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Kapitel 11
 

„Ihre Eskapaden sind schuld, dass wir noch kein Stück weiter gekommen sind.“, schmatzte Schleckslis und klatschte sich eine Handvoll Lyonerscheiben auf sein Frühstücksbrötchen.
Gsälzle verzog leidend den schmallippigen Mund. „Ekelhaft, wie Sie esset...Außerdem, ich wollt oifach bloß ins Museum und net...“ In Schleckslis’ Mund verschwand ein hart gekochtes Ei. „Schissdreck!“, würgte er hervor und gelbe und weiße Bröckchen regneten auf Gsälzles Honigbrot herab. „Schauen Sie doch noch mal in die Unterlagen.“
Peinlich berührt äugte Gsälzle zum Nebentisch. Doch der bayerische Gast schien nach wie vor in die Zeitung vertieft, zwirbelte seinen ockergelben Bart und streichelte ab und zu gedankenverloren den Griff seines  Spazierstocks.
Der Schwabe entnahm der Innentasche seines Sakkos einen Umschlag.
„Wir wissen nur, dass der Brezelbäcker 1480 auf der Flucht war, unterwegs mit dem Schiff nach England. Dieses Schiff lief vor Borkum auf  einer Sandbank auf und wurde von Strandräubern geplündert. Davon lebte hier, scheints, ein Großteil der Bewohner. Im Heimatmuseum muss es dazu Unterlagen geben, deshalb müssen wir da heute endlich hin!“
Beim letzten Satz nahm Gsälzles Stimme wieder ihren blechernen Ton an. Ein verhaltenes Lachen ließ ihn misstrauisch herumfahren. Herr Schweinshofer hielt eine Brezel empor.
„Jo mei, dös is fei a Brezn! So hom’s die Bayern erfunden und genauso muss sie schmecken!”
Er nickte Gsälzle frohgemut zu und unter dem Schnauzer erschienen zwei Reihen großer, ebenfalls ockergelber Zähne und bissen der Brezel ein Ärmchen ab.
Gsälzle runzelte unwillig die Stirn. „Es gibt einen Unterschied zwischen der bayerischen Brezel und der...AU!“ Seine schmalen Äuglein schossen blaue Zornesblitze auf den Badener, dessen unterirdischer Tritt ans Schienbein einen höllischen Schmerz durch sein zartes Knochengerüst jagte.
„Da hört man ja tolle Sachen beim Bäcker“, Frau Akkermann betrat den Raum, beladen mit einem Tablett. „Gestern Nachmittag wurden in einem alten Bunker zwei merkwürdig sprechende Individuen in Unterwäsche aufgegriffen.“ Schweinshofer brach in bellendes Gelächter aus. „Jo mei, Sochn gibt’s!“ Gsälzles Ohren begannen rot zu leuchten. „Das ist überhaupt nicht komisch.Vielleicht wurden  diese armen Menschen überfallen und ausgeplündert. Hier soll es doch Strandräuber geben.“
„Die letzten wurden vor hundertfünfzig Jahren gehängt.“ Frau Akkermann stellte das Tablett ab und legte für einen Moment beruhigend ihre Hand auf Gsälzles Arm. Seine Ohren erglühten in Alarmstufe Rot. Als sie sich wieder abwandte, beugte sich Schleckslis vor und flüsterte neidvoll: „Kann des sii, dass die große Blonde auf Sie steht?“
Gsälzle schluckte. „Also i wois net...“

Die beiden Herren brachen auf, wurden jedoch vor der Haustüre von Herrn Schweinshofer eingeholt, der mit Gamsbart und Wanderstock, diesmal mit üppig verzierten Griffstück, ausgerüstet war. „Fahren wir zusammen in die Stadt mit dem Zug?“ Der Stock wies nach links. Gsälzle winkte ab. „Das ist ja wie Schifffahren. Wir nehmen den Bus.“
Der Bayer grüßte und sie blickten ihm nach, wie er zügig und kraftvoll ausschreitend den Weg zum Bahnhof einschlug. „Netter Mensch“, meinte Schleckslis, „irgendwie sind die Bayern freundlicher als die meisten anderen, beispielsweise die Schwaben.“
Gsälzle kaute nachdenklich an seiner Unterlippe. „Mir ist er trotzdem unsympathisch.“
Schleckslis seufzte. „Ihnen sind alle netten Menschen unsympathisch, weil Sie ein geborener Sauertopf sind.“

Nach zehn Minuten Fahrt erreichte der Bus das Heimatmuseum „Dykhus“.

„Was soll denn das für ein Zaun sein?“ Schleckslis betastete die knöchernen, unregelmäßigen Bauteile, die das Museum umgaben. Gsälzle blätterte in einem Prospekt. „Das sind Walkinnladen.“
„Wie viele Wale die wohl so im Jahr aufgegessen haben?“, Schleckslis ließ beeindruckt den Blick schweifen. „Aber was liegt denn da?“ Er spreizte seine Säulenbeine und ging ächzend im Zeitlupentempo in die Hocke, mit einer Hand den Bauch abstützend. Mit der anderen hielt er Gsälzle etwas golden Glänzendes entgegen. Der Schwabe betrachtete den Gegenstand eingehend. Eine goldumrandete, gebogene Spazierstock-Plakette mit einer Königskrone. In der Mitte prangte ein Bild mit der Aufschrift „Schloss Neuschwanstein“.

Fortsetzung folgt


 


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