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  Kultur
 
Islamischer Antisemitismus - 8.10.2009
Wurzeln und Auswirkungen

 

(EW)

Die Volkshochschule Nürtingen hatte in Zusammenarbeit mit der Asylbeauftragten des evangelischen Kirchenbezirks, dem Arbeitskreis Asyl, dem Stadtjugendring-Netzwerk und der Jugendarbeit e. V. am Donnerstag, den 9. Juli den Berufsschullehrer, Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Matthias Küntzel aus Hamburg in die Glashalle des Rathauses zu einem Vortrag eingeladen.

Zu Beginn wies der Referent vor den etwa 40 Zuhörern darauf hin, dass der Antisemitismus durchaus auch christliche Wurzeln hat. Eine umfangreiche Studie des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2007 bestätige aber, dass bei jungen Muslimen erheblich häufiger antisemitische Haltungen festzustellen seien als unter nichtmuslimischen Migranten oder einheimischen Nichtmuslimen.

Es sei ein falscher Glaube, den islamischen Antisemitismus (diesen eingeführten Begriff behielt Küntzel bei und sprach deshalb nicht politisch korrekt von „Antijudaismus“) allein mit dem Nahost-Konflikt als Auslöser in Verbindung zu bringen. Die Wurzeln lägen tiefer, nämlich in der Frühzeit des Islam. Hätte Mohammed am Anfang seines Wirkens von den Juden noch als „den Kronzeugen Gottes“ gesprochen, so tauchten in dem nach Mohammed verfassten heiligen Buch des Koran judenfeindliche Stellen auf, wie etwa in Sure 5, wo die Juden mit Affen und Schweinen gleichgesetzt werden. Im Mittelalter seien dann die Juden auf christlicher Seite als “dunkle Instanz“ gefürchtet gewesen, die man bei der Großen Pest als „Brunnenvergifter“ beschuldigte. Da „die Juden“ nach biblischer Aussage den Sohn Gottes getötet hatten, wurde der Kampf gegen sie geradezu „heilsnotwendig“. Vor dem 1. Weltkrieg erschien mit den „Protokollen der Weisen von Zion“ im Zarenreich ein bei Antisemiten aller Couleur bis heute noch verbreitetes Pamphlet, das die jüdische Weltverschwörung angeblich beweise. Des Weiteren werde der „jüdische Kapitalismus“ als übermächtige Bedrohung betrachtet. Auf diesem Wege seien frühislamischer Antisemitismus und die Vorstellung von der jüdischen Weltverschwörung bis heute eine enge Verbindung eingegangen. So stehe in der Charta der Hamas auch der Satz, dass es auf der Welt keinen Krieg gebe, bei dem die Juden nicht ihre Finger im Spiel hätten. Im Dritten Reich verbreitete Radio Zeesen, ein in der Nähe von Berlin betriebener Kurzwellensender, dieses Gedankengut täglich bis in den arabischen Raum hinein. Ein aufmerksamer Hörer sei auch der spätere iranische Revolutionsführer Ayatollah Chomeini gewesen. Im 2. Weltkrieg gehörte der Mufti von Jerusalem zu den Hitlers Verbündeten. Mit seiner Unterstützung wurde auf dem Balkan sogar eine muslimische Division der Waffen-SS aufgestellt. Auf diesem Hintergrund, so die These von Küntzel, sei der islamische Antisemitismus schon vor der Proklamation des Staates Israel entstanden. Die Feindschaft gegen Israel habe sich nach 1945 im arabischen Raum, z. B. in Ägypten unter Gamal Abdel Nasser und unter dem Einfluss der fundamentalistischen Muslimbruderschaft, weiter ausbreiten können. Der Staat Israel, dessen jeweilige Politik im Land selbst von jüdischer Seite der Kritik ausgesetzt sei, werde in seinem Existenzrecht bedroht. Wenn nach der Ideologie radikaler islamistischer Kräfte der Kampf gegen Israel mit dem Kampf gegen das Böse gleichzusetzen sei, dann trage dieser Kampf Züge eines „Erlösungs-Antisemitismus“ (Zitat des Historikers Saul Friedländer). Islamistische Fernsehkanäle wie der Hisbollah-Sender „al Manar“ oder der Hamas-Sender „al Aqsa“ verbreiteten dieses Gedankengut selbst in Kinderprogrammen bis in Kinderzimmer in Deutschland hinein. Der Hass auf den Staat Israel werde zunehmend gesellschaftsfähig. Gegen diese Art von Antisemitismus müsse die Bundesregierung deutlicher Stellung beziehen, forderte Küntzel.

In der anschließenden Diskussion ging es ergänzend zum Vortrag um die Rolle von Hass-Predigern in Moscheen, wobei Küntzel betonte, dass es Moscheen verschiedener Richtungen gebe. Abschließend kam die Rolle gemäßigter Muslime zur Sprache, deren Einfluss allerdings nach Küntzels Einschätzung begrenzt sei, obwohl es in islamisch geprägten Ländern wie Pakistan und der Türkei auch schon Frauen an der Spitze des Staates gegeben habe.


 


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