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  Kommunalpolitik
 
Schwieriger Dialog - 3.8.2016
Stadt und Kirchen sprechen mit der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş

  (th) Auf der Facebook-Seite der "Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş e.V. Württemberg/Nürtingen Şubesi" wurde kürzlich ein Bericht mit Foto veröffentlicht, nach dem Vertreter der "Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş" (IGMG) sich unter anderem mit Oberbürgermeister Otmar Heirich, dem evangelischen Dekan Michael Waldmann, der evangelischen Islambeauftragen im Kirchenbezirk Nürtingen, Pfarrerin Barbara Brückner-Walter und dem stellvertretenden katholischen Dekan Martin Schwer im diesjährigen Ramadan zum Iftar-Essen anlässlich des abendlichen Fastenbrechens getroffen haben. Diese Begegnung von offiziellen Vertretern der Stadt und der Kirchen mit Vertretern einer Bewegung, die vom Landesamt für Verfassungsschutz als extremistische islamistische Organisation beobachtet wird, weil ihr Ziel, eine islamische Ordnung zu etablieren wesentliche Grundsätze der Verfassung außer Kraft setzen würde, wirft Fragen auf. Wir erkundigten uns deshalb bei den Vertretern von Stadt und Kirchen von wem die Initiative zu diesem Treffen ausging und warum dieser Dialog mit einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation gepflegt wird.

Nach den weitgehend gleichlautenden Antworten des Oberbürgermeisters und des evangelischen Dekans sowie der Antwort des stellvertretenden katholischen Dekans wurde die Einladung von Seiten der IGMG, die Trägerin der Mevlana-Moschee in der Tiefenbachstraße ist, im Zuge von seit einem Jahr laufenden Runden-Tisch-Gesprächen ausgesprochen. Diese Gespräche kamen durch Vermittlung des Islambeauftragten der Akademie der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart, Hussein Hamdan, zustande. Es sei durchaus bekannt, dass die IGMG in Baden-Württemberg noch vom Verfassungsschutz beobachtet werde, so Oberbürgermeister und evangelischer Dekan. Die Stadt habe sich aber bestätigen lassen, dass die Nürtinger Moscheegemeinde keine verfassungsschutzrelevanten Anzeichen aufweise. Mit den Gesprächen wolle man sich besser kennenlernen und solle die Arbeit der Moscheegemeinde transparenter werden.

Als Grundlage für die Zusammenarbeit wird das gemeinsame Wort der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und Islamischer Religionsgemeinschaften und Initiativen (auch der IGMG) zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit genannt. Dort wird die gemeinsame Verantwortung und das gemeinsame Interesse an Frieden und Gerechtigkeit betont.

Kommentar
Früher hatte die Stadt das Gespräch mit den Verantwortlichen der Moschee gesucht, weil es Beschwerden von Anwohnern über Lärm und wild geparkte Autos gab. Nun sind sie Partner im Dialog mit Stadt und Kirchen und die Mevlana-Moschee wird im Gegensatz zur Fatih-Moschee in der Max-Eyth-Straße, die von der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e. V." (ADÜTDF) getragen wird, die der Verfassungsschutz ebenso beobachtet, auf der Internetseite der Stadt aufgeführt. Natürlich ist es schwierig, den notwendigen interkulturellen und interreligiösen Dialog zu führen, wenn sich als organisierte Ansprechpartner nur zwei Moscheevereine mit zweifelhaftem Ruf anbieten. Da setzt man sich lieber mit dem kleineren der zwei Üblen zusammen und wenn die Gespräche gut laufen, meint man, die sind doch gar nicht so schlimm. Dabei widerspricht diese Erfahrung gar nicht der Einschätzung des Verfassungsschutzes, der der IGMG bescheinigt, während sie „nach außen hin moderat und dialogorientiert auftritt, weist sie nach innen Merkmale eines geschlossenen, ganz auf die muslimische Weltgemeinschaft hin ausgerichteten Systems auf". Man darf gespannt auf die Ergebnisse der Gespräche am Runden Tisch sein, wobei die Formulierung, die IGMG werde „noch“ vom Verfassungsschutz beobachtet, eine kritikfreudige Haltung eher gegenüber dem Verfassungsschutz als gegenüber dem beobachteten Moscheeverein andeutet. Hoffentlich hat man zum gegenseitigen Kennenlernen nicht nur auf Gemeinsamkeiten und angenehme Begegnungen geachtet, sondern auch über unterschiedliche Zielsetzungen für die Entwicklung der Gesellschaft diskutiert und sich dabei nicht nur auf persönliche Stellungnahmen am Runden Tisch, wo man gerne Streit vermeidet, sondern auch auf Aussagen in anderen Zusammenhängen, die zum Beispiel der Verfassungsschutz dokumentiert, bezogen.
Stadt und Kirchen sollten auch das Gespräch mit den
Muslimen suchen, die demokratiekonforme Anliegen für ihr Leben in Nürtingen haben, aber nicht organisiert sind und die Moscheen mangels Alternativen zum Beten nutzen ohne die Ziele der extremistischen Trägervereine zu unterstützen.
(Thomas Hauptmann)


 


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