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Wohlstand ohne Wachstum
 

Wer sich mit Umweltfragen beschäftigt sieht sich über kurz oder lang mit dem Wirtschaftswachstum als Ursache von Raubbau an Ressourcen, Luftverschmutzung, Klimaveränderung und Artensterben konfrontiert. Dabei ist ein permanentes Wirtschaftswachstum in einer Welt mit begrenzten Ressourcen und einer begrenzten Aufnahmefähigkeit für Abfallstoffe bei klarem Menschenverstand gar nicht zu erwarten. Trotzdem wird Wirtschaftswachstum ständig als Ziel der Politik vorgegeben und wenn sich das Wachstum mal verlangsamt, bricht sogleich Panik aus.

Tim Jackson, Leiter der Wirtschaftlichen Führungsgruppe der Kommission für Nachhaltige Entwicklung der britischen Regierung, zeigt, dass Wirtschaftswachstum kein geeigneter Indikator für den gesellschaftlichen Wohlstand ist. Das liegt zum einen daran, dass in das Wirtschaftsvolumen auch Leistungen zur Reparatur von Schäden positiv einfließen, während der Wohlstand oder das Wohlbefinden mindestens genauso groß wäre, wenn die Schäden vermieden worden wären. Zum anderen zeigen Untersuchungen, dass zum Beispiel die Zufriedenheit mit dem Leben ab einem Durchschnittseinkommen von 15.000 US-Dollar pro Jahr durch Einkommenszuwächse nicht mehr gesteigert werden kann. Auch die Lebenserwartung oder die Teilhabe an Bildung steigt nicht proportional zum Einkommen, sondern erreicht einen Sättigungswert.

Tim Jackson erklärt leider nicht, warum unsere Gesellschaft trotzdem so abhängig vom Wirtschaftswachstum zu sein scheint. In seiner Erläuterung des aktuellen Wirtschaftsmodells erscheinen die arbeitenden Menschen als die eigentlichen Akteure, die einen Teil ihrer Einkommen in Unternehmen investieren, von denen sie Gewinne erwarten – wo bleiben da die Eigeninteressen der Unternehmen?
Die Alternative, eine Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum, die mit dem zufrieden ist, was sie hat und denen, die viel weniger haben, noch etwas abgibt, kann Tim Jackson auch nicht beschreiben, da es dafür offenbar noch gar keine umfassenden Theorien gibt.
Daher skizziert Tim Jackson das Wirtschaftsmodell für einen Wohlstand ohne Wachstum, das man mit Stichworten, wie „nutzen statt besitzen“, „mehr gemeinsames, weniger privates Eigentum“, „reparieren statt neu kaufen“, „Verteilung der Lohnarbeit“ charakterisieren kann.

Jürgen Trittin, dem Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, fährt da schon der Schreck in die Glieder. Eine Schrumpfungspolitik sei in Deutschland nicht durchsetzungsfähig, schreibt er im Vorwort. Stattdessen setzt er auf die Ansätze zur Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Energie- und Ressourcenverbrauch. Dabei hat Tim Jackson deutlich gezeigt, dass Entkopplungsgewinne regelmäßig von ihrem Erfolg aufgefressen werden (LED-Leuchten verbrauchen zwar weniger Energie, dafür setzen wir sie aber viel umfangreicher ein, so dass im Endeffekt der Energieverbrauch weiter ansteigt).

Ermutigend ist, dass mit Tim Jackson ein führender Kopf einer europäischen Regierungskommission das Dogma des Wirtschaftswachstums für die Weiterexistenz der Menschen in Frage stellt und die Entwicklung eines neuen Wirtschaftsmodells auf die Agenda der Ökonomen setzt.

Tim Jackson: „Wohlstand ohne Wachstum“, oekom verlag München, 2011, gebunden, 240 S., ISBN-13: 978-3-86581-245-2, 19,95 €

 


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