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  Kultur
 
Von der Einsamkeit 1276 einzelner Handschuhe - 6.6.2018
Juliane Stiegele wirft mit ihrer Ausstellung im Schauraum existenzielle Fragen auf

 

(to) Dass Handschuhe uns im Winter vor Kälte schützen, weiß jeder. Dass sie, zumal wenn es sich um einzelne handelt, uns zu existenziellen Fragen inspirieren können – diese überraschende Einsicht vermittelt die Augsburger Künstlerin Juliane Stiegele seit vergangenem Freitag im Schauraum des Kulturvereins Provisorium mit ihrer Ausstellung „1276 Einsamkeiten“.

Darüber hinaus zeigte die Künstlerin, die auf Einladung des nn-institutes in Nürtingen ist,  auch eine Intervention im öffentlichen Raum. Ihr Langzeitprojekt, zu dem diese Ausstellung und Intervention gehört, nennt sich „utopia toolbox“. Mit diesem  beabsichtigt sie, mit den Mitteln der Kunst Menschen zu existenziellen Fragen ins Gespräch zu bringen.

Bei der Vernissage waren am Freitagabend zunächst 1276 einzelne Handschuhe zu sehen, die die Künstlerin im Laufe vieler Jahre auf Straßen und an Büschen gefunden und eingesammelt hat: von ganz kleinen, die möglicherweise aus einem Kinderwagen gefallen sind, über völlig verölte, lederne von Straßenbauarbeitern bis hin zu eleganten, die bis zum Ellenbogen reichen.

Diese vielfältige Kollektion hat sie auf dem Boden des Schauraums in Form einer Hand und farblich abgestimmt drapiert. Schon diese Installation allein ist ein ästhetischer Genuss. Doch die Absicht der Künstlerin führte weiter: Sie regte die Besucher auch zu Gesprächen über zwischenmenschliche  Beziehungen an.

Dabei stellten sich Fragen wie diese: Sind wir, wenn wir als Paar mit jemanden zusammenleben, wie zwei zusammengehörige Handschuhe, die nur dadurch unterschieden sind, dass der eine der linke, der andere der rechte ist? Oder: Sind wir, wenn wir ohne Partner leben, einem Handschuh vergleichbar, dem sein Gegenstück fehlt? Sind wir im letzteren Fall ständig auf der Suche nach unserer anderen Hälfte?

Solche Fragen beschäftigten, so Stiegele in ihrer kurzen Rede, bereits die alten Griechen: Platon habe den Mythos von den Kugelmenschen erfunden. In diesem führt der Philosoph durch den Mund des Komödiendichters Aristophanes aus, dass die Kugelmenschen zur Strafe für ihren Übermut von den Göttern, die sich dadurch bedroht fühlten, in zwei Hälften geschnitten wurden. Damit sei der Eros bzw. das erotische Begehren in die Welt gekommen, denn fortan würden die halbierten Kugeln sehnsüchtig und unentwegt nach ihrer anderen Hälfte suchen.

Dieser thematische Horizont war dann auch der Ausgangspunkt für die künstlerische Intervention am vergangenen Samstag: Stiegele zog, unterstützt von einigen Helfern, einen überdimensionierten einzelnen Handschuh mitten durch das Treiben des Nürtinger Wochenmarktes. Die Passanten waren nicht nur verwundert über diesen ungewöhnlichen Anblick, sondern wurden auch dazu befragt, ob sie schon einmal einen Handschuh verloren hätten. Davon ausgehend entspannen sich dann mitunter Gespräche über die die Einsamkeit beziehungsweise ihr positives Gegenstück, das Alleinsein.

Die Ausstellung „1276 Einsamkeiten“ ist noch bis zum 29. Juni im Schauraum, Heiligkreuzstraße 4, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags ab 21 Uhr.

 

 


 


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