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Reinhold Messner: Mein Leben am Limit
 

Messner: "‘Gehen wir ein Eis essen?’ - für mich damals unerträglich."

Hüetlin: "Was ist daran so schlimm?

M Nichts. Für mich ist so was nach wie vor ein Problem. ... Zeit totschlagen ist mir ein Greuel.

H So ein Eis essen und auf den Platz gucken?

M Wirklich unerträglich. Ich tue was aus Leidenschaft oder gar nicht. Mit einem Mädchen Eis essen bedeutete mir schon damals nichts."

Reinhold Messner, geboren 1944, ist der bekannteste, berühmteste Bergsteiger. In seinem Image hat er selber gebastelt. Um nach seinem wegen dem Bergsteigen abgebrochenen Studium vom Bergsteigen leben zu können, musste sich der Lehrersohn vermarkten. Bücher hat er veröffentlicht, viele rhetorisch und medial gut dargebotene Vorträge auch in unserer Region haben ihn und seine Denkweise für uns transparenter werden lassen. Er legt in diesem Buch eine gut gegliederte und gestaltete Autobiografie seines ereignisreichen und bekannten Lebens vor. Den sechs Kapitel "Der Schwerkraft trotzen" (1949-1969), "In große Höhen steigen" (1969-1986), "In endlose Weiten gehen" (1986-2004), "Nach Antworten suchen" (1995-2009), "Heimat mitgestalten" (1991-2004) und "Das Erbe einbringen" (1998-2008) sind jeweils kurze Texte Messner vorangestellt, die zwischen Zusammenfassung, Reflexion und Erklärungen oszillieren. Spiegel-Reporter Thomas Hüetlin stellt nach diesen Vorbemerkungen durchaus nicht immer opportunistische Fragen, auf die Messner offen eingeht. Die Interviews lesen sich leicht und nehmen insgesamt den weitaus größten Teil des Buches ein. Einem Epilog folgen Daten aus dem Leben Messners.

Während solch einschneidende Dinge wie seine ersten Bergtouren, seine Kindheit, seine Überschreitung des Nanga Parbat mit den Traumata "Verlust des Bruders", "Schuldvorwürfe" und "Erlebnis eigener Todesnähe und Wiedergeburt" wie auch seine erste Besteigung des höchsten Berges der Welt mit Peter Habeler ohne Zuhilfenahme von Sauerstoffgeräten Insidern bekannt sind, wie auch die Tatsache, dass er als der erste Bergsteiger alle Achttausender und alle höchsten Berge der Kontinente bestiegen hat, eröffnet das Buch auch Einblicke in andere Wesensgründe, auch Schattenseiten. Man erfährt, dass Messner seine jetzige Frau, die das erste Mal mit ihm in Tibet war, allein hat zurück gehen lassen. Er hat seine Wanderung fortgesetzt. Als er sie nach seiner Tour gefunden hat, sie krank in einem Hotel, sei seine erste Äußerung gewesen, er habe den Yeti gesehen, nicht die Frage, wie es ihr ginge. Hüetlin konfrontiert Messner auch mit der Aussage seiner ersten Frau, die ihn einen "Menschenfresser" genannt hat, hakt nach, mit welchen Teamkameraden seiner großen Touren er denn noch befreundet sei, konfrontiert ihn mit dem Vorwurf des Egoisten und dem, er habe wiederholt gegen Berg-Ethos verstoßen. Warum er sommers auf einer Burg lebe? Weshalb er sein Engagement als Europa-Parlamentarier für die Südtiroler Grünen aufgegeben habe? Weshalb er sich den Widerständen der Mehrheit der Südtriroler und des dortigen Medien-Moguls zum Trotz für ein an verschiedenen Orten Südtirols geplantes und teilweise verwirklichtes Bergmuseum einsetze, gegen alle finanzielle Vernunft? Wieso er so lange gebraucht und so einen Wirbel darum gemacht habe, herauszubekommen, dass der Yeti-Mythos auf einen Schneebären zurückgeht? Weshalb er in der Wüste Spaghetti kochen könne, am Everest drei Stunden Eis für Tee schmelzen könne, aber zuhause keinen Kaffee machen könne, das alles sind Dinge, mit denen Hüetlin Messner konfrontiert. Man erfährt aber auch Messners Prognose zu einem ganz aktuellen Thema:

"H Prognostizieren Sie eine Verarmung der Mittelschicht?

M ... Ich mag Romano Prodi, aber wenn er sagt, Europa ist in zehn Jahren die führende Wirtschaftsmacht der Welt, denke ich an das, was ich auf meinen Reisen gesehen habe. ... Jeder Realist wird erkennen, daß seine Aussage falsch ist. Außer es geschehen Wunder. Wir in Europa haben keine Chance, unseren Lebensstandard zu halten, wenn wir so weiter machen. Wir haben zu große Arbeitskosten, sind verwöhnt und haben die Strukturveränderung nicht näherungsweise angepackt, auf daß Europa in einer globalisierten Welt konkurrenzfähig bleiben könnte. In den letzten zehn Jahren ist es für eine durchschnittliche Familie mit zwei, drei Kindern viel schwieriger geworden, sich durchzubringen. Meine Eltern hatten fast nichts .... Trotzdem war es möglich, neun Kinder über die Runden zu bringen. Heute wäre so was in Europa undenkbar. ..."

 

279 Seiten mit 7 s/w-Fotos
Gebunden

München 2004
EUR(D) 19,90 / sFr 34,90
ISBN 3-89029-285-2

Das Buch ist in der Stadtbücherei Nürtingen ausleihbar.

 


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