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  Bücher
 
Freya, Iduna & Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen
 

Wieder ein rechtslastiges Buch mehr? Eine weitere Bibel alter und neuer Nazis oder des völkischen Spektrums innerhalb des Neuheidentums? Wer das Buch vorschnell in die braune Schublade wirft, der tut dem Werk bitter unrecht, auch wenn diese Assoziation zunächst nahe liegt. Die Autorin rang ebenfalls mit sich, als sie mit der Idee zu diesem Buch schwanger ging: "Lange Zeit bin ich um die Themen der nordisch-germanischen Mythologie herumgeschlichen wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Ich wollte mir die Finger nicht verbrennen an dem, was uns die jüngere deutsche Vergangenheit als allzu heißes Eisen hinterlassen hatte" bekennt sie im Vorwort. Doch schließlich wagte sie sich in dieses Minenfeld, denn weshalb solle man in den Mythen der ganzen Welt bewandert sein, doch die Interpretation der germanischen Mythologie dem Nachhall der Nazis überlassen oder weiterhin mehr und mehr zur Terra inkognita werden lassen, ist diese doch mit dem eigenen Kulturkreis verknüpft.

Was die Autorin daraufhin in Buchform packte, verblüfft immer wieder. Denn irgendwo im Hinterstübchen hat man die germanische Mythologie als tumbe, kriegslüsterne Heldensoße abgespeichert und hält daher die Sagenwelt der Germanen  für deutlich gewalttätiger und blutrünstiger als die der Griechen, ja als primitive Verherrlichung roher Gewalt. Vera Zingsem enthüllt diese Vorurteile als Drall, den die Nazis und deren Vorarbeiter wirkmächtiger versetzt hatten, als es Thor mit seinem Hammer je hätte machen können. Anders wäre der Untertitel, der diesen Mythen Charme zuspricht, auch nicht zu verstehen.

Natürlich blickt sie - man kennt dies von anderen Werken aus ihrer Feder - von der Warte starker und bewusster Frauen in diese germanische Sagenwelt und legt genüsslich dar, dass an der Spitze des germanischen Pantheons nicht ein mächtiger Kriegsgott steht, sondern Freya, die Göttin der Liebe und... des Kampfes. Frau Holle, nicht nur Spinnerin und Riesin, erklärt sich aus der nordischen Huld-Saga. Ihren wilden Aspekt kennen hierzulande noch einige als die "Rauhnächte". Doch dass diese "Rauhnächte" in den ebenfalls zwölf Tage währenden Mainächten ein ebenbürtiges Pendant haben, ist wohl für viele Leser neu, wie auch zahlreiche weitere Beispiele dafür, dass die germanische Mythologie auch sanft sein kann. Selbst Thor bzw. Donar, der gewaltigste der Asen, bringt nicht nur Blitz und Donner, sondern halt auch den warmen, befruchtenden Gewitterregen, der die überlebenswichtige Saat aufkeimen und gedeihen lässt.

Sicherlich kann dieses Buch auch in braunen Kreisen Käufer finden. Vermutlich aber werden deren Recken das Buch bald verunsichert beiseite legen. Diejenigen aber, die ihren Blick weiten wollen, weg von der tumben, gewaltstrotzenden und bösartigen Auslegung der Ariosophen und Hitler, Himmler und Co. hin in Richtung einer unbefangeneren und unverstellteren, ja liebäugelnden Sichtweise auf die germanische Mythologie werden nicht enttäuscht. Sie ist ihr angemessener und wird ihr gerechter. Diese Aspekte in unterhaltsamer und mitunter augenzwinkernder Weise nahe zu bringen ist das große Verdienst dieses Buches.

Manuel Werner

Vera ZINGSEM: Freya, Iduna & Thor. Vom Charme der germanischen Göttermythen. Tübingen 2010 (Klöpfer&Meyer), 263 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 22,00 Euro, ISBN 978-3-940086-80-8

 


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