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Pipi Strellas kulinarischer Aufenthalt in Nürtingen - 16.2.2011
Verfrühter Aufbruch einer Zwerg-Fledermaus

 

(mw) Pipi Strella, eine Zwerg-Fledermaus (wissenschaftlicher Artname Pipistrellus pipistrellus) aus dem Lenninger Tal, diktierte der STATTzeitung ihren Bericht zur Niederschrift, denn schreiben kann sie ja nicht:

Na, das war eine Woche! Sie fing damit an, dass eine Serie warmer Tage laue Luft bis hin zu meinem Ruheplatz wehen ließ. Dieses Wecksignal brachte meinen abgekühlten Körper nach einiger Zeit dazu, zu zittern und sich durch die Muskelbewegungen allmählich zu erwärmen. Von höchstens 8 Grad Celsius im Winterschlaf erhöhte sich meine Körpertemperatur auf schlappe 38 Grad Celsius. Ich wurde dadurch immer „lebendiger“, orientierte mich per „Echo-Ortung“, breitete meine Flügel aus und flog los, in den vermeintlichen Frühling hinein. Meine Ultraschalllaute und deren Echos zeigten mir den Weg zur Öffnung der Höhle. Sie war vergittert, doch so, dass Fledermäuse wie ich durchfliegen können und Menschen uns dort drin nicht zu stören vermögen. Ja, dort draußen war die Luft warm. „Der Frühling“, dachte ich.

Ein Trugschluss, wie sich bald herausstellte. Denn draußen schwirrten außer einigen mageren, inhaltsleeren Wintermücken kaum Insekten umher und ich verlor durch den Flatterflug immer mehr Energie. Nach einigen Nächten des Umherfliegens war ich so erschöpft, dass ich in die nächste Öffnung einflog, die ich bemerkte. Es war das gekippte Fenster einer Toilette in Oberlenningen, darin ließ ich mich nieder und wollte mich ausruhen. Ich hatte nichts zu trinken und zu essen gefunden und war wirklich sehr geschwächt.

Die Frau des Hauses fand mich in wieder abgekühltem Zustand und tat mich eine Schachtel. Sie telefonierte eine Weile vergeblich umher, sprach auf Anrufbeantworter, bis sie schließlich zurückgerufen wurde und mich nach Nürtingen fuhr.

Dort kam ich aus der Schachtel in einen speziellen Käfig. Doch davor bekam ich mittels eines Teelöffels etwas Wasser gereicht. Mann, hatte ich einen Durst. Aber ich bekam anfangs nur wenig, ich glaube, es war auch etwas Zucker und Salz darin, und erst nach einigen Stunden erhielt ich etwas mehr Wasser, bis ich schließlich ein Gefäß mit Wasser zur eigenen Verwendung in den Käfig bekam. Nachdem mein Durst gestillt war, strich mir der Mann, der sich nun mit seiner Tochter und seiner Freundin um mich kümmerte, zunächst etwas Inhalt eines Mehlwurmes um den Mund. Irgendwann wurde ich neugierig, kostete davon und es schmeckte nicht schlecht. Normalerweise esse ich ja Fluginsekten und nicht solche komischen Larven, und ich esse auch nicht jemandem aus der Hand, der mich mit der anderen Hand festhält, aber ich hatte eigentlich nicht viel andere Möglichkeiten. Immer wieder durfte ich schlafen, dann wieder essen, bis ich etwas zugenommen hatte. „So viel wie ein Stück Würfelzucker muss sie wiegen“, sagte der Mann zweimal.

Außer von ihm wurde ich noch von seiner Freundin und seiner Tochter gefüttert und ich muss sagen, dass sie das etwas geduldiger taten. Der Mann schob mir den nächsten Mehlwurm schon wieder nach, bevor der vorige vollends gefressen war. Ich kam richtig in Stress vor lauter Kauen. Bei den beiden Frauen hingegen hatte ich mehr Zeit, allerdings muss ich zugeben, dass ich manchmal ungeduldig wurde und sie in den Finger zwickte, damit sie mir schneller den nächsten Mehlwurm kredenzten. Mir kann man es halt nicht so leicht recht machen.

Und heute tat mich der Mann in eine kleine Schachtel und ich wurde von seiner Freundin wieder ins Lenninger Tal gefahren. Die beiden schnauften einen Berghang hoch, ab und zu machten sie eine Pause, wenn er etwas fotografieren wollte. Sieben Rehe sahen sie auch, aber ich natürlich nicht, in meiner Schachtel. Doch irgendwann waren wir bei einer Höhle angekommen, der Mann nahm mich heraus und setzte mich in die Höhle. Zunächst blieb ich still sitzen und stieß meine Ultraschalllaute aus. Danach krabbelte ich los und schließlich flog ich auf und weiter in die Höhle hinein.

Bin mal gespannt, wann und wie es wirklich Frühling ist. Vielleicht fliege ich auch mal das Tiefenbachtal hinunter nach Nürtingen, denn gesehen und gehört habe ich von der Stadt bei meinem kulinarischen Aufenthalt eigentlich nichts.

*

Wenn man eine geschwächte Fledermaus findet, die gefährdet scheint: Nicht beißen lassen (wie es für alle Wildtiere gilt). Fledermäuse sind bedrohte und besonders geschützte Lebewesen. Wenn es wirklich nötig ist, müssen sie einem/einer Sachverständigen für Fledermausfragen zugeführt werden, Ziel ist es, sie möglichst schnell in einen Zustand zu bringen, mit dem sie unverzüglich wieder in die Natur verbracht werden können.

Hilfsadressen und erste Verhaltenstipps gibt es hier:

a) Artenschutzgruppe "Fledermäuse" des Nabu Nürtingen (Naturschutzbund Deutschland, Gruppe Nürtingen und Umgebung) mit Kontaktdaten

b) Das Flederhaus - die Pflegeeinrichtung der AG Fledermausschutz BW
mit Nottelefon 0179 4 97 29 95

c) "Sie haben eine Fledermaus gefunden - was tun?" Erste Tipps der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus Baden-Württemberg

d) Wie füttere ich im Notfall eine Fledermaus mit Mehlwürmern?

Fotos: Manuel Werner


 


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