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Kapitel 16
 

Auf den Walknochen, die das Heimatmuseum umzäunten, bwegten sich im Mondlicht zwei ungewöhnliche Schatten: Der kleinere unsicher trippelnd, der andere, groß, an verschiedenen Stellen mächtig ausgebeult, schob sich gemächlich hinterher.
„Da geht’s nei!“ Eine laute Schepperstimme zerschnitt die stille Mondnacht. Der große Schatten knuffte den kleinen. „Bscht! Ruhig! Sie wecke doch die Leut auf. Und überhaupt war des Ihre Idee, sich hier einzuschleiche und dann fällt Ihne nix besseres ein, als sich Courage anzusuffe, Sie Simpel !“ Ein weiteres „Bscht!“, nun vom Kleinen, ließ die Predigt verstummen.

Sie huschten zum Eingang. „Ob der auch den Schlüssel unterm Abtreter hat?“, flüsterte Schleckslis und drückte gegen die Tür, welche überraschend nachgab. „Des isch jo offe!“ Er schrak zusammen, denn hinter ihm ertönten plötzlich Würggeräusche. Herr Gsälzle erbrach sich heftig auf die Fußmatte. Schleckslis verzog resigniert die Wulstlippen und blieb lauschend im Gang stehen. Er knipste die Taschenlampe an und zog den heftig atmenden Schwaben hinein. Ein Lichtkegel wanderte zu dessen leichenfahlem Gesicht. „Eine Schand isch des!“, zischte der Badener. „Wie kann man nur so suffe!“ Dann leuchtete er in den Ausstellungsraum. Langsam glitt das Licht über den Walpenis und die anderen naturkundlichen Exponate, um endlich bei dem aufgeschlagenen Buch auf dem Stehpult zu verharren. Gsälzle begann aufgeregt darin zu blättern. „Fünfzehnhundert – ...“
Ein scharrendes Geräusch! Schleckslis fuhr herum. Hastig fuchtelte er mit der Lampe. Jedoch zu spät, um angemessen auf die dunkle Gestalt zu reagieren, die sich auf ihn stürzte. Er krachte zu Boden und Gsälzle beobachtete im spärlichen Licht der davongerollten Taschenlampe hilflos das keuchende Gewühle, das ständig Flüche wie „Schissdreck“ und „Kruzifix sackerment“ absonderte. Er musste Schleckslis helfen. Was ließ sich hier bloß als Waffe gebrauchen? Sein Blick fiel auf das lange Ding an der Wand. Ohne zu zögern, riss er den Walpenis aus der Halterung und hieb damit auf das zuckende, lästerlich fluchende Knäuel ein. Die Waffe brach schließlich entzwei, eine Gestalt sprang auf, rempelte Gsälzle beiseite und hetzte zur Tür hinaus.

Schleckslis tastete stöhnend nach der Taschenlampe und erhob sich mühsam.
Sein dicker Finger zeigte anklagend auf den Schwaben. „Sie haben mich geschlagen.“ Er erblickte die Trümmer der Waffe. „Mit einem Walpenis. Sie haben mich mit einem Penis geschlagen. Und Sie haben ein Ausstellungsstück zerstört.
Das zahlt die Landesregierung niemals. Ich hoffe, Sie sind gut versichert.“
Verdattert beäugte Gsälzle das Malheur. „Ich wollt Ihne nur helfa.“
Schleckslis winkte großzügig ab. „Ach was, mit dem wär ich leicht fertig geworden.“
Er hieb dem anderen kräftig auf die Schulter und brach in blubberndes Gelächter aus
„War nur ein Spaß...Was ist denn das jetzt?“
„Rolling home....“, ertönte es vor der Tür. Der Museumswärter kam zurück!
„Der isch besoffe.“ Stellte Gsälzle sachkundig fest. „Wir müsset hier raus!“
Hektisch bewegte er sich Richtung Ausgang, stolperte über ein Trümmerstück und schlug der Länge nach hin.

Vor der offenen Tür stand Jürgen Püttjer und kratzte sich am Kinn. „Verdammich!
Hier riecht es aber streng heute abend und die Tür habe ich wohl auch aufgelassen. So ein Schiet!“, sagte er zu sich und schnupperte mit verzogenem Gesicht. Er hatte wieder einen grandiosen Abend in der Kneipe, wo er wie immer nach der Chorprobe gut auftanken und sein Seemannsgarn zum Besten geben durfte. Vor allem die alte Geschichte vom Strandpiraten Hein Akkermann, der vor Jahrhunderten den gestrandeten Bäcker gerettet hatte, war bei den weiblichen Gästen wieder mal eingeschlagen wie eine Bombe. Ihre anbetenden Blicke wirkten auf Jürgen Püttjer wahrlich noch weit berauschender als Bier und Korn.
So ahnte er nun in seiner Hochstimmung auch nichts Böses, als er den Fuß beherzt auf die Fußmatte setzte, in etwas Schleimigem ausglitt und auf dem Hosenboden landete. „Verdammich, verdammich.“ Unbeholfen rappelte er sich auf, da wurde er von einer herausstürmenden Walze erneut umgepflügt. Im Gefolge der Walze zappelte ein absurd kleiner Mann, der ihm noch mit gewaltiger Stimme „Entschuldigung!“ ins Ohr brüllte.
Dann wurde es Nacht um Jürgen Püttjer.


 


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