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  Kultur
 
Der Dichter Nicolas Born und das Roßdorf - 18.2.2007

 

„Mich rührte fast der Schlag: Nürtingen! Das also ist Ihr schwäbisches Refugium. Da werden Sie mich bald sehen, denn Sie haben mich ja eingeladen, vorbeizuschauen, und ich tu’s.” Dies schrieb der Lektor des S. Fischer Verlag und nunmehrige Ehrenbürger der Stadt Nürtingen Peter Härtling an seinen Schriftstellerkollegen Nicolas Born, als dieser 1968 vom unruhigen Berlin ins ruhigere Nürtingen gezogen war. Nicolas Born lebte ein knappes Jahr im Roßdorf, in der Grünewaldstraße 22.

Auf dem Weg zu einer Tagung der „Gruppe 47" fuhren Nicolas Born und seine Frau Irmgard durch die schöne Landschaft der Schwäbischen Alb und beschlossen aufs Land zu ziehen. Die „Gruppe 47" gründete sich 1947, sie war ein Zusammenschluss von kritischen Autoren, die sich regelmäßig trafen, um sich Manuskripte vorzulesen und diese zu kritisieren. Sie war eine der wichtigsten literarischen Institutionen im Nachkriegsdeutschland.

Irmgard Born fand im Kirchheimer Kreiskrankenhaus eine Stelle und die Borns zogen in das neu entstehende Roßdorf. Die Wohnsituation war wie erwartet, vom großzügigen Balkon aus, blickte man in den Wald, doch Ruhe war nicht zu finden, denn das Roßdorf war eine einzige Baustelle. Born schrieb 1969 in einem Textentwurf: „Hier ist das Land flach aber weiter weg hügelig. Die Bauwagen. Es qualmt aus dünnen Rohren. Kaffeepause 15 Minuten. Die Fläche zum Wald hinunter ist mit Schlamm aufgeschüttet. Über den Brüstungen der Balkone hängt das Bettzeug. Stromleitungen, Vögel, Ich.”

Trotz des Baulärms und trotz der Probleme im neu entstehenden Stadtteil Roßdorf kam Born zum Schreiben. 1970 erschien sein zweiter Gedichtband unter dem Titel „Wo mir der Kopf steht”. In diesem Band setzt sich Born auch in zwei Texten mit seiner Lebenssituation in Nürtingen auseinander. Born war auch politisch aktiv. „Die Nürtinger SPD wollte Born sogar als Kandidaten für die Bundestagswahl von 1969 aufstellen. Schließlich entwarf er gemeinsam mit dem Schriftsetzer Alfred Hau ein Plakat und eine Broschüre für die Aktion Demokratischer Fortschritt, ein linkes (...) Wahlbündnis, das als Reaktion auf die Notstandsgesetze gegründet worden war.”

Von 1969-1970 weilte Born auf Einladung des International Writer´s Workshop der University of Iowa in den USA, wo er Bekanntschaft mit verschiedenen amerikanischen Größen der Literatur machte. Und hier endet zunächst auch die Beziehung Borns zum Nürtinger Stadtteil Roßdorf, die mit vielen Hoffnungen begann und dann doch überstürzt endete.

Dieses Ende war nicht vollständig, all die Jahre lagerte im Roßdorf noch in einer Nachbarwohnung eine Umzugskiste mit Materialien und Manuskripten, die im Sommer 2006 an die Tochter geschickt werden konnte. Und im gleichen Jahr erschien auch das Heft der Deutschen Schillergesellschaft in Marbach am Neckar, das sich mit der Zeit eines wichtigen Lyrikers der 60er und 70er Jahre in Nürtingen beschäftigt. Aus diesem lesenwerten Heft stammen auch die Zitate dieses Artikels: Katharina Born, Nicolas Borns Jahr in Nürtingen. „Flucht aufs Land”, Spuren 73, Deutsche Schillergesellschaft Marbach am Neckar 2006. Im März 2007 wird Katharina Born diesen Lebensabschnitts ihres Vaters in Nürtingen vorstellen.

Peter Rauscher

weitere Informationen zu Leben und Werk Nicolas Borns


 


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