Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Kinderzeitung
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  Bücher
 
Murat Kurnaz: Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantánamo.
 

Sehr flüssig und anschaulich liest sich das Buch über fünf peinvolle und verlorene Jahre. Bedrückend sind die Schilderungen der Folterungen, denen Murat Kurnaz ausgesetzt war: Schläge, Fesselung, die Körperteile abschnürt, Eingesperrtsein in extremer Kälte, Übergießen mit kaltem Wasser in kalter Umgebung, Elektroschocks, Untertauchen des Kopfes in Wasser und tagelanges Aufhängen an den hinten gefesselten Händen in der US-Flugbasis Kandahar/Afghanistan wie in den KZ's unter den Nazis und bei den Hexenprozessen im Mittelalter. Dort in Kandahar sind durch Folter Mitgefangene ermordet worden, wie er an zwei Beispielen beschreibt. Durch Prügel waren bei Mitgefangenen Arme, Beine, Fersen gebrochen, durch Erfrierungen wurden später Gliedmaßen amputiert. "Wie lustig", wenn Wasserflaschen in gefrorenem Zustand über den Stacheldrahtverhau geworfen wurden oder man in den Essenspaketen Schweinefleisch vorfand. Teilte dann ein Mitgefangener seine karge Portion, wurde er von den Bewachern brutal verprügelt.

"Wir haben gerade soviel zu essen bekommen, dass wir überlebt haben", so Kurnaz. Unmenschliche Behandlung auch in Guantánamo. Pfefferspray, CS-Gas, Schläge, Schlafentzug über drei Wochen, Isolation in großer Kälte und großer Hitze und unter Luftentzug, Amputationen von Gliedmaßen in der Krankenstation, sehr dürftige Essensrationen im Gegensatz zu denen, die im Fernsehen gezeigt werden, geschönte Bereiche für Journalisten und Rotes Kreuz, Aufs-Essen-Spucken, Koranschändungen, Aussetzen extrem lauter Musik, sadistische Wärter - das ist der Alltag in Guantánamo, von dem Kurnaz in einfachen Worten und nüchtern berichtet.

Ein Militärpolizist beteiligte sich nicht an den Grausamkeiten und schämte sich - wie er Kurnaz sagte. Andere Bewacher hätten ihm Extrarationen zugesteckt. Mehrmals beteiligte sich Kurnaz an Hungerstreiks.

Ein absolut lesenswertes Buch, dem man eine rasche Übersetzung ins Englische und Französische und eine Verbreitung auch in den USA wünscht. Ein bestürzendes, authentisches und glaubwürdiges Dokument des dunkelsten Kapitels und der Schande der heutigen USA.

Murat Kurnaz/Helmut Kuhn: Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantánamo, Rowohlt Verlag, Berlin 2007. ISBN: 3-87134-589-X, Preis (EURO): 16.90

Auch in der Stadtbücherei ausleihbar.

 


Anzeigen



Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung