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  Umwelt
 
Krebspest im Tiefenbach? - 14.9.2013

  (mw)

Im Tiefenbach und dessen Zuläufen entdeckte Karl-Heinz Frey von der BUND-Ortsgruppe jüngst mehrere tote Krebse. Weil nur Krebse betroffen sind und beispielsweise keine Groppen, ist eine Einleitung von giftigen Stoffen als Todesursache nicht sehr wahrscheinlich. Die Indizien deuten somit auf die Krebspest hin, die durch einen Pilz ausgelöst wird. Diese Erkrankung ist trotz des „gefährlich“ klingenden Namens nicht auf den Menschen übertragbar.

Hauptüberträger sind amerikanische Krebsarten, die häufig in privaten Aquarien gehalten werden und selbst nicht erkranken, da sie aufgrund körpereigener Enzyme eine Resistenz entwickelt haben. So wird gerne Cambarellus patzcuarensis sp. Orange (unter Aquarianern auch als CPO bekannt) und ähnliche Zwergkrebse gehalten. Auch rot, blau oder weiß gefärbte Sumpfkrebse (Procambarus clarkii) und blaue Farbformen von Procambarus alleni sind als Aquarienbewohner beliebt. Sie werden auch in Nürtinger Zoogeschäften angeboten und verkauft. In Unkenntnis der damit verbundenen Probleme und Schäden werden sie mitunter ausgesetzt oder in Gartenteichen gehalten, von wo sie mit Leichtigkeit über Land entkommen und die Krebspest auf die heimischen Krebsarten übertragen können. Der Sumpfkrebs gehört zu den am meisten gefürchteten Neozoen weltweit. In Gewässern, in die nordamerikanische Flusskrebsarten angesiedelt wurden oder aus anderen Gründen gelangten, sterben alle einheimischen Arten unweigerlich aus. In Mitteleuropa droht die Krebspest deswegen den einheimischen Flusskrebsbestand auszurotten. Es gibt weder eine Vorbeugung, noch eine Heilung für erkrankte Tiere.

Der Angler- und Fischereiverein Nürtingen sammelt und entsorgt in der Funktion als Pächter der Gewässer auf Nürtinger Gemarkung die toten Tiere. Einige davon werden an ein Labor übergeben, um die genaue Todesursache zu identifizieren. Sollte sich der Verdacht der Krebspest bestätigen, können nicht viele andere Gegenmaßnahmen als das Einsammeln und Vernichten der toten Tiere unternommen werden.

Im Tiefenbach lebt(e) der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium). Diese Krebsart ist sowieso selten und stark gefährdet. Sie ist empfindlich gegen chemische und organische Belastungen und kommt in kalten Gebirgs- und Mittelgebirgsbächen vor. Der Naturschutzbund Nürtingen zeigte an jedem „Mobil ohne Auto“-Tag die Steinkrebse des Tiefenbachs vor Ort. Für den Steinkrebs ist besonders der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) vernichtend, der ebenfalls kühle Gewässer bevorzugt, und deshalb ziemlich sicher bis in die quellnahen Steinkrebsvorkommen vordringt.

Nachtrag 28.09.2013:
Mittlerweile hat eine Untersuchung ergeben, dass die Steinkrebs-Population im Tiefenbach tatsächlich in hohem Maße mit dem Erreger der Krebspest infiziert ist.

*

Foto des Steinkrebses: Christoph Leeb, Wikipedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported


 


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