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  Kultur
 
Fair gehandeltes Ei der Heckschnärre - 19.2.2010

 

(si) Einen ersten Eindruck von den Gründen, die zur Verleihung des Heckschnärre-Eis an Dr. Uschi Eid geführt haben, bekamen die etwa 150 Anwesenden durch den Filmeinspieler einer Rede der Preisträgerin im Nürtinger Weltladen über die Wichtigkeit des fairen Handels. Erst danach wurden anwesende Honoratioren und Gäste durch die stellvertretende SPD-Ortsvereins-Vorsitzende Bärbel Kehl-Maurer in der Kreuzkirche begrüßt.

In einem lyrischen Vortrag über „Das Ei der Heckschnärre“ stellte Hans-Wolfgang Wetzel die typischen Eigenschaften des legendären Vogels dar, der sich vor allem durch mutige Verteidigung des Nestes auszeichnet. Entsprechend werde das Ei der Heckschnärre nur an Menschen verliehen, die sich ebenso durch ihren Kampf für ihr Revier, sprich: die Stadt und die Menschen, die in ihr leben, sowie für ihre Ideen einsetzten: „Für aufrechte Männer und Frauen das Heckschnärre-Ei ist gemacht.“

Stellvertretend für den erkrankten Winfried Kretschmann hielt Franz Untersteller, Landtagsabgeordneter der „Grünen“ und langjähriger Wegbegleiter der Preisträgerin („Ich kenne dich länger als meine Frau“) die Laudatio.

Die Wurzeln von Uschi Eid liegen nicht im Schwäbischen, sondern in der Gemeinde Zeiskam in der Pfalz, wo sie als Protestantin vom katholischen Ortspfarrer ermuntert das katholische Gymnasium besuchte. Sie studierte an der Uni Hohenheim Haushaltswissenschaft und lernte dort die ersten späteren politischen Wegbegleiter kennen, wie Winfried Kretschmann. Der Putsch in Chile kennzeichnete den Beginn von Uschi Eids politischem Engagement, sie war Gründungsmitglied des Chile-Komitees. Drei Wochen nach der Parteigründung wurde sie Mitglied der Grünen, auch wenn sie von Anfang an nicht vor Kritik an der Partei zurückschreckte, die sie für zu „eurozentrisch“ hielt.

Ihr besonderes Engagement galt der 3. Welt und vor allem Afrika. Sie war aktiv in der Anti-Apartheid-Bewegung und nutzte die Bundestags-freie Zeit zwischen 1990 und 1994, um für die deutsche Ausgleichsbank nach Eritrea zu gehen. Insgesamt war sie 20 Jahre lang Mitglied des Deutschen Bundestages, von 1985 bis 1990 und von 1994 bis 2009. Für die letzte Wahl wurde ihr ein aussichtsreicher Platz auf der Grünen-Landesliste verwehrt. Unter der rot-grünen Bundesregierung war sie von 1998 bis 2005 parlamentarische Staatsekretärin bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von 2001 bis 2005 G8-Afrika-Beauftragte des Bundeskanzlers, von dem sie sich nach eigener Aussage verstanden fühlte.

Kennzeichnend für Uschi Eid bei allem, was sie tut, seien vor allem Leidenschaft, Beharrlichkeit und Augenmaß. Ihr Ziel bei der entwicklungspolitischen Arbeit sei stets Hilfe zur Selbsthilfe gewesen, Förderung der Selbstverantwortlichkeit statt „mehr Geld für die 3. Welt“. Auch sei es ihr immer ein Anliegen gewesen, ehrenamtliches Engagement nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch zu würdigen und zu unterstützen. Bei der anschließenden Ei-Verleihung wurden vor allem die Parallelen zwischen Uschi Eid und der Heckschnärre dargestellt, die zur Entscheidung der Ei-Komission geführt hat. Entschlossen habe sie ihr Revier verteidigt, das die Komission als das Menschliche und die Solidarität mit Schwachen identifizierte, sowie den Schutz der Umwelt. Da beiden, Zugvogel und Preisträgerin, ein Hang zu Afrika gemeinsam sei, wich das traditionell marmorierte Aussehen des Heckschnärre-Eis dieses Jahr ab und wies eine afrikanische Musterung auf.

In ihrer eigenen Rede berichtete Uschi Eid von ihren Bedenken, den Preis anzunehmen, da der Termin Aschermittwoch für sie mit Büttenreden und verbalen Pauschalangriffen auf politische Gegner assoziiert sei, ihr aber keines von beidem liege. Ihr Prinzip sowohl in Bundes- wie Entwicklungspolitik sei immer gewesen, Probleme gemeinsam zu lösen, nicht gegeneinander, auch über Partei-, Landes- und Wirtschaftsgrenzen hinaus, eine Begegnung aller Beteiligten als Partner auf gleicher Augenhöhe. Genauso lehne sie Paternalismus ab, insbesondere das Auftreten der Industrieländer als „Wohltäter“ gegenüber den Entwicklungsländern. Für sie müsse die „Würde der eigenen Tat“ im Mittelpunkt von Entwicklungsförderung stehen, wie es die Weltläden und der Fair Trade praktizierten. Für beide warb sie eindringlich.

Sie erzählte von persönlich einschneidenden Erfahrungen in Krisengebieten der Welt, wie z.B. Ruanda, die dazu führten, dass sie von ihrem Credo „Nie wieder Krieg“ abrückte und militärisches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in Krisengebieten befürwortete.

Authentizität sei ihr wichtig. An diesem Aschermittwoch-Abend in der Kreuzkirche trat Uschi Eid authentisch als bodenständiger und gleichzeitig idealistischer Mensch auf, dem die Verwirklichung von Ideen wichtiger ist als persönliches Prestige. Sie sagte von sich selbst, dass sie „manchmal eine Zumutung“ sei, was mit zu ihrer politischen Durchsetzungskraft beigetragen haben mag. An diesem Abend war sie es mit Sicherheit nicht.

Zwischen den Redebeiträgen begeisterte die siebenköpfige Trommelgruppe Marcel Mbamba & Kiiki Ndjembe mit afrikanischen Rhythmen, Schwung und Lebensfreude und brachte sogar die Anwesenden zum Mitmachen. Im Anschluss an die Verleihung erwarteten die „Fischfrauen“ hungrige Gäste zum traditionellen Fischessen im Obergeschoss der Kreuzkirche.

Buchempfehlungen von Uschi Eid, die auch Aufsätze von ihr selbst enthalten:

Martensen, Sten und Marion Uhrig-Lammersen (Hrsg.). Das war's!: Was Abgeordnete so alles (üb)erleben. B & S Siebenhaar, 2009. ISBN 978-3936962086. 16,80 €.

Köhler, Horst (Hrsg.). Schicksal Afrika. Rowohlt Tb. ISBN 978-3-499-62644-9. 12,00 €. Das Buch erscheint voraussichtlich im Juni 2010.


 


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