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  Umwelt
 
Was ist zum Hochwasserschutz im Tiefenbachtal vorgesehen? - 3.5.2007
Demokratie vor Ort

  (th)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Demokratie vor Ort trafen sich Ende April am Hundedressurplatz im Tiefenbachtal etwa 20 interessierte BürgerInnen und GemeinderätInnen, um sich die Planungen vom städtischen  Tiefbauabteilungsleiter Klaus Riehle und dem Umweltbeauftragten Jochen Hildenbrand vorstellen zu lassen und ihre eigenen Überlegungen dazu zu äußern.

Vor einigen Jahren hatte die Stadtverwaltung ein Ingenieurbüro beauftragt konkrete Maßnahmen zu untersuchen. Dabei kam als effektivste Lösung ein Hochwasserdamm von maximal 5 m Höhe, 250 m Länge und an der Basis 40 m Breite von der Tiefenbachstraße bis zum gegenüberliegenden Hang etwa auf Höhe des steinernen Brückles, wo sich das Tal weitet, heraus. Die für die meisten BürgerInnen wohl bedeutendste Auswirkung ist die Veränderung des Landschaftsbildes in diesem stark von SpaziergängerInnen, RadlerInnen, SkaterInnen und ReiterInnen genutzten Erholungsraum. Die Wegebeziehungen bleiben zwar erhalten, ob sich der Damm aber so harmlos in die Landschaft einfügt, wie es die Verwaltungsvertreter und GemeinderätInnen auf einer Rundfahrt an anderen Stellen gesehen haben, erfüllt doch mancheN BürgerIn mit Skepsis. Fotosimulationen zur Klärung dieser Frage wurden bisher noch nicht erstellt, da die geplante Lage des Damms noch nicht endgültig festliegt. Der Umweltbeauftragte Jochen Hildenbrand erläuterte die weiteren landschaftlichen Gesichtspunkte der Planung. Als Biotope sind insbesondere der Tiefenbach und sein Ufergehölz von Bedeutung, die im Bereich des Dammbauwerkes zerstört oder stark verändert würden. Hier kommen unter anderem Groppen, Steinkrebse, Eisvögel und Wasseramseln vor. Des Weiteren hat das Tiefenbachtal eine bekanntermaßen hohe Bedeutung als Kaltluftbahn, die zur Abkühlung der Kirchheimer Vorstadt beiträgt. Dieser Effekt würde nach den Worten von Jochen Hildenbrand durch den Stau der kalten Luftströmung hinter dem Damm nicht unterbunden, sondern nur verzögert bis die Luft das Hindernis überströmt. Nach einer Vorprüfung ist das Landratsamt als Genehmigungsbehörde zu dem Schluss gekommen, dass für die Maßnahme keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden muss, was nicht heißt, dass die Beeinträchtigungen der Landschaft nicht berücksichtigt werden müssen.
Der Tag war mit strahlendem Sonnenschein nicht unbedingt geeignet sich ein katastrophales Hochwasser des Tiefenbach/Saubach vorzustellen, wie es im Jahr 1929 Teile der Kirchheimer Vorstadt und das Gebiet vom heutigen Busbahnhof bis zur Mühlstraße überflutete. Seitdem ist das Gebiet trotz zunehmenden Überflutungen an anderen Stellen von einer solchen Katastrophe verschont geblieben. Eine der kleineren Überflutungen hätte zudem vermieden werden können, wenn nicht der Einlass des Saubaches in die Verdolung unter dem Busbahnhof durch Treibgut blockiert gewesen wäre. Trotzdem sorgen sich die Hydrologen, was passieren würde, wenn im Tiefenbachtal tagelang Niederschläge niedergehen würden, wie die, die das Elb- oder Donauhochwasser in der jüngsten Vergangenheit ausgelöst haben. Gegenüber 1929 ist der gefährdete Bereich weiter bebaut worden und in den Kellergeschossen lagern heute nicht nur Vorräte und Kohlen, sondern Elektrogeräte und Heizöltanks, wodurch die Auswirkungen noch ansteigen würden.

Die Dimensionen und Lage des geplanten Hochwasserdamms lösen nicht unbedingt ungeteilte Zustimmung aus. Dies wurde auch in den Fragen und Äußerungen der BürgerInnen bei dieser Begehung deutlich. Karl-Heinz Frey, der sich beim BUND mit Fragen des Gewässerschutzes beschäftigt, regte an, das Wasser im gesamten Einzugsgebiet bereits in der Fläche zurückzuhalten, bevor es in den Bächen abfließen kann, indem zum Beispiel die Gräben im Wald nicht auf kürzestem Weg ins Tal geführt werden, sondern mit geringerem Gefälle quasi im Zickzack am Hang entlang führen sollten. Dem wurde von den Verwaltungsvertretern entgegengehalten, dass es bisher nicht möglich ist, den Effekt solcher Maßnahmen zu ermitteln, um sie in die Dimensionierung von Hochwasserschutzmaßnahmen eingehen zu lassen. Dem Einwand von Stadtrat Roland Hiller, eine längere Rückhaltung von Niederschlagswasser im Wald würde dort zu weiteren Rutschungen führen, entgegnete Karl-Heinz Frey, dass die Ursache dafür nicht Feuchtigkeit, sondern der geologische Untergrund aus Knollenmergel sei. Außerdem wurden Zweifel an den zu Grunde liegenden Höhenangaben geäußert. Aber, wie Herr Riehle entgegnete, worauf soll man sich dabei denn verlassen, wenn nicht auf die Ergebnisse einer Geländevermessung? Zum anderen wurde angeregt, die Hochwasserrückhaltung nicht durch einen einzelnen hohen Damm in sensibler Lage, sondern durch mehrere niedrigere Dämme im gesamten Einzugsgebiet zu gewährleisten. Konkret wurde ein zusätzlicher Damm in Höhe des Blumentobels und einer in Höhe der Sonnenhöfe angeregt. Nach Herr Riehles Worten wurde auch eine Lösung mit sechs dezentralen Rückhaltebecken untersucht mit dem Ergebnis, dass der Damm am steinernen Brückle nur wenig niedriger sein könnte und die Kosten um 180 % höher liegen würden.

Die Begehung endete mit einem Vesper und lockerem Gedankenaustausch, bei dem immer wieder das Dilemma zwischen Hochwassergefahr und Landschaftsschutz deutlich wurde.


 


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