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Kapitel 1
 

Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg saß hinter seinem Büroschreibtisch, rührte melancholisch in einer Kaffeetasse und schielte an seiner langen Nase entlang auf eine Butterbrezel, die appetitlich duftend auf einem Hahn-und-Henneteller ihrem unvermeidlichen Schicksal entgegensah. Hermann Kasper hob seufzend die obere Brezelhälfte hoch, bedachte die hauchdünne Butterschicht mit einem leichten Stirnrunzeln und drückte kurz entschlossen einen Knopf. Prompt erschien Büroassistentin Kunkel, eine gut erhaltene, ernsthafte und ungeheuer tüchtige Mitarbeiterin, die er von seinem verehrten Vorgänger übernommen hatte und auf die er inzwischen ebenfalls große Stücke hielt. Nur diese Brezel heute... Mit einer flatternden Handbewegung winkte er sie näher. „Nun sehen Sie sich das mal an, Frau Kunkel“, Hermann Kasper wies mit spitzem Finger auf die Brezel. „Die ist heute aber wirklich äußerst sparsam bestrichen.“ Ein krampfhaftes Lächeln verzog seine schmalen Lippen, doch sein Blick blieb streng. Stolz erstrahlte Frau Kunkels hageres Gesicht unter den akkurat zementierten grauen Betonlocken, als sie sich über das Laugengebäck beugte. In Verbindung mit ihrer Frisur verliehen ihr die frohlockend bebenden Hängebäckchen eine leicht peinliche Ähnlichkeit mit Queen Elizabeth, wie Kasper in einem Anflug von Schadenfreude insgeheim feststellte. „Ja gell, Chef, da isch koi Gramm zuviel drauf!“ Sie sah triumphierend auf und erstarrte jäh, als ein vorwurfsvoller Blick sie traf. „Um es kurz zu machen, Frau Kunkel, die gestrige Brezel war schön dick mit Butter bestrichen und ganz genauso möchte ich alle meine künftigen Brezeln haben, knusprig braun mit schlanken Ärmchen und untenrum dick und gut gebuttert, denn die Brezel ist ein wichtiges Kulturgut, mehr als Ihnen bewusst ist. Haben wir uns verstanden?“ Frau Kunkel wurde eisig. „Die gestrige Brezel war die badische, die heut isch württembergisch, genau nach Ihrer Anweisung. I han älles richtig gmacht.“ Kaspers Nase zuckte irritiert. „Wie bitte?“ „Na ja, die leidige Sach mit dem Prinz von Baden. Und die Karlsruher Landesbibliothek und so? Dass wir aus paritätischen Gründen abwechseln müssen, weil sonst das Land gespalten wird, wenn nur württembergische Brezeln...“ Kasper war aufgesprungen, offensichtlich hatte er die Fassung verloren. Seine Nase hackte gefährlich in Frau Kunkels Richtung und sie fuhr entsetzt zurück. „Des interessiert mich doch jetzt alles nicht mehr! Schnee von gestern! Ich will Butter! BUTTER!“ Frau Kunkels Hände zitterten. „Aber die Butter wird immer teurer! Das Land...“ Kasper ließ sich erschöpft auf seinen Stuhl fallen. „Frau Kunkel, ich sage dies nur noch ein einziges Mal: Ich wünsche künftig dick gebutterte Brezeln, in dem Fall ischt mir auch die prekäre Finanzsituation des Ländles wurscht. Stuttgart 21 wird nicht an meiner Butterbrezel scheitern. Verstanden?“ Er lächelte zufrieden, als die Assistentin ergeben den Kopf senkte. Endlich war es ihm wieder einmal gelungen, sie zur Strecke zu bringen.

„So und jetzt holen Sie mir bitte zuerst aus dem Tresor die Mappe mit den „Akte-B“-Unterlagen und dann schicken Sie mir den Herrn – wie heißt er noch? – Gsälzle.“ Seine lange knochige Hand klopfte ungeduldig auf ein dickes Dossier mit dem Titel „Robert Gsälzle. Streng vertraulich“.

Wer ist Robert Gsälze? Ist die Brezelkrise wirklich beigelegt? Was plant die Landesregierung? Droht etwa Baden-Württemberg im Chaos zu versinken?
Näheres demnächst im 2. Kapitel.


 


 


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