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Waris Dirie - Wüstenblume
 

Ein erschreckender Bericht über afrikanische Beschneidungsmethoden

In vielen Teilen der Erde werden noch heute Riten durchgeführt, die nach unserem Verständnis grausam und unmenschlich sind, jedoch empfinden die Menschen dort es als ihre Religiosität und damit ihre zu erfüllende Pflicht vor ihrem Gott.

Ein kleines Mädchen stürzt sich aus lauter Neugierde in ihr verfrühtes Schicksal. Der Ritus, dem sich das Mädchen zu unterziehen wünscht, ist die Beschneidung der Frau oder auch "das unreine Mädchen zu einer reinen Frau machen".  Mit dieser Begebenheit beginnt Waris Dirie ihre wahre und mitreißende Geschichte "Wüstenblume". Das kleine Mädchen ist sie selbst.
In einem somalischen Dorf, Ende des letzten Jahrhunderts wird Waris vertrauend auf ihre Mutter und ihre älteren Schwestern fern vom Dorf zu einer alten Frau gebracht. Diese Frau, bestückt mit einem etwas schärferen Gegenstand, trennt dem kleinen Mädchen Schamlippen samt Klitoris von ihrem Körper ab, bei vollem Bewusstsein natürlich, wird die Wunde nun bis auf ein kleines Loch mit Nadel und Faden verschlossen. Anschließend werden die Beine des Mädchens mit Stoffen zusammen gebunden und in diesem Zustand bleibt das Mädchen ein bis zwei Wochen alleine in einem Zelt, welches in einiger Entfernung zu dem Dorf liegt. Jeden Tag kommt die Mutter vorbei um dem Mädchen die nötige Verpflegung an Essen und Trinken zu verabreichen und um zu überprüfen ob ihre Tochter noch unter den Lebenden weilt, denn nicht all zu selten kommt es vor, dass Mädchen an einem Infekt, starkem Blutverlust oder aber auch an einem Hyänenüberfall erliegen, so geschah es mit einer von Waris` Schwestern.
Warum das Ganze? Den Frauen wird erzählt im Koran wäre dieses Gebot zu finden und es sei Allahs Wille. Da sie den Koran selbst nicht lesen können, wissen sie nicht, dass kein Wort über die Beschneidung von Frauen im Koran verloren wird, sondern lediglich eine Erfindung ist, um sie zu quälen und ihnen ein Stück ihrer Lebensqualität zu rauben. Leider ist mit Beschneidung noch nicht genug getan. Frauen werden in allen möglichen Lebenslagen eingeschränkt, so dürfen sie beispielsweise nicht entscheiden mit wem sie ihr Leben teilen möchten oder wann sie etwas sagen möchten. Frauen sind in der Öffentlichkeit nicht berechtigt, sich selbst vor Gericht zu vertreten oder in die Bank zu gehen, für all dies wird ihnen ein Vormund aus der Familie zur Seite gestellt. Unbeholfen wie sie sind, werden sie für jegliche Ungeschicklichkeiten von ihren Männern misshandelt, die auch das Recht haben sich von der störenden Frau scheiden zu lassen, im Gegensatz dazu hat die Frau keinerlei Recht sich von ihrem Mann zu lösen. Um solch einem Schicksal zu entgehen, flieht Waris als ihr Vater sie an einen alten Mann verheiraten will.
Ihr Ziel ist Mogadishu, die Hauptstadt Somalias´. Doch schon der Weg dorthin gestaltet sich schwierig.
Zunächst musste sie ihren Verfolgern, Vater und anderen Männern, entgehen; keine leichte Aufgabe für ein circa dreizehn jähriges Mädchen. Sie überlebte wie durch ein Wunder die Begegnung mit einem Löwen und entging mit viel Glück dem schrecklichen Tod der Wüste. Als sie dann noch das Opfer einer Vergewaltigung werden sollte, sich aber noch befreien konnte, erreichte sie die Hauptstadt schließlich mit einer seelischen Zerrissenheit. Nach einem mehr monatigen Aufenthalt bei einer Tante, von der sie nur ausgenutzt wurde, entschloss Waris sich mit ihrem Onkel nach England zu gehen, um dort für ihn als Haushaltshilfe zu arbeiten. Was sehr harmlos erschien, sich aber schnell dem Gegenteil verschrieb. Waris wurde wie eine Sklavin behandelt, was ihrer Natur ganz und gar nicht entsprach. Waris liebt ihre Freiheit und dennoch konnte sie sie noch nie in ihrem Dasein leben. Ihr Onkel verließ Waris nach einiger Zeit und kehrte nach Afrika zurück. Zunächst hilflos, dann aber schnell Initiative ergreifend, lernt Waris dir englische Sprache und sucht einen Job. Um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, geht sie eine Scheinehe ein, als ihr "Ehemann" allerdings aufdringlich wird, reicht sie die Scheidung ein. Um sich über Wasser zu halten bewirbt sie sich an verschiedenen Model-Agenturen und wird auch angenommen. Heute ist Waris Dirie ein erfolgreiches Model, Mutter, Autorin und Sonderbotschafterin der UN.
Waris Dirie steht für die Rechte der Frauen auf der ganzen Welt, sie machte die Verstümmlung der Frau publik und kämpft gegen die Unterdrückung. Zudem kümmerte sie sich um das Wohl ihrer Familie, die in Somalia im Krieg lebt. Waris berichtet in ihren Büchern von viel Leid und Ungerechtigkeiten, die Frauen in vielen Ländern erfahren. Sie möchte die Welt davon in Kenntnis setzen und vielen Menschen die Augen öffnen, damit etwas geschieht und die Länder unter dem Druck der Welt endlich handeln, Gesetzte einführen und Strafen versetzen.
Die Fakten, die in der Autobiographie vorliegen sind schreckliche Tatsachen, die uns so fern sind, jedoch sollte niemand länger seine Augen darüber verschließen. Stattdessen müssen alle die davon wissen handeln, damit alles was den Frauen und auch den Männern in dieser Welt noch an grausamen Untaten angetan wird, vollständig beseitigt werden kann.

Aus dem Spongo Nr. 34, Schülerzeitung des Hölderlingymnasiums
Gloria Müller (18 Jahre)

Daten:
Taschenbuch, 280 Seiten, Ullstein Bücher Nr. 36591, ISBN: 3548365914, 8,95 Euro
in der Stadtbücherei Nürtingen ausleihbar.

 


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