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Schwäbische Flora
 

Als Kühe noch auf Waldweiden grasten, sagten Schwaben von einer Milch des Öfteren: „Sie rämseled!“. Die Rinder hatten dann als erstes, vitaminreiches Grün den Bär-Lauch zu sich genommen, dessen Geschmack allerdings von der Milch leicht angenommen wurde. Daher erhielt dieser Lauch den schwäbischen Namen „Ramse“ oder „Ramsele“. Wegen des typischen Duftes und Geschmacks wurde er auch als „Wilder Knoblich“ bezeichnet.
Mit dem Namen „Franzosenkraut“ hingegen bedachten die Schwaben verschiedene Pflanzen, meist weil diese rot und blau blühten, teils aber auch, weil man sie als Heilkraut gegen „den Franzos“  - die Syphilis – zu sich nahm. Die hängenden Blüten der Akelei wurden im Schwäbischen als „Pluderhos“, „Pfaffekapp“ oder „Glöggle“ bezeichnet.
Auf solche Benennungen weist das Buch „Schwäbische Flora“ von Theo Müller hin.

Schon in den Blättern des Schwäbischen Albvereins, deren Schriftleiter der Autor bis 1999 gewesen war, hatte der Autor immer wieder schwäbische Pflanzennamen vorgestellt. In Nürtingen ist Theo Müller auch deswegen bekannt, weil er bis zu seiner Emeritierung 1993 an der Fachhochschule als Professor für ökologische Standortskunde und Landschaftsplanung gewirkt hatte. Auch Walter Wahl, der einige der vielen Fotos beigesteuert hat, ist als ehemaliger Gaunaturschutzwart des Albvereins und ehemaliger Konrektor einer Nürtinger Realschule hierzulande kein Unbekannter. Das Buch ist in der Reihe „Natur-Heimat-Wandern“ des Schwäbischen Albvereins herausgekommen. Von dieser Reihe hatte der Autor in seiner Schriftleiterzeit 28 Bände verlegt gehabt.

List man den Titel, so stellt sich die Frage, was man sich unter einer „schwäbischen Flora“ vorstellen kann. Um welches Schwaben mag es sich hierbei handeln, wie sind dessen Grenzen zu umreißen? In der Einleitung definiert der Autor die Auswahl der schwäbischen Flora. In das Buch hat er solche Pflanzen aufgenommen, die mindestens einen „volkstümlichen schwäbischen Namen besitzen“. Grundlage hierfür ist das Schwäbische Handwörterbuch, ergänzt hat der in Borneo geborene Autor schwäbische Pflanzennamen, die ihm „aus seiner Jugendzeit von Ferienaufenthalten im Remstal (Plüdershausen) und auf der Alb (Donnstetten) eingefallen sind“, sowie aus anderen Publikationen erschlossene.

Aufgelistet sind die über 500 Pflanzen laut Einleitung alphabetisch nach ihrem schriftdeutschen Gattungsnamen, vom „Echten Ackersalat“ (Valerianella locusta) bis zum „Zwergbuchs“ (Polygala chamaebuxus), wobei mir nicht ganz klar ist, weshalb zum Beispiel gleich diese Pflanze als letzte aufgeführt ist, lautet doch bei Polygala der schriftdeutsche Gattungsname nicht nur in maßgeblichen Regelwerken wie der 18. Auflage des „Zander“ oder der „Florenliste Baden-Württembergs“, sondern auch im Sprachgebrauch Kreuzblume oder Kreuzblümchen. Im Buch steht sie aber an letzter Stelle nach der Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum, schriftdeutscher Gattungsname: Zwenke). Die Pflanzen sind dennoch gut findbar, denn ein Register ermöglicht es, sowohl die gewählten deutschen Artnamen, als auch die wissenschaftlichen Artnamen aufzuspüren. Die meisten Nutzer werden sowieso das schöne Werk durchblättern und anhand der Fotos die Pflanzen ausmachen. Ein Register der schwäbischen Pflanzennamen ist wegen des hierfür erforderlichen Seitenumfangs nicht aufgeführt.

Neben den schwäbischen Bezeichnungen und den üblichen Informationen zu den Pflanzen, die solide und zuverlässig dargeboten sind, geht das Buch auf die Nutzungen und die Inhaltsstoffe ein, die auch in einem Glossar zusammengefasst sind.

Die Fotos sind teils von hervorragender Qualität, so ist beispielsweise das Schattenblümchen („Waldrösle“) sicher nicht leicht in Szene zu setzen, dass dies auch in einer In-situ-Aufnahme dennoch ästhetisch und mit allen wesentlichen Merkmalen geht, sieht man anhand eines Fotos von Wolfgang Herter. Auch Fotos von Peter Banzhaf wie das einer ganzen Reihe Wild-Tulpen zwischen den Weinstücken oder von Verena Mueller (Schwarze Nieswurz, Leberblümchen) wirken als wahrer Blickfang. So wird man das Buch gerne durchblättern, den schwäbischen Wortschatz bereichern und nebenbei einiges über diese Pflanzen erfahren. Großen Wert hat es auch für Wanderführer, die mit Hilfe dieses Buches Interessierten viel Wissenswertes zu einzelnen Pflanzen erzählen können.

Schwäbischer Albverein (Hrsg.), Theo Müller: Schwäbische Flora. Stuttgart (Theiss) 2011, gebunden, 735 Seiten, zahlreiche Farbfotos, ISBN 978-3-8062-2552-5. 25,00 Euro

Manuel Werner

 


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