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  Kommunalpolitik
 
Warum nur ausgerechnet dieses Grün? - 6.2.2007
Neue Farbgebung des Marktbrunnens ist für viele gewöhnungsbedürftig

 

(mai) Der Marktbrunnen  am Nürtinger Rathaus wird seit geraumer Zeit renoviert. Die Farbgestaltung hat viele Reaktionen ausgelöst, auch der Oberbürgermeister bekam "gewisse Probleme" mit dem "grellen Grün". Er liess Ende 2006 die Renovierung stoppen, um die Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes in den Gemeinderat einzuladen, wo sie ihre Farbgebung begründen sollten.

Die kamen der Aufforderung gerne nach, Ende Januar stiegen sie gleich zu dritt in den Ring, Gertrud Clostermann, Leiterin des Referates Denkmalpflege beim Regierungspräsidium, Barbara Baum, Gebietsreferentin der staatlichen Denkmalpflege und Rolf-Dieter Blumar, Metallrestaurator beim Landesamt für Denkmalpflege stellten sich gemeinsam dem Gremium und erläuterten ihre Entscheidung.

Das Malachitgrün sei fast identisch abgestimmt auf den Befund nach der ältesten Farbe und damit vermutlich der Erstfassung des Brunnens. Es handle sich bei dem Brunnen nicht nur um ein handwerkliches Objekt, sondern um ein künstlerisches Unikat. Der Künstler habe sich bei der Farbwahl etwas gedacht und die Farbgebung an sich entspreche vermutlich den damaligen Sehgewohnheiten und Geschmack. Bei Denkmalpflege im hochwertigen Bereich gehe es heute aber nicht um Geschmack, sondern um den objektiven Befund. Die nachfolgende Begründung ging in der Runde natürlich runter wie Öl: nicht jede Stadt habe einen so prächtigen Brunnen gehabt, die Farbpigmente und das Bindemittel waren relativ teuer. Die Denkmalschützer wollen das ursprüngliche Unikat der Stadt Nürtingen zurückbringen, vielleicht würde der Bürgerstolz der Barockzeit wieder zum Leben erwachen.

Wer mag da schon nein sagen! Die Denkmalschützer lieferten eine verständliche und nachvollziehbare Erklärung, die das Eis knacken lies. Der Widerstand in Verwaltung und Gemeinderat bröckelte, dennoch nutzen viele die Gelegenheit, Fragen an die Restauratoren zu stellen.

Trotz der schlüssigen Erklärung wollte Erika Maag-Brammer (SPD) wissen, ob es nicht doch sein könne, daß das Grün nur die Grundierung gewesen sei. Die sachliche Antwort lautete, dass früher orangefarbene Bleimennige (inzwischen verboten) als rostschützende Grundierung eingesetzt wurde.

Der hintere Dr. Brodbeck von den Brodbeck-Zwillingen (Freie Wähler) fragte, ob bekannt sei, welche Künstler damals am Werk waren. Der OB witzelte, daß es bestimmt ein Nürtinger Malerbetrieb gewesen sei (im Gemeinderat sitzen DREI selbstständige Malermeister). Die Denkmalpfleger mussten allerdings verneinend die Köpfe schütteln, es wurde nichts überliefert.

Reinhold Rauscher (CDU) und seine Fraktion könnten mit der grünen Farbe leben und vertrauen den Fachleuten, wollen aber emotional nicht recht von dem bisherigen "eleganten" Grau des Brunnens loslassen. Die Denkmalschützer ernüchterten ihn und Gleichgesinnte quer Beet. Bei diesem Grau handle sich um die Farbe DB 702, eine synthetische Farbe, die von der Deutschen Bundesbahn (DB) als Rostschutz eingesetzt werde, und die quasi als Modeerscheinung fast alle Brunnen in den vergangenen Jahrzehnten aufwiesen. Mit Grau werde in der Architektur aber "weggestrichen" und es gelte eher als langweilig. Im Spätbarock, der Entstehungszeit des Brunnens, sei es sicher nicht verwendet worden. Grau sei erst seit dem Klassizismus als elegant empfunden worden. Die gewählte Farbigkeit und die vergoldeten Verzierungen am Brunnentrog auf dem grünen Untergrund (im Moment an einer Tafel des Brunnens bemustert) bedeuten eine wesentliche Aufwertung, das Relief werde extrem betont. Der Brunnen sei für alle wieder sichtbar geworden.

Peter Rauscher (Nürtinger Liste/Grüne) pflichtete dem bei, der Brunnen käme jetzt erst richtig zur Geltung. Am Anfang hätte auch er Schwierigkeiten gehabt, aber inzwischen fände er den Brunnen gar nicht so schlecht.

Die Farbigkeit an sich schien also begründet, aber mehrere Gemeinderatsmitglieder äußerten Unmut, warum sie erst so spät informiert worden waren und auf Fragen der Bevölkerung keine Antworten geben konnten. Gerichtet war die Frage eher an den OB, aber die Denkmalschützer warfen sich opferungsfreudig vor ihn und nahmen alle Schuld auf ihre Schultern. Erst im Laufe des Verfahrens sei die frühere Farbigkeit festgestellt und das Farbkonzept erstellt worden. Sonst übliche Vor-Ort-Termine seien versäumt worden. Sie baten, das Brunnenoriginal zuzulassen, eine Zeit lang anzuschauen und nach der Sommerpause, vielleicht am Tag des Denkmals, noch einmal darüber zu reden, vielleicht habe bis dahin der Brunnen die Herzen aller erwischt.


 


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