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Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt
 

2008 erschien die zweite Studie Zukunftsfähiges Deutschland, die vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie erarbeitet wurde, bevor die Wirtschaftskrise in aller Munde war. Darin wird bereits von einer substanzlosen Aufblähung der Geldökonomie gewarnt und visionär das Primat der Politik eingefordert, das in der Krise tatsächlich an Gewicht gewonnen hat. Allerdings geht es der Studie nicht um den Schutz von Kapitalanlegern, sondern um die Gestaltung unseres Weges in die Zukunft. Dabei wird auch die 30-Stunden-Woche, wie sie bei Konzernen wie Daimler vorübergehend eingeführt wurde, vorgeschlagen, allerdings nicht als sektorale Notübung, sondern als Maßnahme für alle um die Erwerbsarbeit auf alle Erwerbsfähigen zu verteilen, wobei auch die Notwendigkeit sozialer Ausgleichsmaßnahmen für GeringverdienerInnen gesehen wird. Die aktuelle Entwicklung hat der Studie also bereits einen hohen Realitätssinn bescheinigt.

1996 hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer bemerkenswerten Partnerschaft mit Misereor die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“, die vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie erstellt wurde, herausgegeben. Darin ging es darum, wie Deutschland die Nachhaltigkeitsziele des UN-Gipfels von Rio 1992 umsetzen kann. Das Ziel war eine wirtschaftliche Entwicklung, die nicht die Umwelt ausbeutet, global gerecht und sozial fair ist.

12 Jahre später hat der BUND nun die zweite Studie des Wuppertal Instituts zu dem Thema herausgebracht, diesmal in Zusammenarbeit mit Brot für die Welt und dem evangelischen Entwicklungsdienst. Darin wird kurz resümiert, was in den zwölf Jahren erreicht wurde und wo die Entwicklung hinter den Zielen zurückgeblieben ist, um dann erneut eine road map für eine zukunftsfähige Entwicklung zu entwerfen.

Dabei ist kein romantischer Ökoschmöker herausgekommen, sondern ein nüchterner, fundierter Einstieg und Begleiter in die Thematik, der auch den damit Vertrauten LeserInnen manch neue Erkenntnis bietet.

Die Nachhaltigkeitsdebatte hat einerseits davon profitiert, dass sie auch die ökonomische Entwicklung in Betracht gezogen hat und so eine Frontstellung Wohlstand oder Nachhaltigkeit vermieden hat. Andererseits entstand der Eindruck, dass die ökonomische Entwicklung gleichberechtigt mit Umweltschutz und der globalen Fairness ist. Die neue Studie betont hingegen sehr deutlich, dass sich die Wirtschaft an die Leitplanken der Ökologie und globalen Gerechtigkeit halten muss, wenn unser gesamtes System nicht aus der Bahn geworfen werden soll. Dabei bedeutet globale Armutsminderung auch nicht mehr Almosen der Entwicklungshilfe, sondern strukturelle Veränderungen, die auch eine Verminderung unseres kollektiven Reichtums bedeutet.

Die ökologische Ausgangssituation wird abgesteckt mit den Stichworten Klimachaos, Ende der fossilen Energieträger und Artensterben. Als Option wird eine Zukunft mit regenerativer Energieerzeugung auf der Grundlage konsequenter Verringerung des Energiebedarfs propagiert. Zugleich beanspruchen alle Länder ihren Anteil an den globalen Ressourcen für ihre Entwicklung. Und unser Wirtschaftskonzept erfüllt längst nicht mehr seine Versprechen von Vollbeschäftigung und Wohlbefinden. Dazu werden aktuelle Bilanzen der Umweltbeanspruchung und des internationalen Profits Deutschlands präsentiert. Da erfährt man z. B., dass weniger die guten Absichten als die finanziellen Möglichkeiten das Maß unserer persönlichen Umweltbeanspruchung beeinflussen. Die umweltbewussten Mittelständler und Bildungsbürger tragen nämlich im Schnitt mehr zur Umweltbeeinträchtigung bei, als Menschen mit geringerer Ausbildung und Einkommen, die es sich einfach nicht leisten können in einer großen Wohnung mit vielen Geräten und einem neuen Auto zu leben und häufig im Urlaub zu verreisen.

Für eine verträgliche Zukunft werden Leitbilder für die einzelnen Bereiche entwickelt und Konsequenzen daraus abgeleitet. So sollen die internationalen Beziehungen durch ein Gastrecht für alle auf dieser Welt bestimmt werden. Das heißt u.a., dass nationale Politik keine negativen Auswirkungen in anderen Ländern haben darf (Palmöl als regenerative Energieträger), dass internationale Kredite die Einhaltung der Menschenrechte erfordern, dass die Regeln der Welthandelsorganisation mit den Menschenrechten verknüpft werden und dass auch international tätige Unternehmen verpflichtet sind die Menschenrechte zu beachten, unabhängig von der Gesetzeslage in den Ländern, in denen sie tätig sind. Die Umweltentwicklung soll zu einem ökologischen Wohlstand führen. Der besteht nicht in immer mehr materiellem Besitz, sondern eher in der bewussten Auswahl von wenigen aber besseren Produkten. Die soziale Entwicklung soll sich an einer Gesellschaft der Teilhabe orientieren. Das beinhaltet eine Daseinssicherung, die nicht von Erwerbsarbeit abhängig ist und Freiräume schafft für notwendige gesellschaftliche Tätigkeiten wie Erziehung, Pflege und gemeinnützige Arbeit. Die ökonomische Entwicklung soll die ganze Wirtschaft im Blick haben. also nicht nur die Geldökonomie, der wir die aktuelle Wirtschaftskrise verdanken, sondern auch die Natur- und Lebensweltökonomie, also die Leistungen der Natur und die innerhalb der Familien und sozialen Netzwerke erbracht werden.

Zur Konkretisierung dieser Leitbilder sind Kurswechsel in verschiedenen Bereichen erforderlich: die Umstellung auf eine Solarwirtschaft, die Verbesserung der Ressourceneffizienz, politische Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, Regionalisierung der Wirtschaftskreisläufe und Verteilung der Erwerbsarbeit auf alle durch Reduzierung der Arbeitszeit mit sozialem Ausgleich für Geringverdiener. International muss eine gerechte Klimapolitik mit einer Technologie-Allianz zwischen Nord und Süd umgesetzt werden. Der Schutz der biologischen Vielfalt muss international abgesichert werden. Die globale Produktion muss Mehrwert und Beachtung ökologischer Rahmenbedingungen auf alle Stationen gewährleisten. Und schließlich ist eine faire Welthandelspolitik erforderlich.

Aber die zukunftsfähige Entwicklung muss auch vor Ort und im Privaten vorangebracht werden. Im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten kann jedeR täglich mitentscheiden, wie viel Ressourcen und Energie wir verbrauchen oder wie Lebensmittel produziert werden.

Zu all diesen Vorschlägen werden bereits existierende Ansätze und konkrete Visionen, wie die Welt im Jahr 2022 aussehen soll, vorgestellt.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland,  Brot für die Welt, evangelischer Entwicklungsdienst (Hg.): Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt, Fischer Taschenbuch Verlag 2008, 656 Seiten, ISBN978-3-596-1792-6, 14,95 €.

Auch in der Nürtinger Stadtbücherei ausleihbar.

 


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