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  Kultur
 
Ich bin so frEI - 4.3.2012
Ei der Heckschnärre für Karl-Heinz Frey

 

(th) Zahlreiche Gäste, darunter ehemalige Ei-Träger, Bundes- und Landtagsabgeordnete, waren am Abend des Aschermittwoch in die Kreuzkirche gekommen, um Karl-Heinz Frey, den Sprecher des Landesnaturschutzverbandes im Kreis Esslingen zur Verleihung des diesjährigen Eis der Heckschnärre durch die Nürtinger SPD zu gratulieren.

Begonnen und begleitet wurde die Verleihung auf Wunsch des künftigen Ei-Trägers durch musikalische Beiträge des Trio d’anches mit Oboe, Klarinette und Fagott.

Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Bärbel Kehl-Maurer, erinnerte bei ihrer Begrüßung daran, dass viele den Spruch kennen „Erst wenn der letzte Baum gefällt ist, werdet ihr erkennen, dass man Geld nicht essen kann“, aber anscheinend wenigen bewusst sei, wie sehr er den Nagel auf den Kopf trifft. Karl-Heinz Frey hingegen denke über den Tag hinaus und gehe mit gutem Beispiel voran, dem hoffentlich noch mehr Bürger folgen werden nach dem Motto „Ich bin so frey".
Anschließend erklärte Hans-Wolfgang Wetzel, was es mit der Heckschnärre auf sich hat, dem in Nürtingen ausgestorbenen Wachtelkönig, dessen Männchen hochaufgerichtet schnärrend ihr Revier verteidigen.

Schließlich hielt der grüne Umweltminister Franz Untersteller seine Laudatio für Karl-Heinz Frey, den er seit Jahren auch persönlich kennt. Er zeichnete den Lebensweg des in Kirchheim geborenen Preisträgers vom Fernmeldeelektriker zum Sozialarbeiter und ehrenamtlichen Richter beim Landessozialgericht nach. Karl Heinz Frey gebe den eher unscheinbaren Arten, wie den Molusken (Schnecken und Muscheln) eine Stimme. Zu seinen erfolgreichen Projekten zählen sowohl die Unterschutzstellung eines Orchideenstandortes bei Isny, wie auch der Erhalt der Amphibienpopulation im Bauernwald bei Oberensingen und der Erhalt der Schwarzpappel am Neckar. So habe sich Karl-Heinz Frey das Ei der Heckschnärre wahrlich verdient.

Nachdem Bärbel Kehl-Maurer und Hans Wolfgang Wetzel also das Ei samt Kissen zum Brüten übergeben hatten, sprach auch Karl Heinz Frey selbst zu den Anwesenden. Vieles, was er heute erlebt, betrachtet er als Katastrophe: Personen, die ein öffentliches Amt als Lehen betrachten, feudale Verhaltensweisen an den Tag legen und Informationen unterdrücken oder den Rückgang der Pflanzenarten, den er während seiner floristischen Kartierung für das Naturkundemuseum beobachten konnte. Demgegenüber war die Jugend im kriegszerstörten Stuttgart fast paradiesisch: in Gebäuderuinen konnte man bis in den dritten Stock klettern und Taubennester ausnehmen und in den Bombentrichtern im Kräherwald tummelten sich Frösche, Molche und Blindschleichen. Im Laufe seines Lebens als Fernmeldemonteur, bei der NATO, als Sozialarbeiter, beim BUND und als Sprecher des Landesnaturschutzverband-Arbeitskreises Esslingen hat er gelernt, dass nichts zu sagen, obwohl man es anders weiß, heißt, der Sache zuzustimmen. Die bürokratischen Strukturen, die vielfach die Bemühungen der Umwelt- und Naturschützer sinnlos behindern, verglich er mit einem Hallimasch-Pilz, der sich in den USA als größte zusammenhängende organische Struktur über mehrere hundert Hektar ausgebreitet hat und auf Kosten anderer zum reinen Selbstzweck weiter wächst. Auch wenn man den Hallimasch nicht vernichten kann, kann man ihn doch im möglichst jungen Zustand gekocht verzehren. So versteht Karl-Heinz Frey seine Tätigkeit genüsslich als die Zubereitung eines Pilzgerichtes, das er sich gerne auf der Zunge zergehen lässt.


 


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