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  Bücher
 
Philip Pullmann: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus
 

Philip Pullmann ist der Autor der packenden Jugendbuch-Trilogie „Der goldene Kompass - das magische Messer - das Bernstein-Teleskop“, die er als Gegenentwurf zu C.S. Lewis religiöser Parabel „Narnia“ geschrieben hat. Da darf man gespannt sein, was er über Jesus Christus, die Zentralfigur des christlichen Glaubens schreibt.

Nachdem Pullmann die Jungfrauen-Zeugung stark in Zweifel gezogen hat, stellt er sich vor, dass Maria im Stall zwei Söhne, Zwillinge, zur Welt bringt. Den kräftigen Erstgeborenen nennt sie Jesus. Den schwächeren Zweitgeborenen, dem die Hirten als Messias gehuldigt hatten, nachdem sie ihn, wie von einen Engel auf dem Feld verkündigt, in Windeln gewickelt in der Krippe angetroffen hatten, gibt sie heimlich den Beinamen Christus, der Gesalbte. Jesus ist ein Lausejunge, den die Gebote der Thora nicht sehr interessieren. Aber Christus ist gelehrig und verblüfft schon in jungen Jahren die Alten der Gemeinde mit klugen Argumenten, mit denen er Jesus aus mancher Patsche hilft. Nach der Taufe durch den Johannes ist es aber Jesus, der auf der Suche nach dem Wort Gottes in die Wüste geht. Dort sucht und findet ihn Christus und diskutiert mit ihm über die Wichtigkeit einer Organisation, die den Glauben in der Gesellschaft vertritt, verbreitet und sichert. Jesus jedoch weist diese Versuchung zurück. Als Jesus beginnt zu predigen, dass das Reich Gottes bald komme und dass Gott sein Volk, die Juden, liebt wie ein Vater, bekommt Christus Besuch von einem Fremden. Der fordert ihn auf, aufzuschreiben was Jesus tut und sagt und was ihm widerfährt, damit die Wahrheit nicht von anderen Berichterstattern verfälscht wird. Dabei solle er bedenken, dass die Wahrheit größer als die Wirklichkeit und wichtig für die Zukunft ist. Manchmal müsse man daher über die Wirklichkeit berichten, wie sie hätte sein sollen, auch wenn sie nicht so war. So legt Christus gegen Jesu Willen im Auftrag des Fremden, der sich nie zu erkennen gibt, den Grundstein für die von der Kirche fixierte christliche Lehre mitsamt Legitimation der Kirche selbst. Natürlich bekommt die Auferstehungsgeschichte durch den Zwillingsbruder eine ganz neue Erklärung.

Pullmann erzählt die bekannte Geschichte mit den kleinen Abwandlungen im vertrauten biblischen Ton, so dass man nicht ganz sicher ist, ob die Ereignisse genau so auch in der Bibel stehen oder ob sie Pullmanns Vorstellungen von der Wirklichkeit sind. Sein Jesus predigt Gottes bedingungslose Liebe, die man nicht erwerben kann, und er hat kein Interesse an einer Verbreitung seiner Lehre über das jüdische Volk hinaus oder an einer Organisation wie der Kirche. Auch wenn seine Lehren ihre Zeit nicht überdauert hätten, wie die anderer Prediger auch. Denn er glaubt, dass das Reich Gottes schon bald kommen werde.

Die Feststellung, dass Jesu Lehre und das, was die Kirche daraus und damit gemacht hat, nicht dasselbe sind, ist für die, die sich dafür interessieren nicht ganz so grundstürzend wie der Titel vermuten lässt. Das Buch ist aber ein guter Anlass mal wieder nachzulesen, was wirklich in der Bibel steht, und darüber nachzudenken, was damit gemeint sein könnte - vielleicht noch nicht für die Konfirmanden, aber für die Eltern und Paten.

Philip Pullmann: Der gute Herr Jesus und der Schurke Christus, S. Fischer-Verlag, ISBN-13: 978-3100590312, 230 Seiten, 18,95 €

 


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