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Kapitel 14
 

„Heute sind Sie aber spät dran!“ Frau Ackermann schielte kritisch über ihren Brillenrand auf die beiden Gäste, die am halb abgeräumten Tisch Platz genommen hatten. „Üblicherweise gibt’s um diese Zeit kein Frühstück mehr.“ Ihr Blick wurde jedoch wieder weich, als er auf den schwer angeschlagenen Gsälzle fiel, der dünn,still und angegilbt auf dem Stuhl kauerte.
„Ich hab meinen Kollegen ewig nit wach gebracht.“ Schleckslis bedachte Gsälzle mit einem gönnerhaften Klaps. „Der sauft sonst nie!“ Frau Ackermann verschwand in der Küche und erschien wieder mit einem beladenen Tablett.
„... unser Museumswärter hat heute früh beim Bäcker erzählt, wie er zwei Ihrer Landsleute aus dem Museum werfen musste, weil sie sich an der alten Gerichtschronik zu schaffen machten. Also Sachen gibt’s... als ob die da unten keine alten Bücher hätten!“ Die beiden Herren warfen sich betretene Blicke zu und schlürften eilig und schweigend ihren Kaffee.
„Dass sich hier alles so schnell rumspricht.“ , brummelte Schleckslis, während sie die Treppe hinaufschnauften. Im Gang standen die Türen der Nachbarzimmer halb offen, anscheinend war schon jemand am Saubermachen.
„Da steht ja mein Käferkoffer!“, stellte Gsälzle besorgt fest. Er griff nach dem Köfferchen, das neben einer großen Tasche und einem Wäschekorb mit Bettzeug stand. „Wir müssen unbedingt noch mal zum Strand und den Feldsandlaufkäfer suchen.“
Schleckslis blubberte Unverständliches. Sie gingen ins Zimmer und setzten sich auf ihre Betten. Gsälzle klappte das Köfferchen auf und erstarrte . „Des isch ja gar net meiner!“
„Da im Eck steht Ihrer.“, stellte Schleckslis sachlich fest. Er trat hinzu und schaute neugierig in den Koffer auf Gsälzles Schoß: Der Koffer war mit schwarzem Stoff ausgeschlagen und in drei von vier Vertiefungen lag jeweils ein dickes, reich verziertes Wanderstockgriffstück! Über jeder Vertiefung war eine Nummer auf dünnem Blech eingeschlagen, darüber lag eine Hochglanzbroschüre mit dem Titel „Gebrauchsanweisung“ – und unübersehbar prächtig : das Bayerische Staatswappen! Schleckslis wandte sich zum Fenster, begann in der Broschüre zu blättern und las laut vor, während Gsälzle eines der Griffstücke ratlos in der Hand hin und her wendete.
„Erstens: Optische Beobachtungseinheit. Zweitens: Akustische Observierungseinheit. Drittens: Schlossereinheit. Viertens: Nahkampfeinheit.“ Gsälzle achtete nicht darauf, er wog den Griff in der Hand, fuhr bewundernd über die reichhaltigen Silberornamente, die Schloss Neuschwanstein darstellten. Darüber strahlte milde das edle Haupt von König Ludwig dem Zweiten. Dieser ließ sich erstaunlicherweise beiseite drücken. Der Griff zuckte und gab ein leise zischendes „Plopp“ von sich.
„AUA!“ Schleckslis fuhr herum und fasste sich ans stattliche Hinterteil.
Erschrocken legte Gsälzle den Griff zurück in den Koffer und klappte den Deckel zu.
„Herr Schleckslis?“ Doch Schleckslis reagierte nicht. Seine Glubschaugen wurden glasig und in Zeitlupe brach er wie ein fallender Baum auf seinem krachenden Bett zusammen.


 


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