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  Umwelt
 
Percy Schmeiser im Gespräch - 8.1.2008
Interview mit dem Träger des Alternativen Nobelpreises

 

Am 7. Januar berichtete Percy Schmeiser, Träger des alternativen Nobelpreises 2007, in der Alten Seegrasspinnerei über seinen Kampf mit Monsanto. Der 77jährige kanadische Landwirt ist durch seinen Widerstand gegen den US-amerikanischen Saatgutkonzern  bekannt geworden. Schmeiser, der bereits im Jahr 2000 den Mahatma Gandhi Preis erhalten hatte, war 25 Jahre Bürgermeister seiner Gemeinde und saß auch im kanadischen Landesparlament. Ebenso war er Mitglied jedes Landwirtschaftskomitees, das man sich vorstellen kann, sowohl auf Bundes- als auch Provinzebene. Schmeiser: „Ich habe immer für die Rechte und Privilegien der Farmer und für Richtlinien und Gesetze gekämpft, die für sie von Nutzen sein würden.“

Am Rande der Nürtinger Veranstaltung hat Thomas Mitsch (T.M.) mit Percy Schmeiser (P.S.) ein Kurzinterview geführt.

T.M.: Vielen Dank Percy, dass Sie nach Nürtingen gekommen sind. Wie sagte Henry Kissinger in den 70ern: “Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen”. Glauben Sie, dass der US-amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto die Weltherrschaft über alle Lebensmittel erlangen will?

P.S.: Ja, ich glaube fest daran, denn die Entwicklungen und das, was ich in den letzten vier Jahren auf der ganzen Welt gesehen habe, deuten darauf hin. Es geht hier nicht um landwirtschaftliche Aspekte sondern alleine um Rentabilität und Rendite.

T.M.: Was denken Sie über die dehnbare Auslegung des Patentrechtes?

P.S.: Wie ich es in meinem Vortrag erwähnte, versucht Monsanto, durch Lobbyarbeit und viel Geld, die Regierung und die Farmer durch Druck, zu beeinflussen. Zudem kommt,. dass viele Professorenstellen an den Universitäten von privaten Unternehmen bezahlt werden. Dadurch schwindet die Aufklärung. Die Saatgutunternehmen versuchen durch immer mehr juristische Kniffe, das Patentrecht durch die Hintertür zu umgehen.

T.M.: Wie sieht die landwirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft aus?

P.S.: Nun, die Landwirtschaft wird immer industrieller und kommerzieller. Es wird immer mehr Großbetriebe geben, die herkömmlichen Kleinbetriebe werden immer öfters schließen und schließlich ganz verschwinden. Die Bauern verlassen ihr Land., es wird keine natürliche Landwirtschaft mehr geben. Durch die Kontaminierung ist z.B. kein Bio-Raps- und Bio-Soja-Anbau in Kanada mehr möglich.

T.M.: Können Sie und einige Ideen geben was das Deutsche Parlament in Gesetze umsetzen gegen genmanipulierte Pflanzen und Lebensmittel sollte?

P.S.: Erstens, sollte den Landwirten das Recht zugestanden werden eigene Nachzucht von Samen zu betreiben und zweitens sollte der Verursacher von Schäden, in diesem Fall die Saatgutunternehmen, schadensersatzpflichtig sein.

T.M.: Glauben Sie, dass durch die Verleihung des Alternativen Nobelpreises, für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern und dafür, dass Sie die ökologisch und moralisch verwerfliche Auslegung des Patentrechts in Bezug auf Saatgut ändern wollen, mehr öffentliches Interesse geweckt wurde?

P.S.: Ja, ich denke schon, denn ich werde immer öfters weltweit als Referent eingeladen und ich glaube, dass das Thema Gentechnik vielleicht auch dadurch immer mehr in den Fokus der Menschen rückt.

T.M.: Ist es richtig, dass nach dem Sturz von Saddam Hussein das Saatgut des Iraks vernichtet wurde und der  Irak verpflichtet wurde zukünftig das Saatgut von amerikanischen Firmen zu kaufen?

P.S.: Richtig, das Saatgut musste vernichtet werden. Allerdings wurden vor dem Fall Saddam`s irakische Saatgüter nach Syrien ausgelagert. Jetzt ist der Irak verpflichtet ausländisches Saatgut zu kaufen. Eine Schande, wenn man bedenkt, dass der Irak und der Iran eigentlich die Länder sind, woher unseres eigenes Saatgut ursprünglich herkam.

T.M.: Was sind Ihre nächsten Schritte im Kampf um gentechnikfreie Landwirtschaft?

P.S.: Nachdem eine von der Regierung eingesetzte Kommission selbiger empfahl, dass die Landwirte ein Nachbaurecht bekommen sollten und das Patentrecht auf höhere Lebens-formen nicht anwendbar sei, werde ich nach meiner Rückkehr nach Kanada den Großkonzern Monsanto verklagen.

T.M.: Vielen Dank für das Gespräch und eine gute Heimreise.

 

 


 


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