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Christian Felber: Gemeinwohl-Ökonomie
 

Der Autor, Christian Felber ist Lektor an der wirtschaftswissenschaftlichen Universität Wien, Journalist und Gründer von Attac Österreich. Das Buch kam zustande unter Mitwirkung von zunächst 30 Klein- und Kleinstbetrieben aus Österreich und Deutschland. Größter Betrieb ist eine bayrische Bank mit immerhin 650 Mitarbeitern. 2 Monate nach Erscheinen des Buches, etwa Anfang Dezember, waren es schon über 100 Betriebe, die sich einer Gemeinwohlökonomie verpflichten. Auf dem hinteren Klappentext heißt es: „Es gibt eine Alternative zu den realsozialistischen Irrwegen und zum Kapitalismus, der uns in die Krise geführt hat. Christian Felbers Gemeinwohl-Ökonomie ist ein fundamentaler Neuansatz, ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft“.

Man ahnt – eine Jahrhundertaufgabe und überhaupt, gab es nicht schon genügend Versuche eines „Dritten Weges“? Für die kapitalistische Wirtschaftsweise gelten Konkurrenz, Profitstreben und fortdauerndes Wachstum als grundlegend und das ist in zahllosen Gesetzen und internationalen Verträgen festgelegt (national, EU, IWF, WTO u.a.). Absurd daran ist, dass im Wirtschaftsleben Werte gelten, die denen genau entgegengesetzt sind die menschliches und gemeinschaftliches Leben, Beziehungen überhaupt gelingen lassen, nämlich Kooperation, Vertrauensbildung, Solidarität, Teilen. Aus dieser Fehlsteuerung kapitalistischer Ökonomien ergeben sich zahllose katastrophale ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Fehlentwicklungen. Die aktuellste Variante davon ist die derzeitige Eurokrise. Die Idee der Gemeinwohlwirtschaft stellt die falsch gepolte Konkurrenzwirtschaft auf den Kopf, indem sie auf Kooperation als Fundamentalkategorie setzt. Wettbewerb findet statt, nicht um einzelbetriebliche Gewinne und Renditeausschüttungen zu maximieren, sondern um einen möglichst großen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Dieses wird vom Souverän, der Staatsbevölkerung, auf einem Gemeinwohlkonvent ermittelt und in der Verfassung festgeschrieben. Auf betrieblicher Ebene wird dazu eine Gemeinwohlbilanz erstellt und die bisherige Hauptbilanz, die Finanzbilanz, wird zur Nebenbilanz. Dazu muss Gemeinwohl messbar sein. In einem ersten Vorschlag hat der Buchautor mit allen Beteiligten eine solche Gemeinwohlbilanz erstellt.

Felbers Neuansatz hat das Kaliber in zahlreichen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu verwurzeln. In Betrieben und Gewerkschaften, NGOs, den Oppositionsparteien bis in die derzeitigen regierungstragenden Parteien hinein. Er erschließt zahllose Handlungsmöglichkeiten und Personenkreise. Man muss erstmal innehalten und gedanklich ganz von vorne anfangen: mit den ökonomischen Grundüberlegungen, mit direkter Demokratie. Aber ansonsten ist alles da. Viele Menschen, Gruppierungen, Initiativen fordern direkte Demokratie in Ergänzung zur repräsentativen. Manche Klein- bis Mittelbetriebe, aber auch einige große organisieren sich längst genossenschaftlich. Es fehlte aber eine Gesamtperspektive, die ökonomisch fundiert ist. Idee und Konzept der Gemeinwohlökonomie ist korrekturfähig und weiter entwickelbar. Der Autor zitiert den Ökonomen J.M. Keynes: Nichts ist wirksamer als eine Idee, wenn ihre Zeit gekommen ist.

Wer Felbers Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“ wach gelesen hat, stellt es hinterher nicht ins Regal um es dort verstauben zu lassen. Ideen bedürfen der Verbreitung, Erörterung, Debatte. Das Buch ist einfach und klar geschrieben. Die Präzision, mit der auf ein paar Seiten alles Wesentliche zum Thema direkte Demokratie behandelt wird, sucht ihresgleichen. Alles in allem ein großer Wurf.

Christian Felber. Gemeinwohl-Ökonomie. Wien: Deuticke-Verlag, 2010. 150S., € 15,90. ISBN 978-3-552-06137-8

Rezension: Norbert Eisenberger, Wendlingen

 

 


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