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  Kultur
 
Ei der Heckschnärre für Otmar Braune - 13.2.2008

  (th)

An diesem Aschermittwoch erhielt Otmar Braune von der Nürtinger SPD das Ei der Heckschnärre mit dem Auftrag, es auszubrüten, damit der Nürtinger Vogel hier wieder heimisch wird.

Eingangs charakterisierte Bärbel Kehl-Maurer den Geehrten als unermüdlichen Kämpfer für den Einsatz der Solarenergie in Nürtingen.

Das Lob auf Otmar Braune wurde dann gesungen in einer Gesprächsrunde aus Ex-Oberbürgermeister Alfred Bachofer, dem Präsidenten der regionalen Handwerkskammer Rainer Reichhold und dem Aufsichtsratsmitglied der Nürtinger Stadtwerke Klaus Seeger, moderiert von Dr. Hans-Wolfgang Wetzel. Alfred Bachofer erinnerte sich noch gut an die ersten Begegnungen mit Otmar Braune, die er in rückblickender Milde als Streitgespräche bezeichnete. Für den damaligen OB waren Otmar Braunes Vorstellungen von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer lokalen Energieversorgung, mit der der Erderwärmung entgegengewirkt werden kann, Illusionen. Aber er erlebte, wie sich in der Auseinandersetzung daraus Visionen entwickelten, die schließlich in die Realität umgesetzt wurden. Als eine besondere Qualität von Otmar Braune bezeichnete er seine Fähigkeit das Thema Erderwärmung plastisch zu vermitteln. Zudem hat sein Einsatz indirekt dazu beigetragen, dass Nürtingen nicht der Versuchung erlegen ist, die Stadtwerke zu versilbern um kurzfristig reich zu werden. Die Forderung nach einer kostendeckenden Vergütung von Solarstrom durch die Stadtwerke wurde vom Gemeinderat unter Alfred Bachofers Vorsitz mehrheitlich abgelehnt. Stattdessen entstand aber ein Programm zur Unterstützung der energetischen Sanierung von Altbauten, das gut angenommen wurde. Selbst die Freien Wähler im Kreistag, denen Alfred Bachofer angehört, fordern inzwischen eine neue Energiepolitik des Kreises und haben sich für die Einrichtung des Energieberatungszentrums des Landkreises in Nürtingen stark gemacht.

Rainer Reichhold wunderte sich zunächst, dass er als ehemaliger Schüler an diesem Abend das Lob auf einen Lehrer anstimmte. Er erinnert sich, dass die ersten Vorträge von Otmar Braune nicht leicht zu verstehen waren, zudem die Energieversorgung unproblematisch war und Benzin, Öl und Strom vergleichsweise billig waren. Durch die Teilnahme an den Diskussionen des Nürtinger Energietisches erkannte er damals, dass die Installation von Photovoltaikanlagen und Kraftwärmekopplungsanlagen oder die Isolierung von Gebäuden eine gute Aufgabe für das regionale Handwerk sind. Eine der ersten Photovoltaikanlagen installierte er in jener Zeit, als man noch nicht von einer finanziellen Rendite dieser Stromerzeugung aus der unerschöpflichen Kraft der Sonne ausgehen konnte, auf dem Dach von Otmar Braunes Wohnhaus.

Für Klaus Seeger war die Entwicklung der Vision Solarstadt durch die Ortsgruppe des BUND unter Leitung von Otmar Braune ein Zeichen, dass sich bei diesem Thema endlich etwas in die richtige Richtung bewegt. Dabei wurden keine Horrorszenarien entworfen, sondern auf der Grundlage von Fakten und geprüften Aussagen Lösungsvorschläge erarbeitet, die Mut für die Energiewende machen. Seiner Ansicht nach könnten die Stadtwerke auf diesem Weg das Wärmecontracting ausweiten, Energie aus Holz und Biogas gewinnen und weitere Kraftwärmekopplungsanlagen einrichten.

Alle drei Gesprächsteilnehmer hielten eine Verpflichtung zur Nutzung von solarthermischen Anlagen durch Häuslesbauer, wie sie in Marburg eingeführt werden soll, nicht für den besten Weg, die Nutzung regenerativer Energieauellen auszuweiten. Stattdessen sollte das Ziel durch einen Sinneswandel der Bauherren erreicht werden, der durch Aufklärung, Energieberatung und das Vorbild der Stadt gefördert werden soll.

Nach der Überreichung des Objektes seiner zukünftigen Bemühungen machte Otmar Braune Schluss mit der Lobhudelei. Er setzte sich kritisch mit seiner Aufgabe auseinander. Wo sollte die Heckschnärre denn leben, wenn er Erfolg hätte? In den vergangenen 50 Jahren wurde mehr Landschaft verbaut, als in den 900 Jahren zuvor. Die restliche Flur wird intensiv von der Landwirtschaft genutzt und der Wald macht zwar einen recht natürlichen Eindruck, aber er ist krank und von Stürmen gebeutelt. Die Aufgabe diese Rahmenbedingungen zu ändern ist für einen alleine zu groß. Um die Heckschnärre bis zur 1000 Jahr-Feier in der Solarstadt Nürtingen wieder heimisch zu machen, stellte Otmar Braune daher eine Agenda 2046 mit 10 Punkten auf:
1. Schrumpfen statt wachsen. Eine sinkende Bevölkerung benötigt keine sich ausdehnende Stadt, stattdessen können Flächen frei werden, die als Heckschnärrenbiotope entwickelt werden. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt soll dazu ein funktionierendes Wirtschaftsmodell entwickeln. Für Wachstumsfetischisten bietet sich die Ausweitung der Photovoltaiknutzung auf den Dächern von Nürtingen als Überlebensnische an.
2. Energie arbeitslos machen, nicht die Menschen. Deshalb den Ressourcenverbrauch anstelle der Einkommen besteuern.
3. Manager und Politiker für Fehlentscheidungen, vor denen sie gewarnt wurden, haftbar machen. Als erstes müssten daher die verantwortlichen Kommunalpolitiker die brachliegenden Gewerbeflächen in der Bachhalde mit Photvoltaikanlagen ausstatten. Der gewonnene Strom wird kinderreichen Familien zur Verfügung gestellt und zwischen den Photvoltaikanlagen kann die Heckschnärre brüten.
4. Nach dem Motto erst kommt das Fressen und dann der Arbeitsplatz sind Ackerböden vor der Inanspruchnahme für Gewerbegebiete zu schützen. Wer sich daran vergreift wird mit mindestens einer Woche Fasten bestraft.
5. Maut statt Gewerbesteuer. So könnte Nürtingen von dem Durchgangsverkehr nach Metzingen profitieren.
6. Die Stadtwerke fusionieren mit Solarkomplex, das Kommunen komplett auf Versorgung aus regenerativen Energien umstellen will.
Die Punkte 7 bis 9 sind noch von einem Bürgerforum zu entwickeln.
10. Um die globalen Rahmenbedingungen für diese lokale Entwicklung zu schaffen wird eine Weltregierung aus Heckschnärreneierbrütern eingesetzt:
Präsident: Wolfgang Ischinger (Botschafter);
Justizminister: Guido Wolf (dichtender Landrat von Tuttlingen und Ex-Bürgermeister von Nürtingen);
Innenminister: Lothar Neitzel (Ex-Polizeichef, FDP);
Ministerin für Abrüstung und Frieden: Rose Steinbuch (AK Friedenswochen)
Minister für Stadtplanung u. Altbausanierung: Dr Siegfried Haag (Architekt) und Werner Mehlhorn (Altstadtsanierer);
Minister für Natur- und Umweltschutz: Roland Appl NaBu), Robert Bauer, Walter Wahl (SAV);
Minister für Bildung und Erziehung: Julia Rieger und Pit Lohse (Trägerverein Freies Kinderhaus);
Minister für direkte Demokratie: Hannes Wezel (Bürgertreff);
Ministerinnen für Soziales: Ruth Rau und Johanna Herpich;
Kunst und Kulturminister: Peter Härtling (Schriftsteller);
Minister für Archäologie und Denkmalschutz: Erwin Beck (Schwäbischer Heimatbund);
Gesundheitsminister: Dr. Ulrich Schweitzer;
Ministerin für Sport und Bewegung: Rose Lorch;
Ministerin für das Zusammenleben der Kulturen: Ruhsar Aydogan;
Ministerinnen für Entwicklung und Welthandel: Das Frauenteam vom Weltladen;
Minister für die Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit: Jürgen Gerrman (Redakteur).

Damit schloss Otmar Braune den Reigen der Redner, den Helmut Nauendorf eröffnet hatte. Auch er hatte sich Gedanken über das Revier der Heckschnärre gemacht und dabei den Flächenverbrauch seit dem Kriegsende verteidigt. Von 1945 bis 1958 habe sich die Einwohnerzahl Nürtingens immerhin auf 20.000 verdoppelt. Die Globalisierung stelle weitere Anforderungen und so dürfe man ein Gewerbegebiet im Großen Forst nicht von vornherein ausschließen.

Oberbürgermeister Otmar Heirich war zwar nur als Ehrengast, nicht als Redner geladen, was ihn aber nicht daran hinderte durch launige Zwischenbemerkungen auf sich aufmerksam zu machen.

Umrahmt und musikalisch eingebettet wurden all diese bedenkenswerten Worte von der Band BrassWood unter der Leitung von Reinmar Wipper, die an diesem Abend erstmals öffentlich auftrat und sich mit tollen Big Band-Arrangements für weitere Engagements empfahl.

 


 


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