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Kapitel 3
 

„Nach Borkum ?“, echote Gsälzle ratlos und ruckte mit dem im Verhältnis zu seinem zarten Körperlein viel zu großen Kopf. Eine Haarsträhne stürzte ab und baumelte nun vor seinem rechten Ohr. „Nach Borkum.“ Kasper lehnte sich zurück, faltete die Hände vor dem Bauch und genoss für einen Moment Gsälzles Verwirrung. „Borkum isch doch eine Urlaubsinsel in der Nordsee, oder?“ Kaspers eisblaue Augen fixierten sein Gegenüber kalt. „Nun, ich versichere Ihnen, dies wird keine Urlaubsreise werden. Im Wesentlichen geht es darum, mir – äh – der Landesregierung ein verschollenes altes Schriftstück wieder zu beschaffen.“ „Ein Schriftstück?“ „Ein Rezept.“ „Ein Rezept?“ „Ein Brezelrezept. DAS Brezelrezept. Die Originalanleitung zum Backen einer schwäbischen Laugenbrezel.“

Gsälzle pappte sich verdrießlich die herabhängende Strähne auf den Schädel. „Also wenn des jetzt ein Scherz sein soll... Ich fühl mich langsam wirklich...“ Kasper unterbrach ihn schroff. “Schweigen Sie und hören Sie mir zu. Kennen Sie die Geschichte des Bäckers von Urach?“ „Noi.“

„Nun, dieser Bäcker namens Frieder – laut meiner umfangreichen Recherchen übrigens einer meiner Vorfahren – stand im Dienste des Grafen Eberhard. Im Jahr 1477 verurteilte dieser ihn zum Tode, warum tut hier nichts zur Sache. Man wollte ihn jedoch verschonen, falls es ihm gelänge, ein Backwerk herzustellen, durch welches dreimal die Sonne hindurchschiene. So, mein guter Gsälzle, wurde die Brezel geboren. Versehentlich fielen die Teigrohlinge in eine Reinigungslauge, Frieder holte sie heraus und buk sie trotzdem, auf diese Weise entstand die Laugenbrezel.“ Ein selbstgefälliges Grinsen umspielte Kaspers dünne Lippen. „Leider verschärften sich die Differenzen mit dem wohl etwas exzentrischen Grafen, so dass sich der Bäcker schließlich genötigt sah, bei Nacht und Nebel die Flucht anzutreten. Besagtes Rezept führte er mit sich. Tatsache ist“, er seufzte bedauernd, „die Brezel, wie wir sie heute verspeisen, ist nichts als ein billiges Imitat, eine Improvisation. Wir kennen weder die genauen Bestandteile des Originalteiges, noch die Zusammensetzung der Lauge.“

„Aber, i moin, die schmecket doch ganz gut, die Brezeln. Warum isch des denn so wichtig, des Originalrezept?“ „Gsälzle, hier geht es um eines der grundlegenden Kulturgüter Baden-Württembergs, die zu bewahren ich mir zur Aufgabe gemacht habe. Dies ist keineswegs nur eine Familienangelegenheit oder gar persönliche Eitelkeit. Ich bin wie mein Urahne ein bescheidener Mensch. Aber keinesfalls“, Kaspers Finger umkrallten die Schreibtischkante, „niemals werde ich zulassen, dass womöglich die Bayern oder sonst wer die Brezel für sich beansprucht. Außerdem habe ich schon einige Ideen, wie sich das Rezept lukrativ vermarkten ließe...“

Gsälzle nickte verständnisvoll. „Dann hat also der Bäcker des Rezept auf der Insel versteckt.“ Kasper ließ betrübt das Kinn auf die Brust sinken.“Das Schiff, mit welchem Frieder nach England fliehen wollte, lief bei Sturm vor Borkum auf Grund, es gab den Quellen zufolge keine Überlebenden. Aber da in solchen Fällen die Inselbewohner die Wracks auszuplündern pflegten, könnte sich das Rezept auf der Insel befinden.“ „Es könnte aber auch verloren gegangen sein.“ Der Ministerpräsident erhob sich abrupt. „Ich bin sicher, sie werden es herausfinden. Ich verlasse mich auf Sie, Ihre Verschwiegenheit setze ich voraus. Die Reiseunterlagen erhalten Sie von Frau Kunkel, sie hat schon alles für Sie gebucht. Ach ja, bevor ich’s vergesse, in Karlsruhe steigt noch ein Kollege zu, der Parität wegen. Sie müssen diese Mission also nicht alleine durchführen“,
Kasper brachte sogar ein halbwegs verschmitztes Zwinkern zustande.

„Und jetzedle entschuldigen Sie mich bitte, ich habe noch ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche einzuweihen, auch so ein wachsendes Problem in unserem Land.“ Ein kurzer Händedruck und Kasper enteilte Richtung Tür. Dort drehte er sich noch einmal um und bleckte seine spitzen Zähne. „Das Blöde ist halt, es kommt kein Krieg mehr.“

Fortsetzung folgt...


 


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