Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Ausgewähltes
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Bücher
 
Renate Finckh: Sie versprachen uns die Zukunft. Eine Jugend im Nationalsozialismus
 

"Nein!" bekräftigte ich nochmals ganz entschieden. "Nein, Juden sind keine Menschen!" - an solche ihre Sätze erinnert sich die Autorin noch gut. Und sie gibt Einblick in ihre Geschichte, ihren und ihrer Eltern Beitrag zum Unrecht der NS-Zeit.

Der Vater bei der SA, der oft Nachtdienst hatte, "um aufzuräumen", die Mutter in der NS-Frauenschaft, um der "Volksgemeinschaft" zu dienen - selber mit dreizehn Jahren "Führerin", die sich bis zum Ende fanatisch für den Nationalsozialismus einsetzte - die meisten Altersgenossinnen ihres Kalibers schwiegen sich nach dem Zusammenbruch darüber aus.

Schonungslos ehrlich schildert Renate Finckh, wie stolz ihr Vater auf die von ihm geschaffene Hitler-Büste war, sie ekelhaft zu jüdischen und "halbjüdischen" Mitschülerinnen war, wie sie auf Geheiß einer Bäuerin einen Polenjungen schlug, dessen Blick danach wild aufloderte, wild vor Wut und Hass (Zitat: "Ein Polack ist soviel wie ein Schwein. Nein, er ist weniger wert. Ein Schwein kann ich wenigstens schlachten und aufessen. Mit einem Polacken muss ich mich nur herumärgern).

Sie berichtet von der Judendeportation in Ulm, bei der die Zuschauer wussten, dass es in die Vernichtung ging.

Doch als nach dem Zusammenbruch ein Bauer von der Vernichtung in den KZs sprach, da glaubte sie ihm aus Trotz kein Wort, kein Wort glaubte sie den Zeitungsnachrichten, keines den Plakaten an den Wänden. "Sie lügen, sie lügen alle ...". Mit zwanzig erkannte sie allmählich, dass sie bis zuletzt dem Bösen die Treue gehalten hatte.

Umso höher ist anzurechnen, dass sie Verirrung und Schuld in ihrem Buch nicht relativiert, sonden eingesteht und sie auch in all ihren vermeintlichen Banalitäten beschreibt.

Ein sehr lesenswertes Buch!

Renate Finckh: Sie versprachen uns die Zukunft. Eine Kindheit im Nationalsozialismus. Silberburg-Verlag Tübingen 2002, ISBN: 3-87407-533-8

eine ältere Ausgabe (Arena Taschenbuch) ist in der Stadtbücherei Nürtingen ausleihbar.

 


Anzeigen



Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung