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  Kultur
 
Es gibt keine türkische Schule - 4.12.2012
aber muttersprachlichen Unterricht

 

(th) Beim diesjährigen Maientagsumzug lief erstmals eine Gruppe hinter dem Schild "Türkischer muttersprachlicher Unterricht", die bisher als „Türkische Schule“ aufgetreten war und damit manche Verwirrung verursacht hatte. Ist das eine Privatschule, eine Sprachschule oder eine Bildungseinrichtung für einen Zusatzunterricht? Wir haben mit Jale Bozkurt und Sevgi Kanbil, den Koordinatorinnen dieses Unterrichtsangebotes im Kreis Esslingen über den türkischen muttersprachlichen Unterricht in Nürtingen gesprochen.

Der Unterricht

Meist wenn an den Haupt-, Werkreal- und Realschulen christliche Religion auf dem Stundenplan steht, können die allgemein muslimischen Kinder türkischstämmiger Eltern den türkischen muttersprachlichen Unterricht besuchen – an den Gymnasien gibt es das Angebot mangels Lehrkräften nicht. Im muttersprachlichen Unterricht lernen die Kinder nicht nur Türkisch lesen und schreiben und türkische Grammatik sondern auch türkische Allgemeinbildung von Geographie (Hauptstadt, Nachbarstaaten) über Geschichte (Osmanisches Reich, türkische Republik) bis zu Sitten und Traditionen sowie Festtage und Religion des Islam in Bezug zu christlichen und jüdischen Anschauungen (mit Besichtigung von Moschee und Kirche) und behandeln Aspekte des Alltagslebens wie Verkehrsregeln, Gesundheitsvorsorge, Schule, Freizeit und ihr Wohnumfeld. Der muttersprachliche Unterricht ist kein Türkisch-Kurs, den auch deutsche Schüler o.a. besuchen könnten, sondern er ist für Kinder, die bereits in der Familie Türkisch sprechen. Die Lehrkräfte orientieren sich in ihrem Unterricht an den deutschen Lehrmethoden. Wenn sie die Schüler nur nach Schema F lesen und schreiben ließen, würden sich die Kinder bald abwenden. Die Inhalte werden auch visuell mit Tageslichtprojektor präsentiert. Geschichten werden zerlegt und in der richtigen Reihenfolge zusammengeklebt, damit die Kinder sie besser aufnehmen können. Die verwendeten Lehr- und Arbeitsbücher werden extra für den muttersprachlichen Unterricht in Deutschland hergestellt, wobei es auf Grund des föderalen Schulwesens auch noch Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern gibt. Nach den Angaben von Jale Bozkurt und Sevgi Kanbil nimmt der größte Teil (ca. 180) der türkischsprachigen Kinder am muttersprachlichen Unterricht teil. Das Interesse nimmt allerdings in den höheren Klassen, vor allem bei den Jungs ab. Auch wenn der muttersprachliche Unterricht nicht parallel zum Religionsunterricht, sondern als Zusatzangebot am Nachmittag stattfindet, ist das Interesse der Schülerinnen und Schüler deutlich geringer. Wenn es an den Schulen also islamischen Religionsunterricht gäbe, würde das die Nachfrage nach dem muttersprachlichen Unterricht wohl mindern.

Die Lehrerinnen und Lehrer

Die Lehrkräfte für dieses Unterrichtsangebot kommen aus der Türkei und werden vom türkischen Staat bezahlt. Dafür gibt es Abkommen mit Deutschland und anderen Staaten, die die Tätigkeit muttersprachlicher Lehrerinnen und Lehrer in den jeweils anderen Ländern regelt. Die Schulen sollen die Organisation des muttersprachlichen Unterrichtes unterstützen. Sie stellen Unterrichtsräume zur Verfügung und geben Anmeldeformulare weiter. Der Besuch des muttersprachlichen Unterrichts schlägt sich auch im Zeugnis nieder, die Benotung ist aber nicht versetzungsrelevant, sondern wird bei den Bemerkungen aufgeführt. Jale Bozkurt und Sevgi Kanbil sind einerseits als Lehrerinnen tätig und organisieren andererseits den muttersprachlichen Unterricht im Kreis Esslingen mit 13 weiteren Lehrkräften, für die sie die Einsatzzeiten mit den Unterrichtszeiten an den Schulen koordinieren sowie die Reisekostenabrechnungen mit dem türkischen Generalkonsulat organisieren. Sie vermitteln zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schulen und türkischem Generalkonsulat, wenn es irgendwelche Probleme gibt. Sie bieten sich über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus bei Bedarf auch als Dolmetscherinnen zwischen Eltern und Schulen an. Sie organisieren außerdem Feste mit Lehrern und Schülern, wie z.B. das (türkische) Republikfest Anfang November.

Der Türkische Elternverein

Die Lehrerinnen und Lehrer laden die Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler auch dazu ein, eigene Elternbeiräte zu wählen. Je nach Engagement sind diese für eine oder mehrere Schulen in der Stadt zuständig und sollen die Elterninteressen beim muttersprachlichen Unterrichtsangebot gegenüber den Schulen vertreten. Die Elternbeiräte sind auf Kreisebene im Türkischen Elternverein organisiert, der dem Dachverband der Türkischen Elternföderation angehört. Der Elternverein finanziert und organisiert gemeinsame Aktivitäten der türkischen Schüler, wie Ausflüge, Folkloregruppen oder Feste sowie Informationsveranstaltungen für die Eltern z.B. über die Aufhebung der verbindlichen Schulempfehlung nach der Grundschule. Das dafür benötigte Geld wird unter anderem durch den Verkauf von Speisen auf Stadtfesten und Weihnachtsmärkten eingenommen.


 


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