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  Kommunalpolitik
 
Die ersten Ehrennadeln der Stadt Nürtingen - 30.6.2008
Kritische Premiere

 

(mw) „Stricknadeln“, so wurden die Nürtinger früher genannt. Konsequenterweise verleiht die Stadt seit neuestem Ehrennadeln. Am Montagabend, den 23. Juni, war Premiere im Rathaus.

Im zweiten Obergeschoss des Rathauses übergab Oberbürgermeister Otmar Heirich in einem feierlichen Akt die ersten Ehrennadeln der Stadt Nürtingen an acht Nürtinger, um deren langjährige aktive Tätigkeit im Ehrenamt zu würdigen.

Es handelte sich zum einen um Alt-Stadträte. Dazu zählten die früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden Erich Besemer und Reinhold Rauscher, die früheren Stadträte Dr. Werner Czernoch und Günter Knaup (beide CDU), Günter Stoll (Freie Wähler Oberensingen) und Dr. Walter Staffa (Freie Wähler). Auch der langjährige Zizishäuser Ortschaftsrat und Funktionär des Sozialverbandes VDK Deutschland Eberhard Musick sowie der langjährige Vorsitzende des Nürtinger Gesamt-Kirchengemeinderats, Hans Kober, wurden solcherart geehrt. Originell: Eberhard Musick erschien in den Nürtinger Farben blau-gelb.

Laut den Richtlinien zur Verleihung der Bürgermedaille und der Ehrennadel vom 24. Juli 2007 sind Nürtinger Ehrennadeln für Personen gedacht, die „sich durch langjährige aktive Tätigkeit in Vereinen, Organisationen oder sonstigen Gemeinschaften mit gemeinnützigen Zielen besondere Verdienste erworben haben“. In Betracht kämen dabei vor allem „Kultur, Soziales, Bildung, Wissenschaft, Jugend, Sport, Kirche und Politik“. Schlagseite hatte dieser erste Vorschlag offensichtlich in Richtung Politik, dem letzten Feld. Sieben der acht Geehrten waren diesem Bereich entnommen, sechs waren ehemalige Gemeinderäte der Stadt.

Bei der Ehrung zugegen waren unter anderem Alfred Bachofer, Kreis-Fraktionsführer der Freien Wähler und ehemaliger Oberbürgermeister, CDU-Kreisvorsitzender Thaddäus Kunzmann und REP-Regionalrat Egon Eigenthaler.

Oberbürgermeister Otmar Heirich betonte zu Beginn, dass die Ehrung der Honorierten Wirkung zeigen solle: „Wir brauchen also Nachahmer“, um die „großen Spuren, die sie hinterlassen haben, auszufüllen.“ Er glaube, dass alle der Geehrten sich „besondere Verdienste erworben haben für die Stadt“. Und darum gehe es. „Ich glaube, mit Fug und Recht sagen zu können, dass die Stadt Nürtingen ohne Sie nicht da stehe, wo sie heute steht.“ Der Oberbürgermeister übergab den Honorierten deren Ehrennadeln nach erfolgter Lobrede in alphabetischer Reihenfolge.

Als erster wurde Erich Besemer geehrt. Für die CDU saß er 27 Jahre im Gemeinderat Nürtingen und 10 im Kreistag Esslingen. Darüber hinaus zählte der Oberbürgermeister weitere ehrenamtliche Aktivitäten auf. Besemers Sohn Siegfried trug anschließend die Dankesworte seines Vaters vor, der dies wegen seiner Erkrankung nicht selbst tun konnte.
Als nächster kam Dr. Werner Czernoch an die Reihe. Über 41 Jahre war er für die CDU im Gemeinderat tätig gewesen, 33 Jahre im Kreistag, 10 Wahlen hatte er gewonnen. Das ist bisher Nürtinger Rekord.
Günter Knaupp war ein Vierteljahrhundert für die Christdemokraten im Gemeinderat. Wie bei den vorherig Geehrten wies Heirich auch auf anderes ehrenamtliches Engagement hin, so ist Günter Knaupp lange im Vorstand des Turn- und Sportvereins Zizishausen gewesen.
Hans Kober, der langjährige Vorsitzende des evangelischen Gesamt-Kirchenrats war als nächster dran. Er hat sich für die Sozialkonferenz engagiert, im Krankenpflegeverein sowie in der Sprachhilfe.
Darauf folgte Eberhard Musick, er wurde vor allem für sein Engagement im Sozialverband VDK geehrt. Zusätzlich ist er Ortschaftsrat in Zizishausen gewesen sowie freier Mitarbeiter der Nürtinger Zeitung.
Nun kam Reinhold Rauscher an die Reihe, erst Anfang Oktober letzten Jahres auf eigenem Wunsch frühzeitig aus dem Gemeinderat verabschiedet. Der frühere Fraktionsführer der CDU saß 27 Jahre im Gemeinderat, 15 davon fungierte er als Fraktionschef. Für die Christdemokraten sitzt der Richter a.D. immer noch im Kreistag. Nach wie vor ist er Vorsitzender des Tageselternvereins.
Darauf wandte sich der Oberbürgermeister zu Dr. Walter Staffa. Walter Staffa habe die Freien Wähler (UFB) zur stärksten Fraktion entwickelt. 37 Jahre saß er im Nürtinger Gemeinderat und 30 Jahre im Kreistag Esslingen. Kommunalpolitik und sonstiges berufliches und soziales Engagement hätten sich bei ihm zu einer Einheit verbunden. So zählte er als weitere ehrenamtliche Aktivitäten unter anderem auf: Engagement im „Verein für Naherholung“, für das „Haus der Heimat“, in der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“. Dabei bezeichnete er Dr. Staffa als das „Sprachrohr der Heimatvertriebenen an sich“. Auch sagte der OB, und das konnte man auf die Freien Wähler beziehen oder auch nicht: „Ihre Kenntnis von politischen und historischen Zusammenhängen ist weiterhin gefragt!“ Bezug nehmend auf Kritiker dieser Ehrung bemerkte er, dass man ja eine andere Meinung haben könne, er halte aber das, was „die letzten Tage gelaufen“ sei, „für außerordentlich kleinkariert“, Staffa die „Ehrung zu neiden“! Vor den Ehrungen hatte der Oberbürgermeister dazu aufgerufen: „Engagieren Sie sich, und zwar für Ihre Stadt. Und nicht gegen Ihre Stadt! Und das ist ganz wichtig!“ Für diese Seitenhiebe erhielt er Applaus.
Als letzter erhielt Günter Stoll seine Nadel. 29 Jahre saß er für die Freien Wähler im Gemeinderat und war 38 Jahre Vorsitzender des Bürgerausschusses Oberensingen. Dazu war bzw. ist er Aufsichtsrat der Siedlungsbau Neckar-Fils, Schöffe am Amtsgericht und im Beirat der Volksbank. Auch für diese ehrenamtlichen Aktivitäten sprach der OB seine Ehrerbietung aus.

Für einen würdigen Rahmen und Auflockerung engagierte sich das in hoher Qualität spielende Klarinetten-Trio Bianca Binder, Markus Huber und Ines Waldner sowie Bedienstete der Stadtverwaltung.

Kommentar:

Die Verleihung der Nürtinger Ehrennadel an Dr. Walter Staffa hatte wegen dessen Engagement und Vorstandstätigkeiten in rechtsextremen Organisationen bereits im Vorfeld für Kritik gesorgt. Angesichts dessen relativierte Oberbürgermeister Heirich nicht etwa die Bedeutung der Ehrung, indem er sie zum Beispiel  ausschließlich auf das kommunalpolitische Engagement bezog, nein, er bezog ausdrücklich das sonstige ehrenamtliche Engagement mit ein. Zwar nannte er nicht „Deutsches Seminar“, „Witikobund“, „Deutsche Studiengemeinschaft“ & Co., aber sowohl bei Sympathisanten wie auch bei Kritikern wurden sie mitgedacht. Und wer das Engagement in diesen rechtsextremen Kreisen kritisiert wurde unter Applaus als Gegner der ganzen Stadt angeprangert. Auch eine Logik! Wieder einmal ist es Dr. Walter Staffa als nicht unbedeutendem Vertreter der ultrarechten Szene - durch sein gutbürgerliches Renommee? - gelungen, von einem eigentlich diesbezüglich unverdächtigen (SPD-)Oberbürgermeister trotz dessen bekanntermaßen vom Verfassungsschutz beobachteten Tätigkeiten hochoffiziell mehr als salonfähig gemacht und in höchsten Tönen als Vorbild geehrt zu werden. In den Richtlinien über die Vergabe der Ehrennadel heißt es, dass ein Anspruch darauf nicht besteht. Dort heißt es auch, dass höchstens 5 Nadeln pro Jahr verliehen werden sollen. Eine Auswahl wäre also möglich und nötig gewesen. Stattdessen hat der Gemeinderat auf sein Entscheidungsrecht verzichtet und noch drei Nadeln extra rausgehauen. Da die Verleihung mit 2/3-Mehrheit beschlossen werden muss, hätten nur 14 Aufrechte genügt, um uns zu ersparen, dass man beim Googeln nach „Walter Staffa“ nicht nur auf Witikobund & Co., sondern auch auf die Ehrung durch die Stadt Nürtingen stößt.

Manuel Werner


 


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