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  Umwelt
 
Vielseitige Kritik an Genmaisanbau - 17.5.2007

 

(th) Seit Wochen findet die Auseinandersetzung über den Anbau von gentechnisch verändertem Mais auf dem Hofgut Tachenhausen durch die Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt ihren Niederschlag in den lokalen und regionalen Tageszeitungen. An dem Aktionsbündnis gegen Genmaisanbau ist auch die Nürtinger Attac-Gruppe beteiligt, die die verschiedenen Veröffentlichungen in einer Dokumentation zusammengestellt hat.

04.01.: Jochen Findeisen, der Pressesprecher der Attac-Gruppe hatte bereits in seiner Reaktion auf die Neujahrsgrüße der Nürtinger Bundes- und Landtagsabgeordneten darauf hingewiesen, dass er lieber etwas darüber gelesen hätte, wie die Abgeordneten zu dem Thema Genmaisanpflanzung durch die Hochschule stehen.

03.02.: Im Rahmen einer Veranstaltung des Freundeskreises gentechnikfreie Nahrung Ende Januar wurden die Aktivitäten des Agrokonzerns Monsanto (der auch die Maissorte produziert, die auf Tachenhausen angebaut werden soll) beim Einsatz von Gentechnik in der Tierproduktion diskutiert.

15.02.: In einem Leserbrief zu einem Artikel der Nürtinger Zeitung „An der Gentechnik scheiden sich die Geister“, stellte Jochen Findeisen den Unterschied zwischen der Anwendung „roter“ (medizinischer) Gentechnik in abgeschlossenen Laboren und „grüner“ (landwirtschaftlicher) Gentechnik in offenen Ökosystemen heraus, in denen eine Ausbreitung der transgenen Organismen nicht verhindert und nicht rückgängig gemacht werden kann.

14.03.: Anlässlich des Kabinettsbeschlusses zur Neufassung des Gentechnik-Gesetzes, in dem ein Abstand von mindestens 150 m zwischen gentechnisch und gentechnikfrei bestellten Feldern festgeschrieben werden soll, erklärte das Aktionsbündnis in einer Pressemitteilung, dass damit zwar der Anbau von gentechnisch verändertem Getreide bei der kleinparzelligen Bewirtschaftung in unserem Bereich erheblich erschwert wird, was die entsprechenden Versuche aber nur verstärkt in die neuen Bundesländer verlagern würde. Solchen Schutz nach dem Sankt-Florians-Prinzip befürwortet das Bündnis nicht. Und bis das Gentechnik-Gesetz reformiert ist, kann auf Tachenhausen weiterhin Genmais angebaut werden.

23.03.: Ein Leserbriefschreiber wies auf eine Studie hin, die von Monsanto selbst in Auftrag gegeben wurde, deren Veröfffentlichung aber von Greenpeace gerichtlich erstritten werden musste, und die beweist, dass der Verzehr von Genmais gesundheitliche Schäden hervorruft - die Versuchsratten erlitten Leber- und Nierenschäden.

05.04.: Unterdessen freute sich das Aktionsbündnis gegen Genmaisanbau, dass seit den Aktionen des Jahres 2006 weitere Personen und Gruppierungen wie der Grünen-Kreisverband und der WASG-Kreisverband sein Anliegen unterstützen.

13.04.: Anläßlich des Artikels „Hochschule Nürtingen: Wieder Experimente mit Genmais“ in der Nürtinger Zeitung, wies Attac darauf hin, dass der Naturschutzbund 3000 Unterschriften gegen den Genmaisanbau gesammelt hat. Allerdings war bereits im vergangenen Jahr in Oberboihingen eine Erklärung mit hunderten von Unterschriften übergeben worden mit der Forderung, die Gemeindeverwaltung als Ortspolizeibehörde solle die Anbauversuche überprüfen, ohne dass Folgen dieser Forderung bekannt seien. Stattdessen akzeptierten die Behörden wohl, dass die Bürger unserer Region als Versuchskaninchen herhalten müssten.

Der mediale Schlagabtausch nahm an Intensität zu, als Hochschul-Rektor Professor Klaus Fischer den Informationsbesuch von FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger und des Nürtinger FDP-Wahlkreisabgeordnete Dr. Ulrich Noll nutzte, um die Politik um Hilfe zu bitten. Indem er sich in dieser Sache nicht nur hinter, sondern neben den Versuchsleiter stellte, erweckte der Rektor den Eindruck, der Anbau von Genmais sei ein wichtiges Anliegen der gesamten Hochschule.

20.04.: Dr. Helmut Gundert wünschte sich in einem Leserbrief, dass die Verantwortlichen ihre Kritiker so ernst nehmen würden, wie vor 50 Jahren der damalige Bundeskanzler Adenauer die Kritik der deutschen Atomphysiker an den Überlegungen zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr, die er daraufhin auf Eis legte.
Ein anderer Leserbrief forderte die FDP-Politiker auf, sich auch mal über die Gegenargumente zu informieren, was mit einem einfachen Besuch im Internet möglich sei, wo man auch die Bedenken des Umweltbundesamtes und des Ökoinstituts Freiburg finden kann.

21.04. Eine weitere Leserbriefschreiberin erinnert daran, dass man gentechnisch veränderte Organismen nicht, wie zum Beispiel Chemieschadstoffe, einsammeln und entsorgen kann. Sollte sich herausstellen, dass die Gentechnik doch eine Gefahr darstellt, ist es zu spät.
In den Stuttgarter Nachrichten wies ein Leserbrief darauf hin, dass ein Bundestagsausschuss zu dem Thema feststellte, dass es noch fundamentale Wissenslücken gibt, das Umweltbundesamt und die Uno bezweifeln, ob wir Gentechnik in der Landwirtschaft überhaupt brauchen, und das Ökoinstitut Freiburg in Frage stellt, ob man überhaupt Freilandversuche riskieren sollte. Hier werden auch einige Kritikpunkte am Einsatz von gentechnisch schädlings- oder pestizidresistent gemachten Pflanzen in der Landwirtschaft aufgezählt: 1. die Resistenz gegen Schädlinge ist nachweislich nach spätestens fünf Jahren dahin, 2. es können durch Auskreuzung Superunkräuter entstehen, die kaum noch zu bekämpfen sind, 3. es ist unbekannt, was mit den veränderten Gensequenzen und dem Gift im Boden passiert, 4. durch Wind und Bienen entstehen unkontrollierte Auskreuzungen auf andere Pflanzen und unser Honig wird mit gentechnisch veränderten Pollen verseucht, 5. weitere unbeabsichtigte Effekte sind zu erwarten, weil die Gentechnik die Veränderungen gar nicht exakt planen kann.
Einen anderen Aspekt griff der Leserbrief auf, der darauf einging, dass es bei den gentechnisch veränderten Pflanzen meist um Futterpflanzen gehe, also auch die Nachfrage nach billigem Fleisch bei den Verbrauchern dafür verantwortlich sei. „Am Vegetarier verdient die chemische Industrie nur wenig.“

03.05.: Im Teckboten wies ein Leserbreif auf die beunruhigenden Parallelen zwischem dem aktuellen Lob der grünen Gentechnik und der Anpreisung von Contergan in den 60er Jahren hin.

04.05.: Moderate Töne schlug Professor Roman Lenz in einem Artikel der Nürtinger Zeitung an, was in vielen Leserbriefen begrüßt wurde. Das Aktionsbündnis befürchtete allerdings, dass es sich dabei um ein taktisches Entgegenkommen der Hochschule handeln könnte und kritisierte, dass Professor Lenz die Politik für die Folgenerforschung des Anbaues gentechnisch veränderter Pflanzen in der Verantwortung sieht. Das Bündnis bezweifelte, dass es geboten ist, mit Steuergeldern einen gewaltigen Untersuchungsaufwand zu betreiben, obwohl der Hauptnutznießer ein international tätiger Agro-Konzern ist.

09.05.: Auch bei der Online-Umfrage der Nürtinger Zeitung meldete sich das Aktionsbündnis zu Wort. Jochen Findeisen prangerte das Versagen der Politik an. Die habe noch nicht verstanden, dass das Ausbringen gentechnisch veränderten Materials einer Lawine gleichkomme. Der ohnehin ramponierten Umwelt werde ein Risiko neuartiger Qualität zugemutet.

12.05. In diesem Zusammenhang ging ein Leserbrief auf die Einwirkungen von Monsanto auf die Rechtssicherheit ein, der im Kleingeschriebenen der Verträge seinen Kunden verbietet, bei eventuellem Versagen des Gentech-Saatgutes im Anbau gegen den Hersteller zu klagen!
Schließlich forderte eine Leserbriefschreiberin: Zu den enormen Problemen, die wir zum Teil selbst verursacht haben (Klimawandel, Hochwasserkatastrophen, Verschmutzung der Weltmeere und anderes mehr) sollten nicht ständig neue Probleme hinzukommen. Der unverantwortliche Umgang mit der Gentechnologie (Genmaisversuche und Anbau) muss beendet werden, wenn wir unseren Kindern und Kindeskindern normale Lebensverhältnisse erhalten wollen. Es reicht und ist genug!


 


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