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Die Schöne und die Biester - 14.7.2009
Können hässliche Kreaturen aus der Gülle vielleicht mal unsere Lebensretter werden?

 

(mw) Susi, die Schöne: „Aber Hallo, was ist das denn? Igitt, bei uns schwimmen so komische Tiere im Eimer.“
Überall Staunen und Fragezeichen. Da setzte die Schöne sich an den PC und schickte die Fotos, die sie gemacht hatte, an alle Bekannten. „Es ist bei uns im Stall, bei den Pferden, im Freien, im Eimer ist Müll, der vergessen wurde. Ich hab so ein Tier dort im Stall auch mühselig rumkrabbeln sehen, es scheint also auch ohne Schwimmwasser auszukommen, zumindest kurzzeitig. Es sind sicher Vorstufen für was anderes, sehen aber ziemlich eklig aus und bewegen sich auch wie kleine Aliens. - Kennt die Biester jemand? Mich würde interessieren ob ich den Eimer ausleeren soll oder nicht und auch was es ist.“

Niemand ihrer Bekannten kannte sie, auch die nicht, die sonst mit Artenkenntnis glänzen. Außer einem, der hatte Biologie studiert, aber deswegen hätte er es auch nicht gewusst. Zufälligerweise hatte er so ein Teil vor vielen Jahren schon mal in Jauchewasser der Alpe Nemes in den Karnischen Alpen gesichtet und nicht eher geruht, bis er es bestimmt hatte. Und der erinnerte sich. Das war der zweite glückliche Zufall, denn sonst ist er oft so zerstreut, dass er manchmal Susi Schönes Vornamen falsch nennt und ihm dies dann furchtbar peinlich ist.
Und so mailte er zurück.
Jaques Schlaule: „Das sind so genannte "Rattenschwanzlarven", aus denen wird die Gemeine Schlammfliege Eristalis tenax, die einer Biene ähnlich sieht und deswegen auch "Mistbiene" genannt wird. Wenn Dich mehr dazu interessiert, dann schau mal in Wikipedia.
Susi Schöne: „Ok, aber die weitere Recherche im Internet ist ganz schön kritisch: In der Mittagspause hab’ ich mal rumgegoogelt, und fand auch Bilder, dass aus den Larven Florfliegen werden würden und sonst noch Falsches.“
Jaques Schlaule: „Das ist oft so. Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man aber manchmal doch was Richtiges über solche Mistviecher finden kann. Vielleicht kann ich mehr aus dem Web rausholen, weil ich in diesem Fall den Müll halbwegs vom anderen unterscheiden kann. Was interessiert Dich denn hierbei?“
Susi Schöne: „Naja, wieso sind die Biester in dem Eimer? Was fressen die? Sind die giftig, gefährlich oder beißen die? Soll ich sie tot machen, oder muss ich sie retten? Ich hab so ein Tier schon rumkriechen sehen, sind die auch landgängig? Kriechen die auch nachts in fremde Betten, gar in meines? Können die fliegen oder haben die sonstige Tricks? Wieso sind die so abgrundtief häßlich? Wohnen die gerne in Gülle, weil sie sich selbst nicht ansehen wollen? Und dann die Mistbienen, die da draus werden. Gehören die zu den Guten oder den Bösen? Sind sie gefährdet oder sollte man sie ausrotten? Sind Mistbienen giftig, gefährlich oder beißen sie? Wovon ernähren sie sich? Wieso hab ich die noch nie gesehen? Sind sie häufig oder auffällig?
Dass ich die noch nie bewusst gesehen habe, erklärt das, dass ich von denen kein Foto habe? Das wär’s mal fürs Erste!“
Jaques Schlaule: „Wenn’s weiter nichts ist ;-) Heiß ich Grzimek?“
Susi Schöne: „Das nicht, aber Schlaule. Deswegen.“
Jaques Schlaule: „Also immer mit der Ruhe, eins nach dem anderen, soweit ich überhaupt was rauskriege. Das hat ja jetzt einen ganzen Rattenschwanz nach sich gezogen. – OK, nach ner halben Stunde Internet-Recherche kann ich bisschen den Experten raushängen. Zäumen wir das Pferd aus Deinem Stall mal von hinten auf. Zuerst mal zur Mistbiene, dem erwachsenen Teil. Sie ist harmlos. Sie sticht nie zu. Kann sie gar nicht, selbst wenn sie wollte. Und sie ist nützlich und bestäubt die Blumen. Zum Glück kann die fliegen. Ohne Bienen und solche Bestäuber wie die Schlammfliege könnten wir einpacken. Nur mal ans Obst gedacht. Die "Mistbiene"  (Schlammfliege) ist als Vertreter der Schwebfliegen ein gutes Beispiel, wie viele Lebewesen an extreme Lebensbedingungen angepasst sind. Die Rattenschwanzlarve überlebt dort, wo kein anderes Tier überlebt: in der Jauche. Ein extrem lebensfeindlicher Lebensraum. Dort gibt es schon mal keinen Sauerstoff. Darum hat die Larve hinten das lange Anhängsel. Mit dem holt sie Luft, wie mit einem Schnorchel. Sie kann in der üblen Brühe herumschwimmen. Auch herauskriechen. Aber nicht fliegen. Und was sie frisst? Fauligen Schlamm, sie hat ja nichts anderes, die milliardenfach dort vorkommenden Bakterien und Pilze und die von ihnen erzeugten Stoffe da drin als Zugabe. Viele Bakterienarten sind sehr nützlich. Zum Beispiel bei ihr als Nahrung. Aber manche können ganz schön übel sein. Auch Pilze. Und Krankheiten und Störungen auslösen. Und auch die gibt es in der Gülle zur Genüge. Die Rattenschwanzlarve wehrt solche krankheitsmachenden Keime ab. Mit Eiweißmolekülen, die sie selbst bildet. Wahrscheinlich produziert sie immer wieder neue, die an die sich mutierenden Keime angepasst sind und sie abschmettern. Wie beim Hasen und dem Igel. Vielleicht können solche Techniken für uns Menschen auch mal nützlich sein. Wir haben ja schon viel aus der Natur abgeguckt und uns zu Nutze gemacht.
Also, meine Schöne, die Biester sind nicht nur eklig. Sie können auch nützlich werden. Außerdem ist eine Unterteilung von Tieren, Pflanzen und Pilzen in nützlich oder schädlich ganz schön naiv. Und vieles wissen wir gar nicht. Die hässlichen – auch das ist relativ – Aliens aus der Gülle könnten Lebensretter werden. - Manches kann einen ganz genialen Rattenschwanz nach sich ziehen, der sich vom Ekelhaften ins Hilfreiche verwandelt. Ungefähr wie bei der Schönen und dem Biest.“
Susi Schöne: "Ok, das reicht für's Erste. Muss zum Hotti. Tschau!"


 


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