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  Umwelt
 
Globale Gerechtigkeit im Treibhaus. - 8.6.2010
Ethische Dimensionen des Klimawandels

 

(th) Den Titel des Beitrags konnte man direkt von Dominic Roser übernehmen, der in seinem Vortrag an der Fachhochschule mit seinem gemütlichen Schweizer Akzent verkündete, dass es sich bei dem Klimawandel aus moralischer Sicht um einen „vollkommenen Sturm“ handele, bei dem vier für sich schon erhebliche ethische „Stürme“ zu einer ethischen Überforderung werden können.

Der erste Sturm ist die zeitliche Problematik: Die Emissionen, die wir heute erzeugen, wirken erst in Jahrzehnten und dann für Jahrhunderte. Zeitlich unmittelbare Wirkungen unseres Handels sind nicht zu erkennen und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen kann nicht direkt belegt werden.
Der zweite und aus Dominic Rosers Sicht wichtigste Aspekt ist der globale Sturm: die meisten klimarelevanten Emissionen werden und wurden in den industrialisierten Ländern des Nordens erzeugt und die gravierendsten Auswirkungen wird der Klimawandel in den wirtschaftlich schwachen Ländern des Südens haben.
Dazu kommt die Ursache-Wirkung-Problematik: Der Klimawandel wird nicht durch eine einzige, große, böswillige Handlung verursacht, sondern durch tausend kleine, normale Alltagshandlungen, die zu tausenden kleiner Schäden führen, die zusammen enorme Auswirkungen (Dürren, Überschwemmungen, wirtschaftliche Einbußen, Krankheiten) haben.
Und schließlich kommt der Sturm der Unsicherheit dazu: man weiß, dass der Klimawandel zu Veränderungen der Lebensbedingungen auf der Erde führen wird, aber wie diese konkret aussehen werden, kann man nicht genau sagen. Ebenso wie auch noch manche an den von Menschen zu verantwortenden Ursachen zweifeln.

Die Aufgaben, die nun möglichst gerecht verteilt werden müssen, sind Emissionsreduktionen, Emissionsbudgets, historische Emissionen mit ihren jeweiligen Nutzen sowie die Kosten für Vermeidungsmaßnahmen, Anpassungsmaßnahmen und Folgeschäden.
Aber mit gerechter Verteilung kann man sehr verschiedene Ansätze bezeichnen und Dominic Roser zählte einige auf.
Den ersten Ansatz nannte er „fair teilen“, wobei alle ihre Emissionen um den gleichen Anteil, z.B. 50 % reduzieren sollen. So sind die ähnlich strukturierten EU-Staaten mit ihrem Anteil aus der Vereinbarung von Kyoto umgegangen. Aber es fragt sich, ob es wirklich fair ist, wenn ein Äthiopier nach der Reduktion noch 0,04 t CO2 emittieren darf und ein US-Amerikaner 10 t (etwa so viel, wie ein Bundesbürger heute emittiert).
Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass durch das Recht, CO2 zu emittieren, im Endeffekt die wirtschaftliche Entwicklung bestimmt wird, und sieht eine gerecht Verteilung dann als gegeben an, wenn zumindest gewährleistet ist, dass die Staaten der Armut entkommen können. Dies ist allerdings ein schwer handhabbarer Ansatz, aus dem sich nicht unmittelbar ableiten lässt, welche Rechte den einzelnen Staaten eingeräumt werden sollen.
In eine ähnliche Richtung geht der Ansatz, der weniger nach einer gerechten Verteilung als nach dem Effekt für die wirtschaftlich schwachen Länder fragt, für die zumindest das Ziel der Armutsbekämpfung erreicht werden soll.
Angesichts der fortgeschrittenen Zeit erläuterte Dominic Roser nicht mehr den Verursacher-Ansatz, dem er trotz des zustimmungswürdigen Namens wohl keine große Bedeutung einräumte.
Plausibler erscheint der Ansatz, gleiche Emissionsrechte pro Kopf der Bevölkerung zuzuteilen. Dadurch werden aber noch nicht die unterschiedlichen Kosten für die Anpassung der Emissionsmengen und die Folgeschäden des Klimawandels berücksichtigt. Für die Industriestaaten ist dieser Ansatz nur mit dem Instrument des Emissionshandels realisierbar.

Sympathisch an Dominic Roser war, dass er mit seinem Schweizer Akzent kein Programm zur Rettung der Welt vortrug, sondern ethische Fragen benannte, die sich aus dem Klimawandel ergeben, und mögliche Antworten vorstellte. Er machte deutlich, dass, egal wie eine Lösung aussehen würde, sie zu mehr Gerechtigkeit im Nord-Süd-Verhältnis führen müsse.

Thomas Hauptmann


 


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