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  Kommunalpolitik
 
Lange Tagesordnung - 3.11.2017
Bericht aus dem Gemeinderat Teil 1

  (th) Anfang Oktober trat der Gemeinderat zusammen, um eine 20-Punkte—Tagesordnung abzuarbeiten.

Hochwasserschutz
Nach der Bürgerfragestunde und der Bekanntgabe nichtöffentlich gefasster Beschlüsse wurde der Stand der Hochwasserschutzplanung am Neckar vorgestellt. Ronald Hasselsteiner vom Büro Björnsen Ingenieure erläuterte zunächst die technische Planung für die bearbeiteten Abschnitte. Im Bereich 1 - Zizishausen sind die bestehenden Hochwasserdämme durch den Bewuchs mit Gehölzen nicht standsicher, daher sollen hier insbesondere Spundwände eingebracht werden, die die Hochwasserschutzfunktion gewährleisten, ohne dass die Gehölze entfernt werden müssen. Im Bereich 2 - zwischen Stadtbrücke und Wörth sollen die vorhandenen Hochwasserschutzwände erhöht werden bzw. an der Alleenstraße und an der Steinach mobile Schutzmaßnahmen eingesetzt werden. Die Kostenschätzungen liegen erfreulicherweise im ersten Bereich ca. eine Million Euro unter den veranschlagten Kosten von 4,5 Millionen und im zweiten Bereich innerhalb des Kostenrahmens von 2,5 Millionen Euro, obwohl im Laufe der Planung zusätzliche Maßnahmen erforderlich wurden. Für den Bereich 3 - Oberensingen und 4 - von der Stadtbrücke flussaufwärts, wurde zunächst die Vorplanung erarbeitet. Bei Oberensingen wird der Hochwasserschutz zur Zeit durch Mauern und Dämme erreicht, wobei die vorhandenen Dämme wegen der nahen Bebauung künftig durch höhere Hochwasserschutzmauern ersetzt werden müssen. Nördlich der Stadtbrücke sind noch Erkundungen erforderlich, bevor nähere Angaben gemacht werden können. Die Freiraumplanung beschränkt sich im Bereich Zizishausen auf die Anlage von Sitzplätzen und Zugängen für ca. 100.000 Euro. Bei der Gestaltung der Freiräume zwischen Stadtbrücke und Wörth wurden von dem Nürtinger Büro welsner + welsner die Überlegungen für die Grünflächen des Baugebietes am Wörth berücksichtigt. Ulli Welsner sah nicht nur die Gestaltung der geplanten Schutzmauern mit sandgestrahlten oder - an besonders prominenten Stellen an der Steinach - auch natursteinverkleideten Oberflächen, ihre Aufwertung durch Textbänder und die Anpassung der Wegeniveaus an die Erhöhung der Mauern vor, sondern auch einen Spielplatz in der Nähe des Ruderclubs. Die Kosten für diese Maßnahmen betragen ca. 1,8 Millionen Euro. Die Planungen sollen der Öffentlichkeit am 10. November in der Stadthalle erläutert werden.
Raimund Braun (NT14) beklagte erneut die mangelnde Solidarität der flussaufwärts liegenden Gemeinden, die das Niederschlagswasser von ihren Gemarkungen in den Neckar leiten und zum Hochwasser in Nürtingen beitragen, für dessen Schutz die Stadt aufkommen müsse. Julia Rieger (NT14) und Dieter Braunmüller (Nürtinger Liste / Grüne - NLG) erkundigten sich nach dem Effekt einer reduzierten Wörthbebauung zu Gunsten von Retentionsflächen, die laut Ronald Hasselsteiner nicht zu einer spürbaren Reduzierung der Hochwassergefahr führen würde, aber den Hochwasserschutzmaßnahmen auch nicht schaden würde.

Stadtmarketing
Bei der Werbung für ein Marketingkonzept für die Stadt zeichnete Alexander Doderer von der Gruppe 3 die großen Entwicklungslinien bis 2030 (!), denen sich Nürtingen stellen müsse. Zu den erschreckendsten Prognosen gehörten wohl ein um 25 bis 35 % steigendes Verkehrsaufkommen und das Aus für Ladengeschäfte jenseits des Premiumsektors. Die Attraktivität der Stadt werde aber nur zu einem Drittel durch Fakten und zu zwei Dritteln durch emotionale Aspekte beeinflusst. Daher sei Marketing wichtig. Und Alexander Doderer zeigt die beliebten Perspektiven auf: „Nürtingen im Speckgürtel der Landeshauptstadt ist durch gut Verkehrsanbindung und das Erscheinungsbild der Stadt ein beliebter Wohn- und Arbeitsplatz mit traditionsreichem Erbe“. Zur Stadt fielen ihm die Stichworte Neckar, St. Laurentius, Metabo, Hochschule, Fachwerk und Altstadt ein. Er wies auf die Chancen der geplanten Entwicklungen in der Bahnstadt und am Schlossberg hin. In dieser Situation sei Stadtmarketing Grundlagenarbeit für die weitere Entwicklung.
Mit dieser Skizze löste er zwar vielfache Zustimmung aus, trotzdem fragte Frank Staffa von NT14, was denn das Ziel dieses Stadtmarketingkonzeptes sein solle. Alexander Doderer brachte es auf den Punkt, dass die Stadt ein bestimmtes Bild nach außen transportieren müsse. Während Achim Maier von den Freien Wählern sich dafür aussprach, das Thema zu vertagen, um sich Gedanken darüber machen zu können, plädierte Oberbürgermeister Otmar Heirich dafür, den Einstieg zu beschließen. Auch Bärbel Kehl-Maurer (SPD) erklärte, dass die Probleme doch bekannt seien und es keinen Grund für eine Vertagung gäbe. Auch Raimund Braun war bereit, den Einstieg jetzt zu beschließen und sich später das Konzept erläutern zu lassen. So wurde der Antrag auf Vertagung abgelehnt und mehrheitlich beschlossen, dass die Stadt zusammen mit der Gruppe 3 und der Hochschule eine Analyse-, Strategie- und Positionierungsphase angeht.

Kommentar
Dass Entscheidungen nicht nur bei potenziellen Konsumenten, Neubürgern und Gewerbesteuerzahlern, sondern auch bei den Verantwortlichen der Stadt  weniger aus rationalen denn aus emotionalen Beweggründen getroffen werden, machte sich Alexander Doderer in seinem Plädoyer für ein Stadtmarketingkonzept zunutze. Dabei spielte er die Melodie der Erinnerung an vergangene Pracht und unerfüllten Träume. Ich bezweifle aber, dass jenseits des Altkreises Nürtingen tatsächlich viele Heimwerker beim Griff zu ihrem Metabo-Werkzeug an unsere Stadt am Neckar denken. Alexander Doderer hat zwar dicke Backen gemacht, aber nicht erkennen lassen, dass man ein Alleinstellungsmerkmal nicht im Wettbewerb mit den Nachbarstädten findet. Dazu gehört es, Besonderheiten zu erkennen und als Stärken zu formulieren. Bei der Außenwirkung geht es nicht um die Vorlieben und Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger, sondern um die Aufmerksamkeit jenseits der Region. Ein Pfund, mit dem Nürtingen wuchern kann, sind weniger seine eigenen Reize, die nicht viel betörender sind als die der Nachbarstädte, sondern seine besondere Lage als Tor zur Alb, die meines Erachtens viel zu wenig vermarktet wird. (Thomas Hauptmann)

Hotel am Neckar
Um das Interesse der zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer zu befriedigen, wurde auf Vorschlag von Oberbürgermeister Otmar Heirich der Sachstandsbericht zur Planung eines Hotels am Neckar der Bautechnikerin Heike Sebrle vorverlegt. In der Bürgerinformationsveranstaltung am 19. Juni diesen Jahres war unter anderem kritisiert worden, dass das Gebäude zu groß sei, mit seinem Flachdach nicht zur Stadtsilhouette passe, der Biergarten zu klein und auf der Terrasse falsch platziert sei und der Abstand zum Neckar zu gering sei. Heike Sebrle erläuterte, wie sie die Anregungen aufgegriffen hat und den Entwurf des Gebäudes dadurch verbessert hat. Das Raumprogramm des Hotels wurde um neun Zimmer verkleinert, wodurch das Volumen verringert und der Abstand zum Neckar vergrößert werden konnte. Der Biergarten wurde von der Terrasse auf die Freifläche zur Freien Kunstschule verlegt, wodurch weiterer Platz beim Gebäude eingespart wurde und die kritisierte Rampe zur Terrasse wegfallen konnte. Auch über die Fassadengestaltung hat sie sich schon Gedanken gemacht. Nur ein Satteldach hat sie nicht vorgesehen, was nach Ansicht der Verwaltung für diesen Sonderbau auch städtebaulich verträglich sei und dafür sorge, dass das Gebäude nicht so hoch wird und begrünt werden könne.
Die Überarbeitung wurde von den meisten Fraktionen positiv gesehen. Jürgen Geissler (LAB-FWV) sprach sich für die weitere Umsetzung der Planung aus. Norbert Morgenthaler (CDU) regte an, dass der Gestaltungsbeirat in die Überarbeitung einbezogen werden sollte und für eine Bürgerbeteiligung aussagekräftige Perspektiven erstellt werden sollten. Den letzten Punkt griff Dieter Braunmüller auf und bekräftigte die Forderung nach einer erneuten Bürgerinformation. Achim Maier (FW) befürchtete nur, dass die Biergartenbewirtschaftung nicht groß genug wäre. Michael Medla von der SPD sah das Projekt immer noch kritisch. Das Gebäude enge die öffentlichen Flächen am Neckar zu sehr ein, für prägende Baukörper sei an dieser Stelle ein Satteldach erforderlich und angesichts weiterer aktueller Hotelplanungen in der Stadt fragte er nach dem Bedarf. Er plädierte dafür das Grundstück keines falls zu verkaufen, sondern gegen eine Erbbaupacht zur Verfügung zu stellen. Pit Lohse sah hingegen in der Entwicklung ein Täuschungsmanöver der Verwaltung, die sich klammheimlich in nichtöffentlichen Sitzungen von dem ISEK-Grundsatz der grünen Stadt am Fluss verabschiedet habe, ohne die Bürgerinnen und Bürger in ihre Überlegungen einzubeziehen. Er plädierte daher dafür, den Prozess zu stoppen.
Da es sich aber nur um einen Bericht über den aktuellen Stand der Planung handelte, wurden keine Beschlüsse über das Projekt gefasst.

Weitere Beschlüsse im 2. Teil des Berichtes.


 


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