Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Kinderzeitung
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Kommunalpolitik
 
Initiative bekommt keinen Kontakt zu Boss - 11.10.2008
Aktuelle Entwicklungen

 

(pm) Die Initiative Bürgerbegehren Großer Forst hat mit einem Offenen Brief an die Hugo Boss AG ihr bereits mit persönlichem Schreiben vom 30.09.2008 an das Unternehmen geäußertes Interesse an einem Informationsaustausch erneuert. Zugleich hat die Initiative die Aussage von Frau Dr. Hjördis Kettenbach, Leiterin Unternehmenskommunikation der Hugo Boss AG, zurückgewiesen, die Initiative Bürgerbegehren sei „einer Einladung in das Lager in Wendlingen . . . nicht gefolgt“ und habe „seither noch nicht das Gespräch“ mit ihr oder mit Boss-Logistikchef Ralf Schneider gesucht.

Tatsächlich ist der Initiative bis zum heutigen Tag kein solches Angebot und auch keine Einladung zugegangen. Nach unserem Kenntnisstand hat es eine solche Einladung lediglich an den Gemeinderat der Stadt Nürtingen gegeben. Vielmehr hat Herr Schneider bei der Bürgerinformation am 21. April 2008 in Nürtingen klar und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, die Hugo Boss AG sehe in der Frage der Ansiedlung eines Logistikzentrums in Nürtingen allein die Stadt Nürtingen als Ansprechpartnerin. Dies hat unsere Initiative nicht davon abgehalten, uns mit Schreiben vom 10. Juli 2008 an den Vorstandsvorsitzenden, den Aufsichtsratsvorsitzenden ad interim und an den BR-Vorsitzenden und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Hugo Boss AG zu wenden und unser ausdrückliches Interesse an einem vertiefenden Gespräch zu bekunden. In diesem Schreiben hatten wir auf den bei Bauvorhaben dieser Größenordnung nicht vertretbaren Verzicht auf ein Klimagutachten, ein Verkehrsgutachten sowie auf eine detaillierte Entwässerungsplanung durch die mit der Bauleitplanung befassten Stellen und die daraus resultierenden Risiken späterer behördlicher Auflagen und juristischer Konsequenzen aufmerksam gemacht. Aus der Antwort des Aufsichtsratsvorsitzenden der Hugo Boss AG, Dr. Hellmut Albrecht, vom 25. Juli 2008 konnten wir keine Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit unseren Argumenten entnehmen. Vielmehr wurde uns knapp mitgeteilt, das Projekt „Distributionszentrum Liegeware“ werde bei Boss „mit der erforderlichen Sorgfalt und Verantwortung“ bearbeitet.

Angesichts der Tatsache, dass inzwischen das Umlegungsverfahren im Gange ist, muss es im Interesse der Nürtinger Bürger liegen, über die ausweichenden Auskünfte der Stadtverwaltung hinaus mehr Klarheit über alle Aspekte der geplanten Ansiedlung zu schaffen. Gegenüber Landwirten, deren Pachtverhältnisse von der Planung betroffen sind, erklärte der Vertreter der mit Grunderwerb und Umlegung betrauten LBBW Immobilien Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH, Rudolf Hage, am Mittwoch dieser Woche, dass der Investor vorerst lediglich auf "etwas mehr als fünf Hektar" im Plangebiet, angrenzend an die B 313, zugreifen werde. Die Bebauung eines zweiten Bauabschnitts von rund vier Hektar sowie ein dritter Abschnitt von gut 2,5 Hektar werde erst später in Angriff genommen. 

Aus diesem Grund sieht sich die Initiative in ihrer Annahme bestätigt, dass die erhoffte Entschuldung des Gewerbezweckverbandes Wirtschaftsraum Nürtingen (GZV), der Ende 2007 einen Schuldenstand von fast 6,6 Millionen Euro ausgewiesen hat, durch Umwandlung des Großen Forsts nicht eintreten wird. Bei einem bisher nicht dementierten  Angebotspreis an Boss von um die 100 Euro je m², von dem OB Heirich bei der Bürgerinformation am 21. April gesprochen hat, dürfte es schwer bis unmöglich sein, bei dieser Ansiedlung auch nur Kostendeckung zu erreichen.

Hinzu kommt die aktuelle Entwicklung bei der Hugo Boss AG selbst. Der Kurs sowohl der Stamm- als auch der Vorzugsaktie fiel gestern auf unter 12,50 Euro. Da Boss-Mehrheitsaktionär Permira im Juli 2007 ein Übernahmeangebot von 48,33 Euro je Stammaktie unterbreitet hatte, hat Hugo Boss innerhalb von 15 Monaten rund drei Viertel seines Börsenwerts eingebüßt.  Wegen des Umstands, dass Permira seine Eroberungszüge größtenteils mit Krediten und Teilverkäufen finanziert, sorgen sich Börsenbeobachter um die Zukunft von Boss.

Den alarmierenden Verfall der Boss-Aktie führen Analysten auf Vertrauensverlust, einen weltweiten Einbruch des Konsums aufgrund der Finanzkrise und die im Zuge der Sonderausschüttung auf 80 Prozent gestiegene Verschuldung bei Boss zurück. Auch wenn ein Permira-Sprecher am Donnerstag erklärte, die Finanzierung sei auf Jahre gesichert, bleiben Analysten wie Tim Burkhardt von der LBBW skeptisch und weisen auf die fehlende Transparenz des Unternehmens hin: "Es gibt keinen Überblick, wie das genau finanziert ist." Geschätzte 3,4 Milliarden Euro hat der Finanzinvestor ausgegeben, um die Macht in Metzingen zu erlangen. Der vollmundig angekündigte Zukauf einer zusätzlichen Marke für Boss wurde jedenfalls abgeblasen.

Die Initiative sieht sich daher in ihrer seit Bekanntwerden der Boss-Pläne geäußerten Skepsis bestätigt, dass in Nürtingen eine nennenswerte Zahl von Arbeitsplätzen entstehen und größere Gewerbesteuereinnahmen zu verbuchen sein werden. Die Entwicklung in der Oberen Bachhalde, aus der dem Zweckverband im Jahr 2007 lediglich knapp 21.000 Euro brutto zugeflossen sind (knapp 8500 Euro netto für Nürtingen) kann nur als warnendes Beispiel verstanden werden. Nicht anders dürfte es sich mit den Arbeitsplätzen verhalten. Da vorerst lediglich ein erster und offenbar kleinerer Bauabschnitt geplant ist, steht die von Boss-Logistikchef Schneider genannte Zahl von "bis zu 400 Arbeitsplätzen" unter der Voraussetzung eines starken Wachstums, einer stabilen Konjunktur und einer vollständigen Überbauung auf Jahre hinaus in den Sternen.


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung