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Ein fliehendes Pferd
 

Ein Lehrer macht mit seiner Frau wie jedes Jahr Urlaub am Bodensee, in immer der gleichen Ferienwohnung, mit immer den gleichen eingefahrenen Ritualen. Helmut (Ulrich Noethen) weiß ziemlich genau, was seine Frau Sabine (Katja Riemann) sagen wird, wenn sie aus dem Wasser kommt. Überraschungen kann es im langweiligen Zusammenleben da nicht mehr geben, geschweige denn sexuelle Anziehungskraft. Der diesjährige Urlaub verändert sich spontan, als Helmuts extrovertierter Schulfreund Klaus (Ulrich Tukur) mit seiner gut aussehenden jungen Freundin (Petra Schmidt-Schaller) auftaucht und charmant aber vorlaut alles ausplaudert, was sie zusammen erlebt haben und was damals passiert ist - der Albtraum eines jeden biederen Studienrats, für den die ersten dreißig Jahre des Lebens in meist peinlicher Erinnerung sind. Der damalige Freund entpuppt sich als unglaublicher Spaßfaktor, der jede Minute des Lebens in vollen Zügen genießen möchte. Ein Risiko ist für ihn immer eine Herausforderung. Die beiden Paare verbringen die weiteren Tage gemeinsam, aber nicht ohne Schwierigkeiten. Sexuelle Lust kommt wechselseitig auf und führt natürlicherweise zu Spannungen. Das größere Problem: Helmut wird zunehmend aggressiver und mutiert zum Gejagten, da ihm von seinem stetig gutgelaunten Studienfreund bei fast allen Gelegenheiten gnadenlos der Spiegel vorgehalten wird und er nur noch als pessimistischer und spießiger Langweiler erscheint. Ein Unfall bei einem Segelausflug bringt alles negativ angestaute ans Tageslicht und beendet abrupt die gemeinsame Zeit. Helmut und Sabine sind zwar plötzlich wieder allein, die eingeschlafene Beziehung wurde jedoch kräftig gepuscht.

Ein Film über Midlifecrisis als witziges Kammerspiel im Freien. Auf diesen einfachen Nenner könnte man ein fliehendes Pferd bringen. Die guten Dialoge sind es, die am stärksten wirken. Mit viel natürlichem Witz gespickt ist es mehr Komödie als Drama. Das unterstreicht deutlich die Szene in der der vermeintlich verunglückte Klaus von Helmut und Helene in einem Glas symbolisch dem Bodenseewasser übergeben werden soll. Die zwei stehen wie bestellt und nicht abgeholt am Anlegesteg, Klaus` Freundin Helene singt auf schwäbisch und Helmut heult sich die Seele aus dem Leib. Man kann dabei nicht ernst bleiben. Maßgeblichen Anteil an der erfrischenden Unterhaltung haben Ulrich Noethen und der richtig gute Ulrich Tukur, der in seiner Rolle als nervender Jugendfreund aufgeht und das perfekte Maß findet. Klaus ist zwar anmaßend, anstrengend und angeberisch, aber auch charmant genug, um ihn sympathisch zu finden. Das ist wichtig, denn sonst wären wohl beide Frauen nicht auf seiner Seite. Diese Figur beweist damit seine Klasse, denn oft genug hat er schon überzeugend richtige Fieslinge dargestellt. Die Optik ist für einen Kinofilm sehr reduziert. Spektakulär sind nur wenige Szenen: ein Sturm auf dem See, ein dem Film seinen Titel gebendes galoppierendes Pferd und nicht zu vergessen: eine Portion Erotik, die in vielen prüden US-Blockbuster-Filmen so undenkbar wäre.

Klar kann „Ein fliehendes Pferd“ auch auf DVD im Wohnzimmer gesehen werden, der Film ist trotz oder sogar gerade wegen der etwas bodenständigen Kulisse eine richtig schöne unterhaltsame Abwechslung im Kino. Und der Bodensee kommt auf der Leinwand viel besser, als daheim im Fernsehen.

D 2007, R.: Rainer Kaufmann

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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