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Michael Clayton
 

Der Film fand in den USA im letzten Jahr großen Anklang und wurde auch für mehrere Oscars nominiert. Die Konkurrenz war allerdings stark und so sprang nur einer für die beste Nebendarstellerin Tilda Swinton heraus, die immer gute Leistungen vollbringt, wenn es darum geht unbarmherzige Frauen darzustellen – man erinnere sich nur an „The Beach“. Aber auch George Clooney, der die Titelfigur spielt, hätte für seine Präsenz gut einen Oscar bekommen können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Aber überhaupt nominiert zu werden ist schon etwas, auf das viele Schauspieler ihr ganzes Leben vergeblich warten.

Clooney ist die Idealbesetzung für diesen Michael Clayton: ein ehemaliger Staatsanwalt, der jetzt in Dienst einer großen und einflussreichen Anwaltskanzlei steht und dort mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür sorgt, dass den zahlungskräftigen Mandanten auch entsprechend geholfen werden kann. Sprich: Probleme bei der Verteidigung müssen nachhaltig beseitigt werden. Clayton hat privat selbst seine Schwierigkeiten und kann sich kaum um seinen Sohn kümmern. Die Ehe ist natürlich Vergangenheit und trotz gutem Verdienst macht seine Spielleidenschaft alle Bemühungen kaputt, finanziell unabhängig zu sein. Dieser Clayton kann sich eigentlich gar kein Gewissen leisten und deshalb spiegelt sich in seinem desillusionierten Gesicht die tägliche Verdrängung wieder, die es ihm ermöglich ständig Leuten zu helfen, die es eigentlich nicht verdient haben. Garantiert nicht verdient hat es der Chemiekonzern U/North, der eine Riesenklage am Hals hat, bei der es um sage und schreibe 3 Milliarden Dollar geht. Brisante Unterlagen beweisen, dass die Firma wissentlich in Kauf genommen hat, dass Menschen zu Schaden kamen. Ausgerechnet Claytons Kollege Arthur Edens hat es sich urplötzlich zum Ziel gesetzt alles ans Licht zu bringen, obwohl er als Staranwalt eigentlich im Auftrag von U/North alle Anschuldigungen abwenden soll. Daran könnte die ganze Kanzlei zu Grunde gehen. Deshalb soll Clayton seinen Partner zur Vernunft bringen. Mehrere solcher Versuche scheitern und Clayton erkennt selbst, dass Edens Recht hat. Die harte Realität zwingt ihn aber dazu, seinen dreckigen Job weiter zu machen in der Hoffnung, irgendwann davon weg zu kommen. Die Chefin von U/North Karen  Crowder, gespielt von Tilda Swinton, greift zum ultimativen Mittel und lässt den offensichtlich durchgeknallten, vom Gerechtigkeitswahn besessenen Arthur Edens ermorden. Da sich auch Clayton über alle Machenschaften der Chemiefirma bestens informiert hat, kann nur noch sein Tod Schlimmeres verhindern.

Die Hauptfigur stirbt aber nicht, sondern kontert überzeugend. Erst gegen Ende, als sie noch einmal kommt, versteht man die Eröffnungsszene und diese ist so ausdrucksstark, wie der ganze Film: George Clooney steht in der Natur vor regungslosen Pferden, die ihn irgendwie faszinieren und ihm letztendlich das Leben retten, denn hinter ihm explodiert eine Bombe in seinem Wagen. Gegensätzlicher könnte der Eindruck nicht sein: Dort die üble, verdorbene Welt, in der es nur darum geht seinen Kopf zu retten, vor ihm die ruhige und unschuldige Natur, die einem Reichtum hervorbringt, von dem seine Klienten nur träumen können. Dazwischen lässt Tony Gilroy Schritt für Schritt gemächlich die entscheidenden Tage Revue passieren, in denen sich alles dramatisch zuspitzt und der Kampf ums wirtschaftliche Überleben offen entbrennt.

Hektische Spannung ist nicht das Mittel dieses Films. Die Detailarbeit, der intensive Fokus auf Dialoge und die sorgfältige Ausarbeitung der Szenen sind es, die die Klasse des Films ausmachen. Michael Clayton ist dabei ein Antiheld des Film noir und nicht ein stets smarter Sonnyboy. George Clooney ist in dieser Rolle viel beeindruckender als zum Beispiel im lässigen Oceans-Streifen. Er sieht auch hier gut aus, keine Frage, aber seine ernste und oft traurige Miene vermittelt überzeugend, wie sehr dieser Ex-Staatsanwalt in einem Leben gefangen ist, das er eigentlich gar nicht führen möchte. Tom Wilkinson als erleuchteter Rächer der Opfer ist ebenso genial wie Tilda Swinton. Man kommt leicht darauf, was die Jury der Oscar-Verleihung dazu gebracht haben mag ihr den Preis für die beste Nebenrolle zu geben. Sie gibt einen phantastischen Eindruck davon, in welcher Verfassung wohl viele Top-Manager in schwierige Besprechungen gehen oder vor Kameras treten, wenn sie dabei noch um einiges mehr als ihre Seele verkaufen müssen. Bravourös gemacht, denn schwarz-weiß gibt es nicht. Jeder noch so skrupellose Manager hat ein Gewissen, nur wird es eben noch schnell in der Toilette heruntergespült.

Michael Clayton ist ein Top-Film, den ich unbedingt empfehlen möchte.

USA 2007, 119 Min., FSK ab 12, D. + R.: Tony Gilroy

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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