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  Umwelt
 
Paris stellt hohe Anforderungen - 27.4.2016
EU will CO2-Emissionen bis 2020 um 40 % reduzieren

  (th) Im Rahmen der Energiewoche begrüßte Oberbürgermeister Otmar Heirich an einem lauen Donnerstagabend in der Kreuzkirche gut zwei Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörer zum Vortrag von Franzjosef Schafhausen über die Ergebnisse der Weltklimakonferenz 2015 in Paris. „Sie werden es nicht bereuen heute hier zu sein. Grillen können Sie noch den ganzen Sommer, aber diesen Vortrag können Sie nur heute hören.“

Ergebnisse der Konferenz

Franzjosef Schafhausen gewährte als frisch pensionierter Ministerialdirektor im Bundesumweltministerium, der an 17 der 21 Weltklimakonferenzen teilgenommen hatte, auch Einblicke in die Hintergründe der Konferenz. Die enttäuschenden Ergebnisse der Konferenz in Kopenhagen 2009 hatten die Erwartungen der deutschen Regierung an die jüngste Konferenz gedämpft, die von den Beschlüssen jedoch deutlich übertroffen wurden. Die 195 Vertragsstaaten haben sich nicht nur dazu bekannt, den Klimawandel einzuschränken, sondern sogar beschlossen, dass das bisherige Ziel, die Klimaerwärmung auf maximal 2 ° C zu begrenzen deutlich unterschritten werden und möglichst nur 1,5 ° C betragen soll. Dafür muss der CO2-Ausstoß sein Maximum möglichst bald erreichen und dann bis zum Jahr 2100 auf Null reduziert werden! Dazu haben alle Staaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Vorfeld der Konferenz ihre Klimaschutzziele quantifiziert. Die sich daraus ergebende CO2-Emissionsminderung reicht zwar noch nicht aus, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, die nationalen Klimaschutzziele dienen aber als Basis für künftige Verbesserungen. Zu den wesentlichen Ergebnisse der Konferenz gehört auch die Berücksichtigung von Wäldern und anderen natürlichen CO2-Speichern und die geplante Bereitstellung von jährlich 100 Milliarden Dollar ab 2020 aus den Industriestaaten zur Unterstützung von Klimaschutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern.

Unterzeichnungsphase hat begonnen

Das Abkommen von Paris schaffte es kürzlich wieder in die Schlagzeilen, als am 22. April die einjährige Unterzeichnungsfrist begann. Das Abkommen tritt in Kraft, wenn es mindestens 55 Staaten, die mindestens 55 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen, ratifiziert haben. Da erwartet wird, dass die USA und China, die 38 % der Treibhausgase emittieren, und die 40 kleinen Inselstaaten, die von einem Anstieg der Meeresspiegel besonders betroffen wären, die Ratifizierung bald vollziehen werden, können die Bedingungen recht rasch erfüllt werden. Da die EU das Abkommen im Namen seiner Mitgliedsstaaten ratifizieren wird, sind dafür noch aufwändige Abstimmungen zur nationalen Verteilung der Klimaschutzziele erforderlich. Wenn das Abkommen ohne die Ratifizierung durch die EU in Kraft tritt, werden die Europäer bei künftigen Klimakonferenzen nur Beobachterstatus haben und nicht mitverhandeln können, bis sie dem Abkommen beigetreten sind.

Europa will 40 % reduzieren

Die europäischen Staaten haben sich das kurzfristige Ziel gesetzt, die Treibhausgase bis zum Jahr 2020 um 40 % gegenüber den Emissionen von 1990 zu senken. Deutschland hatte bis 2015 eine Reduzierung um gut 27 % (davon ca. 10 % durch die Veränderungen im Zuge der Wiedervereinigung, wie der Referent einräumte) erreicht, es fehlen also noch knapp 13 %, die verstärkte Anstrengungen erfordern. Dies liegt unter anderem dran, dass in den Sektoren Verkehr, Landwirtschaft und Energiewirtschaft die Ziele des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 nicht erreicht wurden und die Energieeffizienz nicht entscheidend verbessert wurde. Franzjosef Schafhausen mahnte daher, dass die Zeit sehr knapp ist, um das 40 % Ziel 2020 zu erreichen. Er wies aber auch auf die Vorteile jenseits der Erhaltung eines verträglichen Weltklimas hin. Wenn in Deutschland für den Klimaschutz der Energieverbrauch reduziert und mehr Energie aus regenerativen Quellen erzeugt wird, vermindern sich auch die Energieimporte, die zur Zeit etwa 70 % ausmachen und sowohl eine Abhängigkeit von den Herkunftsländern als auch einen Abfluss von Finanzmitteln verursachen. Außerdem erwartet der Ministerialdirigent a.D. von technischen Entwicklungen für den Klimaschutz Vorteile für die deutsche Wirtschaft, die mit ihrem Ingenieurswissen davon profitieren kann.

Kommentar
Im ruhigen Ton des Referenten ist die brisante Botschaft fast untergegangen. Ohne den Sondereffekt der Wiedervereinigung sind die Treibhausgase in Deutschland in den 25 Jahren von 1990 bis 2015 um 17 % vermindert worden. Um die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % zu senken müssen in den letzten 5 Jahren weitere 13 % reduziert werden. Das bedeutet eine Steigerung des Erfolgs von 0,7 % pro Jahr auf 2,6 % pro Jahr, wobei man annehmen muss, dass die Maßnahmen, die bei geringem Aufwand einen hohen Effekt haben, bereits umgesetzt sind. Dies wird nicht ohne spürbare Veränderungen von liebgewonnen Gewohnheiten für die Einzelnen möglich sein. Um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen, könnte man recht effektiv die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 120 km/h festlegen, wodurch abgesehen vom geringeren Energieverbrauch auch die Attraktivität von Bus und Bahn gestärkt würde, Kostenfür den Ausbau der Autobahnen gespart und für andere klimaschützende Maßnahmen eingesetzt werden könnten und die Unfallgefahr verringert würde. Das Argument, dass ein Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland die Absatzzahlen unserer Produzenten von leistungsstarken (= energiefressenden) Kraftfahrzeugen mindern würde, ist angesichts der Aufgabe des Klimaschutzes reichlich zynisch. Wenn wir nicht bereit sind, uns für konsequente Veränderungen zu entscheiden, um ein gutes Leben mit dem Klimaschutz zu erreichen, könnte der Klimawandel auch für uns zu Veränderungen führen, die ein gutes Leben schwerer machen.
Thomas Hauptmann

 


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