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  Kultur
 
„Wesen verwest nicht“ - 14.11.2015
Johanna Mückain las Abschieds-Gedichte im Bestattungshaus Riempp

  (to) Auf ein Jahr war früher die Trauerzeit bemessen. Die Nürtinger Lyrikerin Johanna Mückain hat in etwa diesen Zeitraum genutzt, um Gedichte über den Tod ihres Lebensgefährten und den Weg ihrer Trauer zu schreiben. Am vergangenen Sonntag hat sie diese in der Matinee "Trauer - das Band mit unseren Toten" im Rahmen der „Stillen Tage“ im Nürtinger Bestattungshaus Riempp und Homburg erstmals vorgetragen. Begleitet wurde sie von der australischen Querflötistin Amanda Chominsky.

„wohin geht wesen / das lächeln / der hauch der worte“ – so und anders fragen die Verse der Dichterin in den offenen Raum hinaus: Wo geht der Geliebte hin, wenn er stirbt? Was wird aus der Zurückbleibenden – und: Werden sich beide einst wieder begegnen?

Zugleich spricht sich in Mückains Lyrik der Schmerz des unwiederbringlichen Verlustes aus: „ich kann dir nicht / die kleinen primeln / zeigen die im garten blühen“ – denn: „wenn du gehst / sind wir allein / ich im hier / du im dort“.

Doch nach und nach wächst der Verstorbene gewissermaßen in das Herz der Dichterin hinein – dementsprechend wird der Ton ihrer Verse versöhnlicher: „du bist nicht weg / bist hineingestorben / in mich“. So drückt sich eine gelingende Trauer aus, sie kann den Geliebten loslassen, ohne ihn zu verlieren. Zugleich hört sie ihn zu sich sagen: „go your way“. Über all dem liegt die Gewissheit: „wesen verwest nicht“.

Zu diesen Gedichten, die Erfahrungen des Abschieds feinsinnig zu noch nie gehörten Sprachbildern verweben, hat die Querflötistin Amanda Chominsky kongeniale Stücke des zeitgenössischen Komponisten Erland von Koch ausgewählt: Dawn, Twilight und Monologue. Deren Modernität verbirgt sich hinter schlichten, einfühlsamen Tonfolgen, die Chominsky mit zugleich präziser und ruhiger Intensität vortrug.

Vor diesem Part mit Poesie und Musik unterhielt sich der Trauerredner und Philosoph Thomas Oser mit Stefanie Sochart-Damitz, die mit anderen zusammen ein Mal im Monat im Bürgertreff das Nürtinger Trauercafé moderiert. Die beiden beleuchteten die Widerstände und mehr noch das Gelingen von Trauerprozessen und nahmen damit die poetischen Einsichten von Johanna Mückain teilweise vorweg:

Wenn man den Schmerz über den Verlust verinnerliche und auf diese Weise wandle, dann sei die Trauer auf einem guten Weg, sagte Sochart-Damitz. Denn dann habe man den geliebten Menschen in sich aufbewahrt, sei – solange man lebe – in Beziehung zu ihm und könne sich zugleich dann auch wieder für das Leben, das einem im Außen begegne, öffnen.



 


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