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  Kultur
 
Tanzende Grenzüberschreitungen - 20.1.2015
Sawako Nunotani und Pierangela zeigten „The Movement of drying Water”

  (to) Trocknendes Wasser? – Es gefriert zu Eis, es verdampft in der Luft, es zieht in die Haut, in die Erde ein… Es ist Wasser und doch nicht mehr… Veränderungen, Metamorphosen – ein wunderbares Thema für eine Tanz-Performance. Mit solchen oder ähnlichen Überlegungen könnten die rund 40 Zuschauer am vergangenen Samstag in die Galerie der Freien Kunstakademie Nürtingen gekommen sein, um der Performance der japanischen Choreografin und Tänzerin Sawako Nunotani und derbrasilianischen Schauspielerin und Tänzerin Pierangela beizuwohnen.

So wie der Titel anregte, die gewöhnlichen Grenzen unserer Gedankenwelt zu überschreiten, so ließen sich auch die Bewegungen der beiden Akteurinnen nicht in das Fast-Quadrat einsperren, das Pierangela in der zweiten Sequenz der Performance mit einem Klebeband auf dem Boden abgegrenzt hat. Darauf schreibt sie mit einem Marker den immer gleichen Satz: „Unser Blick ist so begrenzt, dass wir die Weite nicht erkennen“ – immer schneller; währenddessen stellt Sawako Nunotani den kleinen roten Fisch im Glas namens Genaro dar: im roten Kleid und mit einem ebenso roten Tuch, mit luftigen Bewegungen sich entfernend. Luft und Wasser – beides hat die Tendenz sich auszubreiten, jede Grenze zu überschreiten.

Darum ging es an diesem konzentrierten Abend: Anfangs standen die beiden Tänzerinnen, in winterlichen Jacken gekleidet, an den gegenüberliegenden Enden des weißen Raumes, bewegten sich mehr mit Blicken, die immer wieder lange auf einzelnen Zuschauern ruhten. Nach und nach: Dynamik, erst fast unmerkliche staccatohafte Bewegungen, dann werden diese flüssiger. Die Tänzerinnen schälen sich aus Jacke und Schuhen, sie scheinen zu vom Wasser bewegte Schlingpflanzen oder Kieselsteine, die umhergespült werden, zu werden, die Körper berühren sich, umwinden sich: Contact-Improvisationen… auf einmal ein Freeze: der klar gerichtete Blick zweier Augenpaare auf die Hand einer der Tänzerinnen – aus dem Getrieben- und Bewegwerden entwindet sich ein fixiertes Bild.

In der zweiten Sequenz kommen dann schauspielerische Elemente mit hinein, auch Text, einfache, ausdruckstarke Sätze über das Sehnen – wie diesen: „Die Liebe ist wie das Wasser, es nimmt jede Form an.“ Nicht gebunden sind also diese beiden Phänomene und deshalb unendlich anschmiegsam, bedingungslos, allgegenwärtig.

In der Schlusssequenz sind die beiden Tänzerinnen in Brauntönen gekleidet, bewegen sich zunächst mit tastenden Bewegungen bodennah, nach und nach gelangen sich höher und höher, schließlich über sich hinaus – der Körper streckt sich nach oben, die Hände greifen weit aus… Auch rhythmisch ist diese Sequenz vielfältig, irgendwann korrespondieren die beiden Tänzerinnen in einem deutlichen Dreivierteltakt, dann entwickelt sich die Choreografie zu einer Art Ausdruckstanz – doch ganz und gar unpathetisch. Jetzt kommt auch die Musik dazu: vielfältige Wassergeräusche von den japanischen Komponisten Kayoko Arisato und Takashi Tajima.

Mit dieser eindrucksvollen Performance hat Tiina Kern, die Kuratorin der FKN-Galerie, mal wieder gezeigt, dass ihr Raum sich vorzüglich für zeitgenössische Performances und andere experimentelle Projekte eignet. So könnte dieser Ort in der Nürtinger Kulturwelt sein ganz besonderes Profil gewinnen. Mit angeregt wurde diese Veranstaltung vom Künstlernetzwerk permaneNT, welches insbesondere spartenübergreifende Projekte anstößt.


 


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