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  Umwelt
 
Da kommt was auf uns zu - 9.5.2010
Konkrete ökologische Folgen bei uns

 

(th) Markus Röhl eröffnete die diesjährige Hochschule für alle über Klimawandel und Klimahandel mit einem Vortrag über die lokalen ökologischen Folgen des Klimawandels.

Nach den Prognosen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change - Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) werden die Temperaturen bei uns um mindestens 2° C steigen. auch die Niederschlagsmenge, die zeitliche Niederschlagsverteilung, die Schneemenge und das Auftreten von Extremtemperaturen werden sich verändern. Im Winter werden die Niederschlagsmengen steigen, aber vor allem als Regen niedergehen. Der stärkere Oberflächenabfluss in dieser Zeit geringer Vegetationsbedeckung erhöht die Gefahr der Bodenerosion. Der wenige Schnee, der vor allem in den höheren Lagen fällt, ist meist nass und schwer und führt in den Wäldern immer wieder zu Schäden durch Windbruch. Im Sommer, wenn die Pflanzen Wasser brauchen, werden die Niederschläge generell zurück gehen, wenn auch das Szenario der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg die Gegend um Nürtingen als einen der wenigen Bereiche ausweist, in denen die sommerlichen Niederschlagsmengen steigen könnten. Die Sommer werden also insgesamt wärmer und trockener, was bei uns zu leicht mediterranen Verhältnissen führt, in Griechenland und Spanien aber breiten sich wüstenartige Bedingungen aus.

Diese Veränderungen bringen für manche Pflanzen- und Tierarten Vorteile, für andere Nachteile. Allgemein wird durch die höheren Temperaturen die Photosyntheseleistung der Pflanzen steigen und mehr Biomasse erzeugt werden, die aber weniger von den erwünschten Bestandteilen wie Zucker und Stärke enthalten wird. Die Blütezeit wird sich nach vorne verschieben, wie man bei Schneeglöckchen und Apfelbäumen beobachten kann, die im Schnitt der vergangenen 60 Jahre jetzt etwa 10 Tage früher blühen (diese konkrete Beobachtung war für manchen Zuhörer beeindruckender als die eher abstrakte Aufwärtsentwicklung von Temperaturmittelwerten). Entsprechend wird sich auch die Reifezeit nach vorne verschieben und Pflanzenarten bei uns gedeihen können, die auf eine längere Vegetationsperiode angewiesen sind. Andererseits können diese Veränderungen in den komplexen Zusammenhängen der Natur aber dazu führen, dass zur Zeit der Blüte evtl. die für die Bestäubung notwendigen Insekten noch nicht da sind oder sich die Lebensbedingungen für Wurzelpilze verschlechtern, die für Pflanzen lebensnotwendig sind.

In der Landwirtschaft werden sich die Bedingungen für den Weinbau und andere Sonderkulturen verbessern und neue Arten wie Hirse und Soja in Deutschland angebaut werden können. Damit werden sich möglicherweise auch neue Pflanzenkrankheiten und Schadinsekten ausbreiten. Andererseits werden die geringeren Niederschläge zu Problemen führen, die verstärkte Bewässerung notwendig machen, was zu stärkerem Wasserverbrauch bei gleichzeitig geringerem Angebot führt. Extreme Wetterereignisse wie Unwetter und Hagel können die Ernte erheblich beschädigen.

Auf Grund der langen Umtriebszeiten muss sich die Forstwirtschaft langfristig auf die kommenden Veränderungen vorbereiten. Insbesondere für die forstwirtschaftlich sehr geschätzte und in den Wäldern weitverbreitete Fichte werden die Lebensbedingungen sich verschlechtern. Stattdessen werden andere Baumarten wie die heimischen Traubeneichen, Flaumeichen und Tannen aber auch die fremdländischen Roteichen, Robinien und Douglasien begünstigt.

Bei den Tieren wird der Lebensraum für Arten, die auf kühle und feuchte Bedingungen angewiesen sind, kleiner, so dass sie in ihrer Existenz bei uns gefährdet sind und eher nördlich gelegene Gebiete besiedeln, wenn sie dorthin gelangen können. In Deutschland werden die höheren Lagen zu den Rückzugsgebieten dieser Arten, die langfristig geschützt werden müssten. Besonders gefährdete Arten sind die Bewohner von Mooren, Mittelgebirgsbächen (z.B. Köcherfliegenlarven) und montanen Wäldern (z.B. Birkhühner und Auerhühner). Ausbreiten können sich hingegen Arten, die eher wärmeliebend sind. Zu denen, die bei uns bereits in wärmeren Lagen vertreten sind und sich ausbreiten können, wie z.B. der Schmetterlingshaft (Bild: wikipedia, Bernd Haynold), kommen Arten aus anderen Gebieten, die bei uns einwandern. Einer solchen Einwanderung von Süden stehen allerdings die Alpen entgegen, die auch bei schmelzenden Gletschern eine kalte Barriere bilden, an der nur wenige Wege vorbei führen. Einer dieser Wege führt über den nur 400 m hohen Sattel der burgundischen Pforte zwischen Jura und Vogesen westlich um die Alpen herum in die Rheinebene. Ein anderer Weg führt von Osten durch das Donautal. Weitere Arten werden generell von Westen aus Frankreich einwandern und das vierte Einfallstor für tierische und pflanzliche Neubürger sind der Warentransport und der Tourismus. Über diesen vierten Weg ist z. B. das Tigermoskito aus Amerika nach Italien gelangt, von wo es sich inzwischen bis nach Deutschland ausgebreitet hat. Manche Touristen bringen aus Mitleid auch streunende Hunde aus den Mittelmeerländern nach Deutschland, mit denen dann auch ihre mediterranen Parasiten, wie die braune Hundezecke einreisen, die für die Übertragung neuer Krankheiten verantwortlich sind. Die Rheinebene wird auf Grund ihrer klimatischen Bedingungen der Ausgangspunkt für die Ausbreitung von Artensein, die von dem Klimawandel profitieren.


 


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