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  Kommunalpolitik
 
Ortstermin Hölderlinhaus - 2.4.2009

 

(sm) Fünf Minuten vor dem angesagten Beginn der Veranstaltung war das Klassenzimmer im Hölderlinhaus gestopft voll, Sitzplätze gab es keine mehr, obwohl noch zusätzlich Stühle hereingetragen wurden. Auch sämtliche Stehplätze waren belegt, ein Teil der Zuhörer musste mit dem Gang vorliebnehmen. Offensichtlich wurde dem vorliegenden Anliegen zu wenig Raum gegeben.
Der Beginn verzögerte sich, was Gelegenheit gab, dem Volke zuzuhören: die meisten der Anwesenden waren aus der älteren Generation, einige Jüngere stellten sich als Bewohner der Altstadt heraus. Hierher gekommen waren aber fast alle aus dem Grund, das Hölderlinhaus, das auch unter dem Namen Schweizerhof bekannt ist, erhalten zu wissen. Erinnerungen wurden hervorgekramt „ans Kendergartaschüele“, an Grundschuljahre und die Anfänge des Hölderlin-Gymnasiums, das auch hier begann. Über alte Bausünden in Nürtingen wurde gesprochen, wie das nur noch ganz alten Mitbürgern erinnerliche Obertor, den unvergessenen Pavillon am Neckar, den Steinernen Bau und den Ochsenbrunnen und das befürchtete neuerliche Fiasko um das Hölderlinhaus. Herr Wipper verteilte Hinweise auf ehemalige Bewohnerinnen des Hauses zur Hölderlinzeit.
Zum offiziellen Beginn begrüßte Oberbürgermeister Heirich, die anwesende Bevölkerung, Gemeinderatsmitglieder, den Bauhistoriker Dr. Gromer und die beiden Vertreter der Hölderlin-Gesellschaft aus Tübingen, Geschäftsführerin Frau Valerie Lawitschka und Herrn Prof. Dr. Ulrich Gaier.
Zum Anfang des Ortstermin lud Herr Heirich zu einer Begehung des Hölderlinhauses ein, was zu Einwänden führte, dass man doch besser mit dem Diavortrag beginnen, dann die Diskussion und am Schluss die Begehung machen solle. Der OB stimmte dem aber nicht zu, trotz anhaltenden Protesten, was zu dem Zwischenruf führte, dass Herr Heirich, wenn er etwas festgelegt habe, daran nicht rütteln lasse. Diese Äußerung wurde aber von anderer Seite vehement zurückgewiesen. Allerdings war schon interessant, mit welch stoischer Ruhe der dermaßen Angerüffelte dies ertrug. Nun, es geschah auch, wie er es wollte, die Gehbehinderten blieben mit den Kennern des Hauses zurück und die Andern folgten dem Bauhistoriker in den sehr hohen Kellerraum (siehe Foto). Dort zeigten Bruchmauersteine das Alter des Hauses, es wurde erklärt, wie es früher dort ausgeschaut haben mag. Dann wurde noch die Belle Etage (schönes Geschoss) aufgesucht, in der Hölderlin als Kind mit seiner Familie gewohnt haben könnte. Nach Osten zu soll auch ein kleiner Garten zur Wohnung gehört haben, auf dessen Bedeutung für die Familie Gok-Hölderlin aber nicht extra eingegangen wurde. Auf diesem Stückchen Land stehen heute Tische und Stühle einer gegenüberliegenden Gaststätte und laden zum Sitzen und Genießen ein. Auf eine Begehung des Dachgeschosses wurde verzichtet, da dort keine historische Bausubstanz zu besichtigen sei. Herr Gromer berichtete noch, wie das Haus immer mal wieder baulich verändert wurde, zum Teil auch gegen den Willen der Bevölkerung, einfach nach dem Diktat des Stadtoberen. Diese Aussage wurde natürlich mit Gelächter honoriert; some things never change.
Weitere Einzelheiten zu der vorgetragenen Historie des Hölderlinhauses kann in dem ebenfalls in der Stattzeitung erschienenen Artikel über die Baugeschichte des Hölderlinhauses  nachgelesen  werden.
Wieder im Klassenzimmer versammelt, hatte sich die Menschenmenge etwas reduziert. Professor Gaier von der Hölderlingesellschaft hatte nun das Wort und wehrte sich zuerst gegen die Unterstellung, die Gesellschaft habe sich für den Abriss des Hauses ausgesprochen. Nach genauer Kenntnis, was aus der Zeit Hölderlins noch erhalten sei, plädieren er und die Hölderlingesellschaft absolut für die Erhaltung eben jener Gebäudeteile und er könne sich auch ganz gut vorstellen, dass eine Art literarisches Kaffee in der ehemaligen Wohnung entstehen könnte. Auch mit dem Kellerraum könne er sich, befreit von der Heizungsanlage, als Hölderlinkulturstätte anfreunden.
Herr Gromer referierte dann nochmals auch anhand seiner Computerpräsentation über die Entstehungsgeschichte des alten Gebäudes, auch hier standen hauptsächlich die Vergleiche mit der Hölderlinzeit im Vordergrund. Auf spezielle Nachfrage gab er an, dass die Belegung der einzelnen Zimmer so nicht nachweisbar sei, aber der Vergleich mit anderen historischen Gebäuden diese Nutzung nahe lege. In der anschließenden Diskussionsrunde kamen dann aber keine Fragen mehr an Herrn Gromer, sondern ausschließlich Statements zur Erhaltung des Hauses, die dann aber von Herrn Heirich abgewiegelt wurden mit dem Hinweis, dass das eine zukünftige Entscheidung des Gemeinderates werden würde, er aber zur Kenntnis nehme, dass die Kubatur zu erhalten und ein ästhetisch anmutendes Ganzes erwünscht sei. Die weiteren Gebäude im Gebiet Schlossgarten wurden von Herrn Gromer als bauhistorisch nicht relevant bezeichnet, sie seien eben wild gewachsen. Nun, aber gerade das macht für Anlieger und Besucher das ganze Gebiet ja so reizvoll.
Damit war der Ortstermin dann auch beendet. Beim Hinausgehen machten sich dann die Leute noch Luft mit Anmerkungen wie: das war das neuste Nürtinger Hornbergerschießen.


 


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