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Liebesmystik
 

„Das ist ja schön, dass Sie einen Verlag für die Verse Rumis gefunden haben“, sagte ich zu dem Nürtinger Reza Maschajechi, dem Erzähler und Übersetzer des bedeutendsten Dichters der persisch-islamischen Mystik, Dschalal ad-Din Muhammad Rumi, der von seinen Anhängern kurz Maulana (persisch, = „unser Herr/Meister“ oder noch kürzer „Rumi“ genannt wird. Reza Maschjechi antwortete: „Nicht ich habe einen Verlag gefunden, der Verlag hat mich gefunden!“. Im Vorwort heißt es hierzu auch: „Diese Übersetzung ist ein Versuch, dem Leser aus dem Ozean persischer Poesie einen durststillenden Tropfen mystischer Liebe anzubieten.“

Rumi war ein islamischer Mystiker und einer der bedeutendsten persischen Dichter des Mittelalters. Er wurde am 30. September 1207 in Balch geboren, einem Ort, der heute im Norden von Afghanistan liegt und ein Vorort von Masar-e Scharif ist, der größten Stadt Nord-Afghanistans, und gleichzeitig die wichtigste Wallfahrtsstätte des Landes. Gestorben ist er am 17. Dezember 1273 in Konya im Zentrum Anatoliens, das heute in der Türkei liegt. Rumi hat die Literatur der Persisch, Türkisch und Urdu sprechenden Völker beeinflusst und thematisiert die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung mit Gott. Er ist auch der Begründer des Ordens der tanzenden Derwische.

In dem Gedichtband sind Gedichte zu finden wie:

„Freude entsteigt der Traurigkeit.
Im Fallen bin ich zum Auferstehn bereit.
Regungslos, still wie die Erde bin ich.
Stille, ein Donnergeschrei, das den Himmel erreicht.“ (Rubai 115)

Ein Rubai – die kürzeste Dichtform Persiens - ist ein Gedicht mit vier Halbzeilen, wie es auch in den oben zitierten Versen ersichtlich wird. Die erste, zweite und vierte Zeile reimen sich, die dritte darf reimlos sein.

Auf den linken Seiten stehen die Verse in Persisch, auf der rechten Seite in deutscher Transkription, die Reza Maschajechi erstellt hat. Verfasser der Buches ist natürlich Rumi. Sehr interessant sind aber auch die 18 Seiten am Schluss des Buches, die Reza Maschajechi geschrieben hat. Sie handeln von Rumis mystischer Liebe, von seiner Religion und seinem Glauben, von seiner Dichtkunst:

„Ein Dichter bin ich nicht, lebe nicht davon.
Vollkommen bin ich nicht, bin nicht traurig drum.
Mein Wissen, meine Kunst misst nur einen Becher voll,
Selbst diesen nehme ich nur aus Gotteshand.“  (Robai, 1256)

Ganz am Schluss spricht Maschajechi von seiner Beziehung zu Rumi: „Rumi dichtete für jeden, auch für mich.“. Mit zwölf Jahren hörte er in der Schule eine Geschichte in den Worten Rumis: „Moses und der Schäfer“. Ein einfacher Schäfer bot Gott fröhlich an, ihm zu dienen, indem er ihm die Füße waschen und ihn kämmen wollte, denn er stellte sich Gott wie einen Menschen vor. Moses, der auf den Schäfer traf, war darob entsetzt. Er schimpfte mit dem Schäfer. Wie könne er sich erlauben, so mit Gott zu sprechen! Über diese Worte erschrak der Schäfer sehr, er raufte sich die Haare und lief verzweifelt in die Wüste.
Da rügte Gott Moses sehr und sagte: Lasse meine Geschöpfe mich nach ihrem Vermögen und auf ihre Weise anbeten!“
Diese Geschichte hatte eine ungeheure Wirkung auf den jungen Hörer und es wurde ihm mit einem Schlag klar, „dass die Tore zum Paradies für jeden offen stehen und nicht nur für die Anhänger bestimmter Religionen.“

Wer also mit dem Islam und mit Persien (Iran), Masar-e Scharif (Afghanistan) und Anatolien (Türkei) nur Enge und Unduldsamkeit assoziiert – die es dort natürlich auch gibt-, dem sei dieser Gedichtband mit seinen Erläuterungen wärmstens empfohlen. Vielleicht bekommt man auch Lust auf mehr Worte Rumis oder auch auf den Reichtum einer Weltreligion, die sich ausbreitete und formte, dem Wasser ähnlich, das sich über den Boden ergießt und die Farbe der unterschiedlichen Erden annimmt, über die es fließt.

Maulana Dschalaldin Rumi: Liebesmythik. Gedichte aus dem Diwan. Ins Deutsche übertragen von Reza Maschjechi, herausgegeben von Richard Pils.  – publication PN°1, Bibliothek der Provinz, Weitra o. J., 102 Seiten, gebunden, 15 Euro, ISBN: 3-85252-596-9

Das Buch kann man auch in der Stadtbücherei Nürtingen ausleihen: Online-Recherche.

 


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