettbewerb für den Neubau.
Ähnlich äußerte sich Thaddäus Kunzmann von der CDU. Er bekräftigt die Ablehnung eines Architektenwettbewerbes mit dem Hinweis, dass für die Einrichtung auch Systembauten verwendet werden könnten - „das sind ja keine Container“. Eine Produktionsküche sieht er in diesem Bereich allerdings kritisch, da es sich dabei von der Art her eher um eine gewerbeähnliche Einrichtung handele, die man bei einem privaten Bauherrn nur in einem Gewerbegebiet zulassen würde. Stattdessen könnte man die in den Mehrzweckhallen in Raidwangen oder Neckarhausen vorhandenen Küchen für diesen Zweck nutzen.
Auch Reinmar Wipper von der Nürtinger Liste / Grüne (NL/G) plädierte für eine funktionale Bauweise und gegen architektonische Highlights, denn „Kinder schauen nicht in Architekturzeitschriften“. Die Integration einer Küche an diesem Standort hält er hingegen für wichtig, denn es komme heute nicht nur darauf an, satt zu werden, sondern zu wissen, was man isst.
Klaus Fischer (Freie Wähler - FW) begrüßte das Konzept und das Raumprogramm und hob hervor, dass diese zentrale Einrichtung die Begegnung von Kindern über und unter drei Jahren ermögliche.
Auch Bärbel Kehl-Maurer von der SPD stimmte dem Konzept zu, das schnell umgesetzt werden sollte, weshalb auch sie sich dafür aussprach, auf einen Architektenwettbewerb zu verzichten.
Julia Rieger (NT14) verwies auf die Herausforderungen großer Einrichtungen bezüglich der Freiraumnutzung und der Aufsichtspflicht aber auch des Verkehrsaufkommens und des Erlebnisses des Stadtteils durch die Kinder.
Vor der Abstimmung zog der Oberbürgermeister aus den Stellungnahmen den Schluss, dass für den Neubau am Breiten Weg kein Architektenwettbewerb ausgelobt werden solle. Dem widersprach der Gemeinderat nicht und stimmte dem Konzept mehrheitlich zu, während die Überlegungen für eine Produktionsküche nur zur Kenntnis genommen wurden.
Der Neubau eines Kinderhauses in Neckarhausen für zwei Gruppen mit Unter- und vier Gruppen mit Übervierjährigen, in den ein zweigruppiger Schulkindergarten für geistig behinderte Kinder der Bodelschwinghschule integriert werden soll, wurde weniger kritisch gesehen. In dem Gebäude, für das ein Architektenwettbewerb vorgesehen ist, soll auch ein Jugendraum und die Außenstelle der Bücherei untergebracht werden, was so einstimmig beschlossen wurde.
(siehe Kommentar)

ISEK: Städtebauliche Bibel
Nach zwei Jahren Bearbeitungszeit lag nun mit dem Handlungskonzept das „eigentliche“ Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) vor. Darin sind 10 Leitbilder für Nürtingen und zwölf Schlüsselprojekte mit insgesamt 54 Projekt-Bausteinen aufgeführt, die vom Gemeinderat beschlossen und in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden sollen.
Herrmann Quast (LAB/FWV) machte nicht viele Worte und begrüßte das Ergebnis.
Matthias Hiller (CDU) wies hingegen darauf hin, dass das Thema Wohnen, das in den Ergebnissen der Bürgerbefragung ein hohes Gewicht hatte, in den Workshops wieder verwässert worden war. Das Handlungskonzept betrachtete er als Ideensammlung für 100 Millionen Euro, die nicht alle umsetzbar seien. Seiner Fraktion war es wichtig, dass die Priorisierung der Leitbilder, die der Gemeinderat auf einer Klausurtagung erarbeitet hatte, in den Bericht übernommen wurde, bei der die attraktive Innenstadt, die Wirtschaftsstärke und die Wohnflächenentwicklung ganz oben stehen.
Claudia Himmer (NL/G) forderte allerdings mit Blick auf die Prioritätenliste, dass auch der Hinweis ergänzt werden sollte, dass die Unterschiede in der Gewichtung der Leitbilder nicht besonders gravierend waren.
Achim Maier (FW) hoffte, dass die Einigung auf die großen Ziele der Stadtentwicklung dazu führt, dass im Gemeinderat weniger Grundsatzdiskussionen geführt werden und mehr an der Umsetzung gearbeitet wird.
Hans-Wolfgang Wetzel von der SPD lobte das Handlungskonzept als „städtebauliche Bibel“, eine großartige Arbeit, die großartige Perspektiven eröffne.
Raimund Braun hingegen bemängelte, dass eine Stärken-Schwächen-Analyse fehle und die Projektliste ein Wunschkonzert ohne ausreichende Kostenermittlung sei.
Schließlich wurde der Ergänzung um die Prioritätenliste mit knapper Mehrheit zugestimmt und das beschlossen Handlungskonzept mehrheitlich beschlossen.

Ohne lange Diskussion wurde sodann beschlossen,
•    im Rathaus benötigte Büroräume nicht durch die Umwandlung von zwei Fraktionsräumen zu gewinnen. Stattdessen soll ein Fraktionsraum als Sozialraum und Küche umgebaut werden und die notwendigen Arbeitsplätze in den bisher dafür genutzten Räumen untergebracht werden;
•    für 1,4 Millionen Euro Brandschutzmaßnahmen und Deckensanierungen am Hölderlin-Gymnasium durchzuführen;
•    die Grundschule Rossdorf umzubauen und energetisch zu sanieren, indem Fenstern und Außentüren erneuert und Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden;
•    auf dem Hofgut Tachenhausen das Dach des Schweine-und-Pferdestalls zu sanieren.

Kommentar
Gerade für ein Kinderhaus gefällt den Stadträten quadratisch, praktisch, gut – ach wie süß – und gar nicht teuer. Niemand - nicht der Technische Beigeordnete, nicht die Architekten im Gemeinderat, nicht die Stadträte, die gerne nach dem Gestaltungsbeirat rufen, wenn es baulich nicht so gelaufen ist, wie sie sich das vorstellten - widersprach den Plattitüden aus allen politischen Richtungen, dass Wettbewerbe nur der Selbstverwirklichung der Architekten dienten, und zu hohen Kosten führten. Und niemand hielt es offenbar für sinnvoll, sich für die Gestaltung eines Kinderhauses, in dem sechs Kindergruppen nebeneinander und miteinander über den ganzen Tag betreut werden sollen, verschiedene Ideen präsentieren zu lassen, die eine bessere Lösung als ein paar attraktive Systembauelemente hervorbringen. Während es Reinmar Wipper ganz wichtig ist, dass Kinder vom Essen nicht nur satt werden, sondern auch wissen, wie es zubereitet wird, scheint es ganz egal zu sein, wie die Gebäude aussehen, in denen die Kinder – die Bauherren, Architekten, Bewohner, Politiker der Zukunft - vor ihrem Schuleintritt einen großen Teil des Tages verbringen und wichtige Schritte der Sozialisation vollziehen. Man sieht ja, wohin das führt. Die Architektenkammer muss dringend ihre Lobbyarbeit in Nürtingen intensivieren, damit Architektur hier nicht zum Schimpfwort wird.
(Thomas Hauptmann)

 


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