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  Kultur
 
Bernhard Hurm erhält den Hölderlinring - 22.1.2012
Verein Hölderlin-Nürtingen e.V. und Jürgen Gairing ehren den Intendanten des Theaters Lindenhof

 

(mw) Der Schauspieler, Intendant und Theatermacher Bernhard Hurm vom Theater Lindenhof erhielt am 19. Januar 2012 im Nürtinger Stadtmuseum in feierlichem Rahmen den Hölderlinring. Mit dem Hölderlinring zeichnet der Verein Hölderlin-Nürtingen e.V. nun zum dritten Mal Personen aus, die sich um das Werk, die Person und die Erinnerung an Friedrich Hölderlin verdient gemacht haben.

Der Hölderlinring wurde von dem Nürtinger Goldschmied Jürgen Gairing, Mitglied im Kultur-, Schul- und Sozialausschuss der Stadt, entworfen, gefertigt und gestiftet. In den Ring ist ähnlich einem Schattenriss das abstrahierte bekannte Hölderlinbild von Franz Karl Hiemer und die letzte Zeile aus dem Gedicht “Andenken” in Originalhandschrift graviert:

                “Was bleibet aber,
                          stiften die Dichter."

Anfang der 80er Jahre hat Bernhard Hurm, Jahrgang 1956, das Theater Lindenhof in Melchingen mitbegründet, das aus einer freien Schultheatergruppe hervorgegangen ist. Es ist das einzige Regionaltheater Deutschlands. Oftmals thematisierte es Randfiguren oder Außenseiter aus der Region.

Eine der Lieblingsrollen Bernhard Hurms ist nach eigenem Bekunden Friedrich Hölderlin. Regionalen Kulturkundigen sind die Freiluft-Inszenierungen "Hölderlin. Tübingen. Turm." bekannt -1986 als Sommertheater in Tübingen aufgeführt - sowie "... wenn mit dem Neckar herab. (Hölderlin) Ein Abendspaziergang“, der ebenda 1993 und 1995 begangen worden ist. In Nürtingen ist Bernhard Hurm „als Hölderlin“ vor allem von der Darbietung bei dem Hommage-Abend unter dem Titel „Ein Zeichen sind wir“ bekannt. In Nürtingen ist unvergessen, wie er als Hölderlin "oben auf dem Tennisstuhl saß". Die szenische Kollage „Ein Zeichen sind wir“ war 2007 in der Nürtinger Stadthalle K3N Nürtingen aufgeführt worden. Für die Hölderlinstadt Nürtingen war diese Aufführung so etwas wie ein fulminanter Startpunkt neuen Selbstbewusstseins und neuer Erinnerungskultur in Sachen Hölderlin gewesen.
 
Doch auch bei Lesungen mit Uwe Zellmer und Peter Härtling wirkt Bernhard Hurm mit, die Hölderlin zum Thema haben - viele Gründe also, ihn mit dem Ring auszuzeichnen.

Im April 2011 waren Bernhard Hurm und Uwe Zellmer bereits mit dem Ludwig-Uhland-Preis ausgezeichnet worden. Den Hölderlinring hatte als erste Barbara Leib-Weiner 2010 verliehen bekommen, die sich für den Erhalt des Hölderlinhauses in Nürtingen engagiert. 2011 war der Ring an Stadtmuseumsleiterin Angela Wagner-Gnan überreicht worden, die bei dem Festakt selbstverständlich mit diesem Ring am Finger zu sehen war.

Dem vom Verein Hölderlin-Nürtingen e.V. in würdiger Atmosphäre durchgeführten Festakt wohnte auch Hildegard Ruoff, Jahrgang 1919, bei. Wie auch Peter Härtling ist sie dem Theater Lindenhof in besonderer Weise verbunden.

Ingrid Dolde, die Vorsitzende des Vereins Hölderlin-Nürtingen, hielt die Laudatio. Sie betonte, dass bei Bernhard Hurms Wirken - vor allem in Zusammenhang mit dem Theater Lindenhof - in idealer Weise Initiative und Institution gleichzeitig wirksam sind. Dadurch ergebe sich eine stabile Grundlage. Danach überreichte Goldschmied Jürgen Gairing den von ihm geschaffenen Hölderlinring. Dies geschah feierlich und dennoch entspannt, wie insgesamt die gelungene Veranstaltung auch eine familiäre Note hatte.

Als besonderes Highlight rezitierte Bernhard Hurm nach der Ring-Übergabe ausgesuchte Hölderlin-Gedichte, dies in ein einer solch eindrucksvollen Intensität, dass man unter den gebannt lauschenden Zuhörern eine Stecknadel hätte fallen hören können und einige sogar feuchte Augen bekamen. Spätestens hier dürfte es jedem der Zuhörer klar geworden sein, weshalb Bernhard Hurm solcherart ausgezeichnet wurde. Am sofort aufbrandenden Applaus nach jedem Gedicht merkte man aber auch, dass das kundige Publikum sofort wusste, wann die einzelnen Stücke zu Ende waren, da sie ihm nicht fremd waren. Vor der etwa 20 Minuten dauernden Rezitation der Elegie "Die Heimkunft" schilderte Bernhard Hurm auch die damaligen Lebensverhältnisse Hölderlins, der gerade wieder eine Hauslehrerstelle beendet hatte oder beenden musste. Nach dieser zeitlichen Einordnung in die Biographie Hölderlins informierte er darüber, wie lange das folgende Gedicht jetzt dauern werde, und warb geradezu in optimaler Weise bei den Zuhörern um Aufmerksamkeit für diese etwas längere Lyrik Hölderlins, die sich landläufig nicht so ohne Weiteres sofort erschließt: "Gucken Sie, dass Sie immer wieder einsteigen können, nicht auflegen, es lohnt sich!".

Dieser Wunsch hat auch im übertragenen Sinn Gültigkeit. Dass man das Thema Hölderlin nicht ablegt wie ein als veraltetet empfundenes Kleid, dass man empfangsbereit bleibt, dass man sich immer wieder darauf einlässt, dass es sich lohnt, - diese Einsicht ist zu einem guten Teil Bernhard Hurms Verdienst und kann programmatisch für Nürtingen als Hölderlinstadt gelten. Es lohnt sich!


 


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