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  Umwelt
 
Leukämien bei Kindern in der Umgebung von Atomkraftwerken - 10.12.2012
Gut besuchter Vortrag in der Glashalle

  (pm)

Im Rahmen der „eine-welt-tage und friedenswochen nürtingen“ sprach am vergangenen Mittwoch Herr Dr. med. Winfrid Eisenberg (Archivfoto), ehemaliger ärztlicher Leiter der Kinderklinik Herford, in der Glashalle des Rathauses zu diesem bedeutsamen Thema. Eingeladen hatte die Nürtinger IPPNW Gruppe – Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung. Herr Dr.Speidel, Neckarhausen, stellte den Referenten vor als einen kompetenten und engagierten Sachverständigen, der die komplexe Problematik der Gesundheitsgefährdung durch Atomkraftwerke (AKWs) seit vielen Jahren kritisch verfolgt und wissenschaftlich begleitet.

Zentrales Thema seines Vortrags war die Auseinandersetzung mit dem Ergebnis der KiKK-Studie ("Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken"), einer vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebenen, sehr aufwändigen Untersuchung. Darin sollte geklärt werden, ob das Risiko für Kinder, an Krebs zu erkranken, in der Umgebung von 16 AKWs häufiger ist als anderswo und ob es gegebenenfalls andere Einflussfaktoren gibt, die das Ergebnis der Untersuchung erklären können. Das Ergebnis lag Ende 2007 vor: Anstatt statistisch zu erwartender 48 Krebs-Erkrankungen fand man im Umkreis von 5 Km der AKWs 77, anstatt 17 zu erwartender Leukämie-Erkrankungen 37. Die Untersuchung von 20 weiteren Erklärungsursachen hierfür, jenseits von Radioaktivität, ergab keine plausiblen Gründe.

Über die Interpretation dieses Ergebnisses ist unter den Wissenschaftlern ein heftiger Streit entbrannt, zu dem Dr. Eisenberg eindeutig Stellung bezog. Für ihn als Kinderarzt war das Ergebnis nicht überraschend. Sehr argumentativ ging er in seinem Vortrag auf die Bewertungen der Wissenschaftler ein, die in diesen eindeutigen Ergebnissen keinen Beweis für die krankmachende Rolle eines AKW sehen wollten. So bemängelte er die fehlende Berücksichtigung der nachgewiesenen Emissionsspitzen radioaktiver Substanzen während eines Brennelementewechsels. Er wies ausführlich auf die besondere Strahlensensibilität von Kleinkindern hin, deren Zellen auf Grund der höheren Teilungsraten in ihrem Genom, ihrer Kernsubstanz, von Natur her wesentlich labiler und verletzlicher seien, als die eines Erwachsenen. Er beschrieb nachgewiesene Chromosomen-Veränderungen bei Arbeitern in AKWs sowie auffällige Veränderungen bei der Geschlechterverteilung Neugeborener, besonders in der Umgebung der Atommülldeponie Asse, wo unplausibel deutlich mehr Jungen als Mädchen geboren werden. Er zeigte dokumentierte Fehlbildungen bei Insekten in den Regionen von Tschernobyl und Fukushima als Indiz für die auf alle biologischen Systeme aggressiv wirkende Radioaktivität.

Es gibt keinen noch so niedrigen Grenzwert, unterhalb dessen radioaktive Strahlen unbedenklich wären, lautet seine Überzeugung. Es gibt keinen Beweis dafür, dass die so genannte „natürliche Strahlung“ aus unserer Umwelt harmlos wäre. Kein Mensch weiß, in welchem Umfang sie an den „normalen“ Krebs- und Leukämie-Erkrankungen beteiligt ist. Im Übrigen sei es höchste Zeit, dass ein seit Jahrzehnten standardmäßig benutzter Begriff verschwände: Der „reference man“, eine statistische Modellgröße, auf die biologische Strahlenwirkung bezogen wird. Es sei höchste Zeit, ihn durch den unbedingt aussagekräftigeren „reference embryo“ zu ersetzen.

Die Diskussion in der gut besuchten Glashalle war lebhaft. Viele Zuhörer nahmen nachdenklich eine Empfehlung mit nach Hause: Selbst angesichts einer Halbwertzeit von 24.000 Jahren für Plutonium sollte man bei der Entsorgung des radioaktiven Mülls noch nicht vom verbalkosmetisch gelungenem Endlager sprechen, sondern lieber den korrekteren Begriff Langzeitlager benutzen.


 


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