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  Umwelt
 
Energie in Nürtingen - 18.11.2019
Zwei Vorträge am gleichen Abend

  (th) Dass das Thema Energiewende hochaktuell ist, zeigte sich Anfang November darin, dass an einem Abend in Nürtingen gleich zwei Vorträge zu dem Thema zu hören waren.

Die wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende

Den Anfang machte Claudia Kemfert, Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung, um die sich Stadt und Hochschule lange bemüht hatten. Nun gab sie im Rahmen der Reihe „Hochschule im Dialog“ unter dem Motto „Leben in Zeiten des Klimawandels“ einen Überblick über die wirtschaftlichen Chancen einer klugen Energiewende. Sie stellte klar, dass die Energiewende dringend notwendig ist, da wir sonst weiterhin mehr Ressourcen verbrauchen als nachhaltig zur Verfügung stehen und um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, die künftige Erderwärmung auf 1,5 ° Celsius zu begrenzen. Dafür stehe nur noch ein Zeitfenster von 10 Jahren zur Verfügung. Die Reduzierung der Treibhausgase in der Atmosphäre erfordere, dass 50 bis 90 % der noch vorhandenen fossilen Energieträger nicht gefördert und verbraucht werden dürfen. Dagegen wenden sich die fossilen Energieunternehmen, indem sie intensiv Stimmung gegen die Energiewende machten und in den vergangenen 40 Jahren ca. 700 Milliarden US-Dollar in Mythen gegen den Klimaschutz investiert hätten. Entgegen aller verbreiteten Einwände sei aber die Energiewende noch möglich. Die wichtigsten Handlungsfelder seien der Kohleausstieg, der nun bis 2035 Realität werden solle, eine Verkehrswende, in der die Antriebe nicht nur auf andere Energieträger umgestellt werden, sondern überflüssiger Verkehr abgeschafft werde. Dies erfordere eine Stärkung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs sowie die verstärkte Nutzung von Fahrrad- und Fußverkehr auf Distanzen unter 5 km. Für die motorisierte Fortbewegung sei die Umstellung auf elektrische Antriebe die beste Möglichkeit, da sie wesentlich effizienter als die Nutzung von Brennstoffzellen sei, die gerne als Alternative ins Gespräch gebracht werde. Dabei sei es problematisch, wenn die Autos auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt werden, die einen höheren technischen Aufwand für die passive Sicherheit erfordern, die sich auch im Gewicht und damit im Verbrauch der Fahrzeuge niederschlage. Für kleine, mäßig schnelle Autos seien günstige Elektroantriebe mit ausreichender Reichweite möglich, zudem die Batteriekosten kontinuierlich sinken. Für den Schwerlastverkehr, Flugzeuge und Schiffe seien Elektroantriebe hingegen derzeit nicht geeignet, so dass auf alternative Lösungen gesetzt werden müsse. Die Verkehrswende könnte vorangetrieben werden, indem Subventionen von fossilen Mobilitätslösungen zum Beispiel in Form der mangelnden Kerosinbesteuerung, der Steuervergünstigung für Diesel oder der Entfernungspauschale gestrichen würden. Für die Gebäudeenergiewende bestünden Handlungsmöglichkeiten in der Energieeinsparung durch Wärmedämmung und im Bereich des Stromverbrauchs. Wärmepumpen könnten eingesetzt werden, um mit Strom niedrige Temperaturen zum Heizen zu verdichten und in lokalen Wärmenetzen könnten Blockheizkraftwerke zur effizienten Wärme- und Stromerzeugung eingesetzt werden. Die Nutzung von Sonnen- oder Windenergie zur Herstellung von Gas für Heizungen sei hingegen wegen des Energieverlustes nicht sinnvoll.
Eine Versorgung mit 100 % erneuerbaren Energieträgern sei jedenfalls wirtschaftlich, technisch und sozial machbar!

Brauchen wir neue AKWs?

Danach hatte man eine Stunde Zeit, um sich das Gehörte durch den Kopf gehen zu lassen, noch eine schnelle Stärkung zu sich zu nehmen und den Weg zum katholischen Gemeindehaus in der Vendelaustraße zurückzulegen, wo im Rahmen der Friedens- und Eine Welt-Wochen Eva Stegen von den Energiewerken Schönau auf Einladung der Internationalen Ärzte zur Verhinderung eines Atomkrieges (International Physicians for the Prevention of a Nuklear War – IPPNW) die rhetorische Frage beantwortete, ob wir neue Atomkraftwerke für den Klimaschutz bräuchten. Dabei bezog sie sich auf Verheißungen der Atomindustrie, dass mit Atomkraftwerken der kommenden vierten Generation der bisher in den Atomkraftwerken der vorherigen Generationen produzierte Atommüll verarbeitet werden und billiger Strom ohne CO2-Ausstoß hergestellt werden könnte. Angesichts einer Steigerung des Anteils erneuerbarer Energieträger an der jährlichen Stromproduktion von 9 % im Jahr 2002 auf 46 % in diesem Jahr ist es wohl nicht erforderlich für den Klimaschutz auf die riskante Atomenergie zu setzen. Stattdessen erreichen die deutschen Atomkraftwerke in diesen Jahren ohnehin ihre Altersgrenze, so dass der Atomausstieg auch die ökonomische Entscheidung gegen neue Investitionen in diese Technologie ist, was genauso auf den Kohleausstieg zutrifft. Ohnehin seien der Bau und der Betrieb von Atomkraftwerken nicht vollständig CO2-frei. Anhand von öffentlich zugänglichen Dokumenten der Atomindustrie belegte Eva Stegen hingegen, dass angesichts der Alterung der vorhandenen Kraftwerke die Atomindustrie und das Militär neue Atomkraftwerke benötige, um ihre technische Kompetenz als Grundlage ihres Geschäftsmodells zu erhalten bzw. um weiterhin Zugang zu atomaren Spaltprodukten haben. Neue Atomkraftwerke als Maßnahmen für den Klimaschutz sind also nur ein weiterer Mythos, der von den Zerstörern unserer Lebensgrundlagen, die nicht wirklich an einer Klimawende interessiert sind, in die Welt gesetzt wird.


 


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