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  Umwelt
 
Kein Platz für Pflanzen und Tiere - 16.9.2010
Verheerende Ordnungswut in der Stadt

  (th)

Es war eine ernüchternde Bilanz, die Karl-Heinz Frey am Dienstag dem Naturschutzbund präsentierte. Das Thema des Vortrags des Sprechers des Landesnaturschutzverbandes im Kreis Esslingen war die Artenvielfalt in der Stadt. Er konnte durchaus von raren Tier- und Pflanzenarten in Nürtingen erzählen, die auch die Mitglieder des Naturschutzbundes vielfach nicht kannten. Aber meist endete ihre Geschichte damit, dass sie durch einen Pflegeeinsatz verschwunden sind oder es gibt sie nur noch an Stellen, wo die städtische Pflege sie noch nicht erwischt hat. Nach Karl-Heinz Freys Erfahrung ist es in unserem städtischen Umfeld gar nicht die sonst für den Artenschwund in Deutschland verantwortlich gemachte Landwirtschaft, die die Zerstörung von wertvollen Lebensräumen verursacht, sondern die gedankenlose Ordnungswut im Siedlungsbereich, an Straßen, Wegen und Gewässern. Überleben können nur wenige Arten, deren botanische Namen meist auf repens oder reptans enden, womit Pflanzenarten benannt werden, die am Boden kriechend wachsen und sich durch Ausläufer vermehren.

So berichtete Karl-Heinz Frey von einer Ufermauer an der Steinach, wo zwischen der Metzinger Straße und dem Steinachdreieck 75 zum Teil geschützte Pflanzen vorkommen, die aus Gründen des Hochwasserschutzes abgebrochen und 1 m höher neu gebaut werden soll. Am Neckar finden sich hingegen in Nürtingen auf 1,5 km nur 144 Pflanzenarten, von denen viele gar nicht mehr dazu kommen, Samen zu bilden und sich so zu vermehren, weil sie bereits im Mai im Rahmen der Gewässer-„Pflege“ niedergemäht werden.

Durch die Verbreiterung von Waldwegen, auf denen sich nun Fahrzeuge problemlos begegnen können, sind zahlreiche Standorte von Orchideen und Laichgewässer von Fröschen zerstört worden.

Pflegemaßnahmen auf Grundstücken und an Straßen zerstören aus desinteressierter Unkenntnis Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Karl-Heinz Frey erinnerte an das Schicksal von echtem Labkraut, Glaskraut, Hornissen-Glasflüglern, Tintenfleckweißlingen und der einsamen Raupe einer Ahorneule auf dem letzten weißen Hornklee, den die Pflegetrupps an der Tiefenbachstraße stehen ließen. Dabei ist es doch nicht notwendig, den Straßenrand in einer Tiefe von 4 m kahl zu mähen.

Eine Oase für Pflanzen und Tiere ist noch das ehemalige Güterbahnhofgelände mit seinen besonderen Standortbedingungen, auf dem Menschen sich nur mit ausdrücklicher Erlaubnis rumtreiben dürfen. Hier finden sich allein 125 Pflanzenarten und zahlreiche Tierarten, zu denen auch der Schwalbenschwanz und eine der größten lokalen Populationen der Zauneidechse zählen. Wenn es zu einer Bebauung dieses Geländes kommt, wird es auch damit vorbei sein.

Zugleich werden die heimischen Pflanzenarten an den verbleibenden Standorten von Pflanzen aus fernen Ländern verdrängt, die für die heimischen Tierarten wiederum nur geringen Nutzen haben. Karl-Heinz Frey zählte bekannte und weniger bekannte Arten auf, darunter den Götterbaum, den Sommerflieder, den Amarant, die indische Himbeere, die Feige, die Haargerste, den Japanknöterich und die Goldrute. Auch die so schön anzuschauende Mösssinger Blumenmischung, die an verschiedenen Straßenrändern ausgesät wurde, enthält zahlreiche fremdländische Arten. Die Blütenvielfalt lockt zahlreiche Insekten an den Rand der Straße, wo sie vom Sog der vorbeifahrenden Autos erfasst und verletzt und getötet werden, woran man bei dieser optischen Bereicherung nicht gedacht hat.

Nürtingen muss offenbar noch einiges tun, um die Mitgliedschaft im "Bündnis biologische Vielfalt in Kommunen" zu rechtfertigen. Dabei geht es nicht darum viel Geld auszugeben, sondern eher weniger und nicht zum falschen Zeitpunkt zu tun. Abgesehen davon ist es verboten und das heißt strafbar, geschützte Tier- oder Pflanzenarten zu beeinträchtigen. (Thomas Hauptmann)


 


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