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Buchrezension: Todesfabrik KZ Dautmergen - 27.10.2019
Dr. Andreas Zekorn, Leiter des Kreisarchivs Zollernalb in Balingen, legt brandaktuell ein 400seitiges Buch über eines der Lager des "Unternehmens Wüste" vor

  (mw) Der Autor Dr. Andreas Zekorn, Leiter des  Kreisarchivs Zollernalb in Balingen, legt brandaktuell ein 400seitiges Buch vor. Sein fundiertes Werk präsentiert ein detailgenaues Bild des Konzentrationslagers Dautmergen bei Balingen. Das Buch kostet nur 6,50 Euro plus 3 Euro Versand, angesichts des fundierten und detailreichen Inhalts und der Ausstattung ein lohnendes Schnäppchen.

Der Autor


Dr. Andreas Zekorn, Jahrgang 1957, hat viele Jahre zum Komplex „Unternehmen Wüste“ geforscht und bereits mehrere Publikationen dazu vorgelegt. Er ist daher ein profunder Kenner der Thematik.

Hintergrund

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs herrschte bei der Wehrmacht ein drastischer Mangel an Mineralöl. Flugzeuge konnten nicht mehr starten, die Kriegsmaschinerie stockte. Deswegen beschloss das nationalsozialistische Regime ein intensives Programm mit dem Tarnbegriff "Wüste". Aus Ölschiefer, der unterhalb des Albtraufs vorkommt, sollte der begehrte Rohstoff für den Sprit gewonnen werden. Für die Arbeit wurden KZ-"Häftlinge" eingesetzt, deren Arbeitskraft auf brutale Weise diesem Zweck unterworfen wurde. Auch aus Nürtingen wurden Zwangsarbeiter zur "Arbeitserziehung" in "Wüste"-Lager verbracht. Die Lager des "Unternehmens Wüste" fungierten als Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Sie befanden sich bei Bisingen, Dautmergen, Dormettingen, Erzingen, Frommern, Schömberg und Schörzingen. Die Herstellung des begehrten Rohstoffs aus Ölschiefer funktionierte höchst unbefriedigend. Die Bedingungen im KZ und im Arbeitsbereich waren grausam und unmenschlich. Innerhalb weniger Monate kamen Tausende der Eingeperrten bei dieser "Vernichtung durch Arbeit" um.

Todesfabrik KZ Dautmergen

Ab Juni/Juli 1944 arbeiteten über 12.000 Häftlinge im Lager, weit mehr als 3.500 starben infolge der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen oder wurden grausam ermordet. Die akribisch und allgemeinverständlich aufgearbeiteten Erkenntnisse des Autors sind Grundlage des Buches. Es schildert die Planung des Lagers und thematisiert die Opfer und deren Haftbedingungen. Besonders gelungen finde ich, dass die Täter nicht ausgeklammert werden, bleiben diese doch sonst oft außen vor. Ebenso befasst sich das Werk mit der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen und der Erinnerungsarbeit vor Ort nach 1945.

Woher beziehen?

Diese umfassende Darstellung des Konzentrationslagers Dautmergen bei Balingen ist bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB) erschienen. Das Buch ist Teil der LpB-Reihe „Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs“ und kann ab sofort bestellt werden. Kostenpunkt: 6,50 EUR zuzüglich 3,- EUR Versand über www.lpb-bw.de/shop.

Epilog

Ein Epilog dokumentiert die literarische Verarbeitung der schrecklichen Erlebnisse durch eines der Opfer. Der polnische Schriftsteller Tadeusz Borowski, ein wichtiger Autor der Holocaust-Literatur, litt unter anderem im Konzentrationslager Dautmergen und überlebte. Kurzgeschichten und Gedichte von Tadeusz Borowsk bereichern dank der Unterstützung durch zwei polnische Verlage und einem deutschen Verlag das Buch und gestatten einen würdigen Abschluss.


Andreas Zekorn: Todesfabrik KZ Dautmergen. Ein Konzentrationslager des Unternehmens „Wüste“ mit einem Epilog zu dem polnischen Schriftsteller und KZ- Häftling Tadeusz Borowski, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-945414-53-8, Preis: 6,50 Euro plus 3 Euro Versand

Rezension: Manuel Werner



 


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