Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Foto der Woche

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Kinderzeitung
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Kultur
 
Buchvorstellung: Amol ebbes anders - 13.12.2008
Nürtingen 68 und die bewegten 70er-Jahre

  (sm)


Es war gleichzeitig eine Buchvorstellung und eine Vorstellung der Vergangenheit. Schon beim Betreten des kleinen Sitzungssaales im Rathaus rochen wir Patchouli. Dieser Duft war damals einfach in und stellte jetzt gleich die Verbindung zu der Zeit um 1968 her. Damit wurde zwar das Rauchverbot im Rathaus umgangen, wie amüsiert festgestellt wurde, doch ist es laut Gesetzeslage auch nicht eindeutig erkennbar, ob auch das Räuchern unter dieses Verbot fällt. Mit der "Original-Flüstertüte" als Relikt der letzten damaligen Demonstration eröffnete Hannes Wezel die Gesprächsrunde und präsentierte gleich noch eine Mao-Bibel, die für die Politrichtung stand, in der die Rebellen der 60/70er Jahre allgemein gesehen wurden. Doch wie ein Teil der 32 Autoren so nach und nach berichteten, waren es andere Gründe, welche die jungen Menschen dieser Zeit dazu brachten, gegen das „Establishment“ aufzubegehren.
Zuerst wurde ein kurzer Abriss der politischen Zeitgeschichte gegeben, dann stellte sich der Verleger Peter Sindlinger als „Büchermacher“ vor, eine originelle Formulierung.
Der Jugendclub, über den Gerdi Haug berichtete, entstand, weil es in Nürtingen Mitte der 60er Jahre für Jugendliche außerhalb der Vereine keine Zusammenkunftsmöglichkeit gab. Zuerst traf man sich in Kindergärten und Nebenräumen von Gaststätten. Dann schließlich fanden sich zwei Räume im alten und unvergessenen, aber um 1970 leider abgerissenen Steinernen Bau als längeres Domizil. In Eigenregie, ohne behördliche Aufsicht oder Einmischung kam man dort zusammen zu Diskussionen, Vorträgen und Rollenspielen, mit der Freiheit des Denkens, sowie Musik und Tanz; und es funktionierte gut.
Eine große Rolle bei der 68er Revolte spielten natürlich die Studenten. Einige von ihnen, die damals in oder um Nürtingen studierten, arbeiteten oder wohnten, erzählten bei der Buchvorstellung aus ihren Erinnerungen, wie das Weltgeschehen, z.B. der Besuch des autoritären Schah von Persien und der Vietnamkrieg, die innenpolitischen Themen wie Notstandgesetzgebung und Totalverschweigen der Nazi-Zeit, die vor allem die jungen Menschen bewegte. Über große Universitätsstädte wie Tübingen kam das Wissen über die bestehenden Machtverhältnisse und die Medienbeeinflussung, allen voran durch die absolut obrigkeitshörige BILD-Zeitung, zu uns in die doch etwas verschlafenere Kleinstadt.
Zu Wort kam unter anderen der erste Lehrer in Jeanshosen, was damals ein fürchterlicher Eklat war, der die Schüler „infizierte“,  sowie Mitglieder des damaligen ASTA, die am Vietnam-Kongress in Berlin teilgenommen hatten. Darunter waren vor allem auch mehrere Theologiestudenten, was die Wahrnehmung als „alles Kommunisten“ widerlegt und eher für ein soziales Gewissen als Beweggrund der rebellierenden Jugend spricht. Dieses Gewissen und ein soziales Verhalten ist auch, wie ein Mitstreiter erläutert, ein heutiger großer Mangel.
Erzählt wurde auch darüber, wie sich durch die Aufstände das Verhältnis der älteren Einwohner zu den Studenten veränderte; wo es zuvor noch eine Wärmflasche im Winter gab, herrschte dann Eiszeit: „studieren auf unsere Kosten“, „sollen erst mal arbeiten lernen“ usw. waren Sätze, die damals häufig fielen. Noch mit am gutmütigsten war dann doch jener Mesner, der einem ebenfalls aufmüpfigen Jungtheologen nach der dementsprechenden Predigt bescheinigte, dass des halt „Amol ebbes anders“ war. Köstlich war der Beitrag von Christa Schimpf, die damals als Krankenschwester die ersten Zivildienstleistenden im Krankenhaus erlebte. Auch nach Indien trieb es einige der nach anderen Wegen Suchenden, wie uns Frau Lüdert erzählte. Ihre und alle anderen Geschichten sind im Buch nachzulesen, ebenso die Geschichte der Nürtinger STATTzeitung, deren Wurzeln aus dieser Zeit stammen.
Nicht alle der anwesenden Mitautoren konnten zu Wort kommen, die eingeplante Zeit war schnell überschritten. Die Freude der Mitwirkenden an dem Geschichtswerk wurde gut rübergebracht. Selbst nach Ende der Gesprächsrunde wollten sich die Autoren noch nicht trennen und tauschten im Bürgertreff noch weiter Erinnerungen aus.
Das Buch „Amol ebbes anders“ haben 32 Autoren in 11 Kapiteln auf 200 Seiten zusammengestellt. Es wird im Nürtinger Buchhandel vertrieben, kostet 14,20 Euro, und ist auch im Bürgertreff erhältlich.


 


Anzeigen




Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung